Hinweise zum Thema „Werte der Lichtbogenenergie“ In der Normung werden zurzeit Störlichtbogen-Schutzgeräte integriert. Unterschiedliche Systeme existieren schon mehr als 20 Jahre und haben sich praktisch sehr gut bewährt. Aber wie bei allen technischen Neuerungen stehen vielschichtig Argumente der breiten Einführung im Wege. Da sich aber unser soziologisches, ökonomisches und technologisches Sicherheitsbedürfnis gesellschaftlich sehr stark erweitert hat, stehen viele vorgetragene Argumente dieser Entwicklung kontraproduktiv entgegen. Ein leichter Seitenblick ins Privatleben, wo wir nicht mehr mit einem Auto ohne Sicherheitstechnik fahren und auch nicht zugelassen bekommen, oder mit der Pudelmütze und einfachen Holzschiehern den Hang runterfahren, zeigt wie viele Argumente irrational sind. Wir wollen alles mit hoher Zuverlässigkeit, hoher Verfügbarkeit und handeln oft bei der Technik mit der Devise „geiz ist geil“, obwohl uns eine zuverlässige und moderne Technik zur Verfügung steht. Es muss uns mehr bewusstwerden, dass das System der Elektroenergieversorgung, von der Erzeugung über die Verteilung hin bis zur Steckdose, eine der wichtigsten technischen Einrichtung ist, die unsere Lebensqualität entscheidend beeinflusst. Daher gilt Technik und Sachlichkeit immer in den Vordergrund zu stellen. Dazu zählt auch die modernen technischen Möglichkeiten zu nutzen um veraltete Erkenntnisse zu überwinden. Störlichtbögen sind seltene Erscheinungen, treten aber auf und sind mit Sicherheit nicht vermeidbar, da es keine absolut sichere Technik gibt. Grundsätzlich muss man zwischen Hoch- und Niederspannungs-Störlichtbögen unterscheiden. Hochspannungs-Störlichtbögen sind stabile Lichtbögen, das heißt, die treibende Spannung ist wesentlich größer als die Lichtbogenspannung. Sie liegt in der Regel im Bereich von 3 bis 15% der Betriebsspannung. Der Lichtbogenwiderstand im Hochspannungskreis hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Lichtbogenkurzschlussstromes. Die Stromabsenkung liegt im Bereich von 3 bis 10%. Der Niederspannungs-Störlichtbogen muss dagegen als sehr instabiler Störlichtbogen betrachtet werden. Eine Vielzahl von Parameter beeinflussen die Existenz, die Erscheinung und die Auswirkungen sowie die charakteristischen Größen Lichtbogenspannung und Lichtbogenkurzschlussstrom. Grundsätzliche Untersuchungen zu der Existenz des Niederspannungs-Störlichtbogen erfolgte in den siebziger Jahren an der TU Ilmenau und zeitgleich in dem IPH Berlin. Die Untersuchungen in Ilmenau konzentrierten sich auf ein offenes Schienensystem im Strombereich bis 10 kA bei einer Bemessungsspannung von 400 V. Der Untersuchungsbereich im IPH Berlin lag zwischen 3 und 60 kA bei den Bemessungsspannungen von 400 und 660 V. Neben unterschiedlichen offenen Schienenanordnungen wurden im IPH Berlin reale Schaltfelder, Kabelanordnungen sowie Druckuntersuchungen in Modellkästen durchgeführt. Das Kernproblem bei den Untersuchungen in der damaligen Zeit war die vorhandene analoge Messtechnik mit einer sehr begrenzten Amplituden- und Frequenzauflösung. Die direkte messtechnische Darstellung der Lichtbogenleistung war nicht möglich. Die grafische Ermittlung der Lichtbogenleistung aus den aufgezeichneten Spannungs- und Stromvorgängen war extrem fehlerbehaftet. Im Rahmen einer außerplanmäßigen wissenschaftlichen Arbeit an der TU Dresden unter Betreuung von Professor Koettnitz ergaben sich erhebliche Differenzen bei der Auswertung der in den Zeitlupenfilmen erkennbaren dynamischen Lichtbogenexistenz und der Lichtbogenbewegung mit den gleichzeitig aufgezeichneten analogen Oszillogrammen der Spannungs- und Stromverläufe. Als Voraussetzung für eine wissenschaftlich begründbare Klärung der Lichtbogenproblematik wurde eine digitale Aufzeichnung der Spannungs- und Stromverläufe mit einer zeitlichen Auflösung von > 500 kHz festgesetzt um aus diesen digitalen Aufzeichnungen die einzelnen Lichtbogenleistungen zu errechnen und dann daraus die Gesamtlichtbogenleistung zu bestimmen. Einzelaufzeichnung einpoliger Spannungsverläufe mit Kathodenstrahloszillografen sowie einpolige Aufzeichnungen der Spannungs- und Stromverläufe mit dem ersten