Public Health Forum 2018; 26(3): 279–282 Holger Pfaff* Kann die Versorgungsforschung zu mehr Transparenz und Rationalität beitragen? What contribution can health services research make in order to achieve greater transparency and rationality in health care? https://doi.org/10.1515/pubhef-2018-0068 Zusammenfassung: Versorgungsforschung ist ein wich- tiges Teilgebiet von Public Health. Der Beitrag zeigt auf, inwieweit die Schaffung von Transparenz und Rationalität in der gesundheitlichen Versorgung zu den Grundzielen der Versorgungsforschung als Teilgebiet von Public Health zählt. Transparenz und Rationalität als Ziele können – so die Argumentation – prinzipiell durch die Methoden der Versorgungsforschung realisiert werden. Der Artikel stellt weiterhin dar, dass es politische, ökonomische, soziale, psychische und methodische Grenzen bei der Schaffung von vollständiger Transparenz und Rationalität durch die Versorgungsforschung gibt. Schlüsselwörter: Public Health; Rationalität; Transpar- enz; Versorgungsforschung. Abstract: Health services research is an important part of public health. The article shows that the creation of trans- parency and rationality in health care is one of the basic goals of health services research as part of public health. The goals transparency and rationality can be realized in principle through the methods of health services research. The article also shows that there are political, economi- cal, social, psychological and methodological limitations in providing full transparency and rationality through health services research. Keywords: health services research; public health; ration- ality; transparency. Die Versorgungsforschung hat sich – größtenteils aus der Public Health-Forschung heraus – als Forschungsgebiet weltweit und auch in Deutschland etabliert. Damit gestie- gen sind die Erwartungen an die Versorgungsforschung. Im Folgenden soll geklärt werden, inwieweit Transparenz und Rationalität zu den Zielen der Disziplin gehören und welche Faktoren die Erreichung dieser Ziele verhindern können. Die Versorgungsforschung kann auf mindestens drei Forschungstraditionen zurückgeführt werden: Public Health, klinische Outcome-Forschung und Medizinso- ziologie. Zentrales Anliegen von Public Health ist die Ver- besserung der Gesundheit der Bevölkerung [1]. In diesem Rahmen wird das Gesundheits- und Versorgungssystem als einer der Bereiche untersucht, der wesentlich die Gesundheit der Bevölkerung beeinflussen kann. Die Ver- sorgungsforschung wird im Rahmen von Public Health als ein Teilgebiet der Gesundheitssystemforschung auf- gefasst. Versorgungsforschung bezieht sich danach „auf die Mikroebene – insbesondere auf Krankenhäuser, Arztpraxen oder einzelne Gesundheitstechnologien“ ([2]: 253) – des Gesundheitssystems. Sie versucht, auf dieser Mikroebene durch empirische Studien mehr Transparenz zu schaffen. Im Vordergrund der zweiten Forschungstradition steht das Thema der Wirksamkeit evidenzbasierter klini- scher Versorgungsmaßnahmen im Alltag (effectiveness). Es geht um die Frage, was aus der biomedizinischen und klinischen Forschung letztendlich auf der „letzten Meile“ beim Patienten ankommt (outcome) [3, 4]. Für diese For- schungsströmung wurde früh der Begriff „Outcomes- Research“ verwandt [5]. Im Rahmen dieser Tradition untersucht die Versorgungsforschung die Lücke (effec- tiveness gap) zwischen der Wirkung einer Maßnahme in randomisierten Studien unter Experimentalbedingungen (efficacy) und der Wirkung im Versorgungsalltag (effec- tiveness) [6, 7]. Methodischer Kern ist die klinische Epide- miologie. Das Selbstverständnis der Outcome-Forschung innerhalb der Versorgungsforschung ist der Anspruch, durch evidenzbasierte Ergebnisse die Grundlagen für mehr Rationalität im Gesundheitswesen zu schaffen. *Corresponding author: Prof. Dr. Holger Pfaff, Universität zu Köln, IMVR–Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft, Eupener Str. 129, 50933 Köln, E-mail: holger.pfaff@uk-koeln.de Brought to you by | Lancaster University Authenticated Download Date | 1/14/19 12:31 PM