Gold(I)-Komplexe sekundärer Phosphine Gold(I) Complexes of Secondary Phosphines Hubert Schmidbaur*, Gabriele Weidenhiller, Aref A. M. Aly, Oliver Steigeimann** und Gerhard Müller** Anorganisch-chemisches Institut der Technischen Universität München, Lichtenbergstraße 4, D-8046 Garching Z. Naturforsch. 44b, 1503—1508 (1989); eingegangen am 30. August 1989 Gold(I) Complexes, Secondary Phosphines, NMR Spectra, X-Ray Gold(I) complexes with secondary phosphines R2PH ( la —d) of the type R2PH- AuCl (2 a —d) have been obtained in good yield from reactions of (carbonyl)chlorogold(I) and the correspond ing ligand in diethylether. Both compounds 2a, b bearing aromatic substituents with R = 2,4,6- trimethylphenyl (mesityl) and 2-methylphenyl (o-tolyl), and compounds 2 c, d with the bulky alkyl substituents R = r-butyl and R = cyclohexyl, resp., are air-stable crystalline solids. — The coordination compounds have been characterized by NMR and IR data, and - in the cases of 2b and 2c - by single crystal X-ray diffraction studies. Crystals of these two compounds are both monoclinic, space group P2 x!c with four formula units (Z = 4). The analysis shows independent monomers for compound 2c with no intermolecular Au---Au contacts. Molecules of 2b are arranged in centrosymmetrical dimers (head to tail) with an A u--A u distance of 3.56 Ä and a dihedral angle P—Au—Au' —P' of 180°. (This structural study is as yet incomplete and suffers from an unsatisfactory data set for 2b.) It appears that intermolecular contacts are largely control led by steric effects. Phosphine sind die am häufigsten verwendeten Li ganden in der Koordinations-Chemie des Goldes. Bis in jüngste Zeit wurde die Szene jedoch aus schließlich von den tertiären Phosphinen R3P be herrscht [1—3], Sekundäre Phosphine R2PH mit noch einer Wasserstoffunktion am Donoratom wur den nur vereinzelt eingesetzt [4—6] und über erfolg reiche Versuche mit primären Phosphinen RPH2 ist erst kürzlich berichtet worden [7]. Sowohl bei den Typen R2PH als auch bei den RPH2-Homologen richtet sich das Interesse auf den Einsatz zum geziel ten Aufbau polyaurierter Phosphine, in denen an einem zentralen Phosphoratom drei oder mehr Goldatome gebunden sein können. Damit sollen Ar beiten ergänzt werden, bei denen um Kohlenstoff [8—17], Stickstoff [18, 19], Sauerstoff [20, 21], Schwefel und Selen [22—29] bis zu sechs Goldatome gruppiert werden konnten. Als erster Gold(I)-Komplex eines sekundären Phosphins wurde in den hiesigen Laboratorien das Addukt f-Bu2PH A uCl dargestellt und im Rahmen einer einschlägigen Arbeit kurz beschrieben [4]. Die se Ergebnisse wurden — offenbar ohne eigene Ver * Sonderdruckanforderungen an Prof. Dr. H. Schmid baur. ** Röntgenstriiktiiranalvse. Verlag der Zeitschrift für Naturforschung, D-7400 Tübingen 0932 - 0776/89/1200 -1503/$ 01.00/0 suche — zu unserem Erstaunen kürzlich in Zweifel gezogen [5]. Wir berichten deshalb nun in erweiter ter Form über diese Resultate und ergänzen sie durch Angaben über eine Reihe verwandter Verbin dungen des gleichen Typs. Wie sich zeigt, waren die erwähnten Vorbehalte [5] völlig unbegründet. Die erneute Beschäftigung mit der Materie unter einem inzwischen etwas veränderten Blickwinkel förderte daneben einige neue reizvolle strukturchemische Aspekte zutage. Darstellung der Komplexe Als Liganden für die vorgesehenen Studien wur den vier sekundäre Phosphine R2PH ausgewählt, de ren abgestufte Raumansprüche die Abhängigkeit der Komplexstabilität von sterischen Effekten erkennen lassen sollten. Die Substituenten R waren aus der aromatischen Reihe o-Tolyl und Mesityl, aus der ali phatischen Reihe Cyclohexyl und tert-Butyl ( la —d). Diese Phosphine sind alle nach Literaturverfahren zugänglich. Ihre Identität wurde insbesondere an hand ihrer NMR-Spektren überprüft, wobei auch einige Daten nachzutragen waren (vgl. Exp. Teil). Die Synthese der Komplexe erfolgte durch Umset zung der Liganden mit (Carbonyl)chlorogold(I) in Diethylether. Bei thermolabilen Präparaten muß die Reaktionstemperatur entsprechend abgesenkt wer den. Unter CO-Entwicklung bilden sich dann in gu-