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© Friedrich Verlag | Die GRUNDSCHULZEITSCHRIFT 333 | 2022 37
Bei schwachen Leserinnen und
Lesern stehen Leseaufwand und
Gratifikation in einem ungünstigen
Verhältnis. Texte, die sie lesen kön-
nen, empfinden sie als langweilig
und nichtssagend; Texte, die sie inte-
ressieren könnten, sind für sie – ohne
engmaschige Instruktion – nicht rezi-
pierbar. Entsprechend schwierig ist
es für sie, zu einer eigenständigen
Leseroutine zu gelangen. Im vorlie-
genden Beitrag werden drei Comic-
Serien als Lektüre-Angebot vorge-
schlagen und an ihrem Beispiel wird
ein Verfahren des eigenständigen Le-
sens vorgestellt.
eignung der texte für das
eigenständige Lesen
In Phasen des selbstständigen Le-
sens können nur Texte gelesen wer-
den, die von Kindern ohne umfang-
reiche didaktische Rahmungen
rezipiert werden können. Infrage
kommen daher Texte mit inhären-
ter Hilfestellung. Bei den hier vorge-
stellten Comic-Serien ist das der Fall.
Kombination aus texten und Bildern
Bilder kommunizieren in Comics ei-
nen Großteil der Geschichte. Für die
rein textuelle Darstellung einer voll-
umfänglichen Geschichte mit Figuren
samt ihren Intentionen, einer erzähl-
ten Welt sowie einem minimalen Plot
ist ein Textumfang notwendig, der die
Möglichkeiten von schwachen Lese-
rinnen und Lesern oft überfordert. In
Comics ist ein Großteil relevanter In-
formationen in den Bildbereich aus-
gelagert. Neben Überschriften sowie
zeitlichen und räumlichen Verortun-
gen sind es vor allem die wörtlichen
Reden, die als Text vorliegen. Alles
andere wird im Bild vermittelt. Ge-
messen am Umfang der Episoden
weisen Comics also eine überschau-
bare Textmenge auf.
Kurze Sätze, wenig lange Wörter,
niedriger LIX
Schwache Leserinnen und Leser
haben in der Regel Schwierigkei-
ten beim Zusammenlauten bzw.
beim phonetischen Rekodieren.
Außerdem ist ihr Sichtwortschatz
noch recht klein. Entsprechend ge-
ring ist ihre Lesegeschwindigkeit.
Lesen ist für sie mühsam und phy-
sisch erschöpfend (Fischer 2012).
Daher wird empfohlen, Lektüren
für diese Gruppe so zu gestalten,
dass nur geläufiges Vokabular vor-
kommt, schwierige, insbesondere
lange Wörter ersetzt (oder vorent-
lastet) werden, die Satzlänge acht
bis zehn Wörter nicht überschreitet
und der Textumfang klein gehalten
wird. Alle hier aufgeführten Maßga-
ben sind bei den hier vorgestellten
Comic-Serien Ariol, Kiste und Böse
Jungs (abb. 1, 2, 3) entweder bereits
gegeben oder durch kleine Eingriffe
leicht umzusetzen.
Serielle und episodische
Strukturen
Kontext- und Hintergrundwissen
sind ein wichtiger Faktor des Lese-
verstehens (Lenhard 2013). Wenn ge-
klärt ist, vor welchem Hintergrund
ein Text zu verstehen ist, und die ent-
Friedemann Holder | Wolfgang Bay
mit Comics lesen lernen
Comic-Serien für den aufbau von Lesestrategien nutzen
Wenn Kinder noch nicht flüssig lesen können, ist die Lektüre oft mühsam.
Wie kann man diesen Kindern trotzdem Freude am eigenständigen Lesen vermitteln?
Comics können im Zusammenspiel mit einem dezenten Support einen guten Ausweg bieten.
© Reprodukt
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„Böse Jungs“. Geschrieben und illustriert von Aaron Bla-
bey. Übersetzt von Lisa Engels © 2016 Baumhaus Verlag
in der Bastei Lübbe AG, Köln