Museum 2.0, Museum 3.0, Europäische Ethnologie 0.0? Das Sammeln gegenwärtiger Alltagskultur als Aufgabe angewandter Wissenschaft Markus Walz A USGANGSLAGE : HERAUSFORDERNDE V IELFALT DER E RWERBSOPTIONEN In der Gegenwart ist jedes Sammelverhalten möglich, nahezu jedes Desi- derat erhältlich, jede Kontextinformation recherchierbar. Die Mengenbe- wältigung ist allerdings ein Problem – im Gegensatz zu den letzten auf dem legalen Kunstmarkt beschafbaren Antiken. Nützliche Praxistipps sind rar. Der „Curator for contemporary life“ am walisischen Nationalmu- seum in Cardif berichtet von einer Wechselausstellung zu Punkrock und Einladungen an unterschiedliche Communitys zu jeweils einer Interven- tion in der Dauerausstellung walisischer Tracht – beides ohne Nieder- schlag in der Sammlung, weil die punkigen Dinge aus einer Privatsamm- lung kamen und die kommentierenden Präsentationen nur fotografsch festgehalten sind. 1 Ähnlich punktuelle Beispiele berichtet das Münchner Stadtmuseum: schwarze Lederkleidung als Geschenk eines Fetisch- club-Mitglieds und das Badezimmer einer 1978 gegründeten alternativen Wohngemeinschaft; konzeptuell denkt die Direktorin einerseits an sich einzelnen Themen nur befristet widmendes Sammeln, anderseits erwar- tet sie, dass Musealien „zumindest ansatzweise auf ihre mehrdimensio- nalen Aussagemöglichkeiten befragt und damit thematisch erschlossen 1 | Vgl. RHYS 2011, S. 42, 81.