Vít Dovalil (Prag) Deutsch als Sprachmanagement-Objekt in Europa: Akteure, Interessen und Hindernisse Abstract: Der Beitrag geht der Frage nach, welche Akteure die Stellung des Deut- schen im heutigen Europa beeinflussen (können). Als Grundlage für die Untersu- chung wird die Sprachmanagementtheorie gewählt, die sich mit dem Verhalten verschiedener Akteure gegenüber der Sprache beschäftigt. Diese metasprachlichen Aktivitäten definieren das Schlüsselkonzept Sprachmanagement. Auseinander- gehende sprachenpolitische Interessen und Konflikte werden in Abhängigkeit von der Macht des jeweiligen Akteurs gelöst. Es werden konkrete Beispiele analysiert, die sich auf der EU-Ebene, der Ebene eines EU-Mitgliedsstaates wie auch in Regio- nen abspielen.  Skizze des theoretischen Rahmens und zentrale Forschungsfragen Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der allgemeinen Frage auseinander, von welchen Umständen – und wie genau – die Stellung des Deutschen in Europa ab- hängt. Dabei wird ein Versuch unternommen, solche Beispiele von sozialen Kon- texten und Kommunikationsdomänen zu liefern, in denen diese Frage empirisch klar zu beantworten ist. Im Hintergrund dieser sprachsoziologischen Perspektive steht die Voraussetzung, dass der Status einer Sprache in einer (mehrsprachigen) Gemeinschaft als Prozess und Produkt der Diskurse aufgefasst werden kann, in die verschiedene Akteure mit spezifischen Interessen eingreifen. Da sich die Akteure sprachlich – in kurzen Äußerungen wie auch mit umfang- reichen Texten – auf Deutsch beziehen, entstehen metasprachliche Aktivitäten, die auf den Status, den Erwerb, das Prestige wie auch strukturelle (das Korpus) und andere Aspekte dieser Sprache abzielen.1 Wir können konkrete Verhaltens- weisen gegenüber der deutschen Sprache in verschiedenen Diskursen empirisch beobachten. Über die Stellung des Deutschen in Europa diskutieren nicht nur Linguisten, sondern auch Laien, politische Parteien oder Staatsorgane in Deutsch- 1 Diese Differenzierung des Forschungsfeldes entspricht der Strukturierung der Sprachplanung. Vgl. Cooper (1989) oder Marten (2016, S. 24–29). Erschienen in: Lobin, Henning/Witt, Andreas/Wöllstein, Angelika (Hrsg.): Deutsch in Europa – sprachpolitisch, grammatisch, methodisch. Berlin/Boston: de Gruyter, 2021. (Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2020), S. 17-34. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110731514-003