184 PVS, 55. Jg., 1/2014 PVS-Literatur fristig in die Produktion von Massengü- tern mit Maschinen investieren (13 f., 107 f.), weil Investieren rentabler ist als Spekulieren (156). Diese besonderen Faktoren und ein „Einlassen“ auf Kapi- talismus (175, 226) ergeben im Zusam- menspiel von Klugheit und Absichtslo- sigkeit diese „Veranstaltung“ (9 f.): Freiheit nimmt zu, Ungleichheit schwin- det, Realeinkommen steigen. Die derzei- tige Globalisierung mit der Einschal- tung nicht-kapitalistischer Wirtschaften in die Produktion, mit Prestigekonsum, mit einem politisch verteilten Mehrpro- dukt, mit dem Abwürgen des realen Ka- pitalstocks durch Finanzmärkte (181, 206 f.) gefährdet all diese „konstituti- ven Voraussetzungen von Kapitalis- mus“ (10, vgl. 184, 186). Auch die „Zu- kunftssicherung der Einzelnen und der Umwelt“ entzieht sich kapitalistischer Organisation und wäre als soziale Ein- bettung zu regeln (225 f.). Kapitalismus greift zur Welt, Globali- sierung ist „Schicksal“, bedeutet aber nicht zwingend die Weltgeltung von Kapitalismus (185): Diese Stichworte bestimmen die besonders am Beispiel von Spanien, England, Indien, den USA, der Sklaverei vorgestellte, öfters in Tabellen verdichtete Darstellung der Entwicklungen und Möglichkeiten. Schwerpunkte des Buches sind die un- gleichen (187, 190) Globalisierungen am Ende des 19. Jahrhunderts und in der Gegenwart, die Weltwirtschaftskri- se und die durch „steigende Massen- einkommen“ charakterisierte „golde- ne“ Episode von 1950 bis 1980. Als Alternativen werden Finanzmärkte oder reale Märkte, Spekulation oder Produktion, eine hierarchische Gesell- schaft der Etablierten oder der am durchschnittlichen Verdienst, an Pro- duktion, Arbeit und Massenkonsum orientierte „Sieg des Gemeinen Man- nes“ (9, 11 ff., 59, 219 ff., 225) gegen- über der Rückkehr zum „Luxuskon- sum der wenigen und Armut der vielen“ (46) vorgestellt. Komplexität wird reduziert (208), die historische Darstellung wird aktuell, die Analyse wird normativ, die grundlegenden Al- ternativen zeichnen sich ab. Es gilt, „Kapitalismus zu verstehen“, um „sei- ne Ambivalenzen zu nutzen“ (175). „Die Verteidigung von Kapitalismus setzt voraus, dass der Vorrang der rea- len Ökonomie gegenüber den Ansprü- chen der Finanzmärkte und ihren fkti- ven Vermögenswerten ins allgemeine Bewusstsein rückt“ (208). Eike Hennig Wiesner, Ina (Hrsg.). Deutsche Verteidi- gungspolitik. Baden-Baden. Nomos (Schriften der Akademie der Bundes- wehr für Information und Kommuni- kation) 2013. 403 Seiten. 69,00 €. Die Verteidigungspolitik der Bundesre- publik gleicht einem Hund, der sich an den engen Hof deutschen Sekundär- rechts gewöhnt hat. Im Umfeld der Stauffenbergstraße am Berliner Tier- garten musste er nie zubeißen; gelobt wurde er für seine Dienste bei hohem Wasser. Aus entfernteren Geflden kam er letzthin öfters mit schmutzigem Fell und innerlich traumatisiert zurück; auf Liebesbezeugungen der Mitwelt re- agiert er seither eher gereizt. Ina Wiesner legt – mit einem ansehnli- chen Autorenkreis – ein ambitioniertes Überblickswerk zum Politikfeld der Verteidigungspolitik vor. Ohne eigent- lich über Verteidigung zu sprechen, sind die Beiträger mit den Institutionen, Akteuren und Prozessen jenes sensiblen Bereiches befasst, den selbst Nacht- wächtertheoretiker zum „harten“ Kern https://doi.org/10.5771/0032-3470-2014-1-184 Generiert durch IP '207.241.231.83', am 20.07.2018, 10:42:33. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.