Eine seltene klinische Form der Marek’schen
Krankheit (Hautform) bei Rassegeflügel
F. Möller Palau-Ribes
1
; T. Redmann
1
; H. M. Hafez
2
; O. Kershaw
3
; M. Lierz
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1
Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig Universität Gießen;
2
Institut für Geflügelkrankheiten der Freien Universität Berlin;
3
Institut für Tierpathologie der Freien Universität Berlin
Einleitung
Die Rassegeflügelhaltung ist in Deutschland sehr weit verbreitet.
Hier gibt es ca. 250 000 Rassegeflügelhalter mit einer Gesamtzahl
von ca. 450 000 gehaltenen Hühnern (3). Daher werden Rassehüh-
ner häufiger in der tierärztlichen Praxis vorgestellt. Im Gegensatz
zum Nutzgeflügel haben diese Hühner im engen Kontakt zu Ge-
flügel unterschiedlicher Herkunft und Altersstufen, was die Über-
tragung von Krankheitserregern aller Art begünstigt.
Bei der Marek’schen Krankheit (MD) handelt es sich um eine
beim Huhn weltweit verbreitete lymphoproliferative Erkrankung
von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die akute Form der MD
bei Hühnern gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Tier-
krankheiten (24). Nahezu alle Hühnerbestände, auch klinisch ge-
sunde, sind mit dem Virus der Marek’schen Krankheit (MDV) in-
fiziert (12). Das MDV ist ein Mardivirus und gehört zu den Alpha-
herpesvirinae. Drei Serotypen werden unterschieden. Der Sero-
typ 1 oder Gallid herpesvirus 2 stellt den Prototyp für die Gruppe
dar. Mit MDV wird in den meisten Fällen der Serotyp 1 bezeichnet.
Antigenetisch ist dieses Virus mit dem nicht onkogenen Herpes-
virus der Hühner (Gallid herpesvirus 3 bzw. Serotyp 2) und dem
Putenherpesvirus (Meleagrid herpesvirus 1 bzw. Serotyp 3) ver-
wandt. Serotyp 1 lässt sich auf Basis seiner Virulenz in Pathotypen
unterteilen. Es gibt milde (m)MDV, virulente (v)MDV, hoch viru-
lente (vv)MDV und hoch virulent plus (vv+)MDV-Stämme (27).
Die Marek’sche Krankheit zeigt mehrere Verlaufsformen. Einen
Komplex bilden die lymphoproliferativen Formen. Zu diesen zäh-
len die akute tumoröse, die klassische neurale Form sowie die
Haut- und Augenform. Ferner können vorübergehende Lähmung,
persistierende neurologische Krankheit, Frühsterblichkeit, athe-
rosklerotische Veränderungen, lokale Veränderungen sowie asym-
ptomatische Verläufe auftreten. Die größte Bedeutung in der Pra-
xis haben die – meldepflichtige – akute tumoröse sowie die ner-
vale Form. Letztgenannte manifestiert sich im so genannten „Hür-
denläuferphänomen“. Dabei handelt es sich um eine Lähmung der
Beckengliedmaßen, bei der eine nach vorne und eine nach hinten
weggestreckt wird (4).
Fallbeschreibung
Patienten und Anamnese
Bei den Patienten handelte es sich um New-Hampshire-Hühner
eines Rassegeflügelhalters aus einem Bestand mit 20 Tieren. Die
Tiere der diesjährigen Nachzucht (Alter ca. 24–28 Wochen) wiesen
seit längerer Zeit Verdickungen der Haut auf, insbesondere im
Halsbereich. Weitere Symptome traten zunächst nicht auf, später
stellten diese Junghühner jedoch die Nahrungsaufnahme ein, ma-
gerten ab und starben. Ältere und jüngere Tiere des Bestandes wa-
ren nicht betroffen.
Die Fütterung erfolgte mit handelsüblichem pelletiertem Hüh-
nerfutter, Grünfutter aus dem eigenen Garten und Karotten. Imp-
fungen gegen Newcastle Disease (viermal jährlich über das Trink-
wasser, Lebendimpfstoff: AviPro
®
ND LaSota) und Marek’sche
Krankheit (1. Lebenstag, Impfstoff: AviPro
®
MD LYO) wurden
durchgeführt. Der Bestand befand sich in einer Gemeinschafts-
zuchtanlage eines Rassegeflügelzuchtvereins. Die Tiere wurden in
Bodenhaltung mit Auslauf gehalten. Die benachbarten Abteile wa-
ren mittels Zäunen abgegrenzt.
Klinische Untersuchung
Zur Untersuchung wurden drei Tiere des Bestandes mit gleichen
Symptomen vorgestellt. Die Hühner zeigten ein gestörtes Allge-
meinbefinden und einen mäßigen Ernährungszustand. Die Unter-
suchung der Augen ergab keine Veränderungen. Unter dem dich-
ten Gefieder ließen sich vor allem im Brust- und Halsbereich von
der Haut ausgehende Knoten palpieren. Bei einem vorgestellten
Hahn fiel am Hals ein ungefähr 5 cm langes, derbes Gebilde auf.
Die Tiere wurden zur weiteren Diagnostik getötet und seziert. Da
bei allen Tieren gleiche Befunde vorlagen, wird exemplarisch die
Befundung des Hahns beschrieben.
Sektion
Das Körpergewicht des geschlechtsaktiven Hahns betrug 1,03 kg
bei schlechtem Ernährungszustand (Normalgewicht eines aus-
A rare clinical form of Marek’s Disease (cutaneous form) in ornamental fowl
Tierärztl Prax 2011; 39 (K): 203–207
Eingegangen: 8. Juli 2010
Akzeptiert nach Revision: 28. September 2010
Korrespondenzadresse
Franca Möller Palau-Ribes
Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
der Justus-Liebig Universität Gießen
Frankfurter Straße 91–93
35392 Gießen
E-Mail: Franca.Moeller@vetmed.uni-giessen.de
Kasuistik
Tierärztliche Praxis Kleintiere 3/2011
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