Sonderdruck: Verhandlungen der Gesellschaft für Ökologie, Erlangen 1974. DER HISTOCHEMISCHE NACHWEIS VON SCHWERMET ALLEN IN DEN CHLORIDZELLEN AQUATISCHER INSEKTEN ALS INDIKATOR FÜR DIE GEW ÄSSERBELASTUN G. W. WICHARD & M. SCHMITZ! Abstract In experiments using the methods of electrolyte histochemistry in combination with microana- lysis of x-rays and with radio-active zinc it was shown that the chloride cells of mayfly larvae and other aquatic insects accumulate heavy metals. The chloride cells are suggested as indicators of heavy metal pollution in water. Einleitung Die Osmoregulation aquatischer Organismen steht in unmittelbarem Zusammen- hang mit den im Wasser gelösten Salzen. Sie bewirken einen osmotischen Druck im Wasser und induzieren in Anhängigkeit von ihrer Konzentration eine osmoti- sche Hyper- oder Hyporegulation. Die Insekten befinden sich meist als Bewohner salzarmer Gewässer im hypotonischen Milieu und sind demzufolge zur hyperos- motischen Regulation befähigt. Zur Aufrechterhaltung der hohen ionalen Hämo- lymphkonzentration pumpen sie gelöste Salze aus dem wässrigen Milieu in die Hämolymphe. Für diese notwendige Salzaufnahme kommen beispielweise bei Ein- tagsfliegen die Chloridzellen auf dem Integument der Larven in Frage (WICHARD, KOMNICK & ABEL 1972). Bei den Chloridzellen ist in einer Initialphase der Ionen-absorption die Akkumu- lation von Ionen aus dem umgebenden Wasser vorgeschaltet. Nach histochemischen Befunden werden hierbei im Apex der Zellen Kationen (Na+) und Anionen (Cl) unter der wahrscheinlichen Beteiligung von Mucosubstanzen angereichert (WICH- ARD & KOMNICK, 1971; KOMNICK, RHEES & ABEL, 1972). Es bleibt weiteren Arbeiten die Klärung vorbehalten, ob und in welcher Weise den Strukturen des Apex eine allgemeine Ionenaustauscherfunktion zugeschrieben werden kann. Diese Untersuchung demonstriert allein die Schwermetallakkumulation in den Chloridzel- len und will auf die Bedeutung der Chloridzellen als Indikator für die Gewässer- belastung aufmerksam machen. Freilanduntersuchung Zum histochemischen Nachweis der Schwermetallakkumulation in den Chloridzel- len wurden Larven von Baetis rhodani L. (Ephemeroptera, Baetidae) aus dem nur 1. Wir danken Herrn Prof. Dr. W. KLOFT, Institut für Angewandte Zoologie der Universi- tät Bonn, für einen Arbeitsplatz und die Möglichkeit zu Szintillationsmessungen. ISS P. Müller, Verhandlungen der Gesellschaft für Ökologie Erlangen 1974 © Springer Science+Business Media Dordrecht 1975