Schweizerische Ärztezeitung / Bulletin des médecins suisses / Bollettino dei medici svizzeri •2003;84: Nr 39 2030 Editores Medicorum Helveticorum Empfehlungen für Evaluationsstudien von Informationssystemen im Gesundheitswesen E. Ammenwerth a , M. D. Denz b Hintergrund Das Gesundheitswesen ist ohne die systemati- sche Verarbeitung von Informationen nicht mehr denkbar. Informationstechnologie hat in den letzten Jahren eine weite Verbreitung in Krankenhäusern und im ambulanten Bereich gefunden. Informationstechnologie hat offen- bar das Potential, die Effizienz von Abläufen zu erhöhen und dadurch indirekt die Patienten- versorgung zu verbessern. Allerdings birgt der Einsatz von Informationstechnologie auch Ge- fahren und Probleme. So können unzureichend gestaltete Werkzeuge die Benutzer in ihrer Arbeit behindern, und Softwarefehler können zu Da- tenverlust oder sogar zur Schädigung von Patien- ten führen. Daher ist es sehr wichtig, die Qualität der In- formationstechnologie und ihre Auswirkungen systematisch zu überwachen und zu verbessern. Die Evaluation der Informationstechnologie kann helfen, Probleme rechtzeitig zu erkennen und schnell zu lösen. Dies führt letztendlich zu einer höheren Kosteneffizienz von Informa- tionstechnologie und zu einer verbesserten Ver- sorgung. Die Evaluation von Informationstechnologie erfordert die geeignete Kombination von Me- thoden z. B. aus den Sozialwissenschaften, der Informatik und der Biometrie. Der interdiszi- plinäre Austausch ist aber häufig nicht optimal ausgeprägt. Zur Förderung einer interdiszi- plinären Diskussion über die Weiterentwicklung der Evaluationsforschung wurde daher im April 2003 an der Privaten Universität für Medizini- sche Informatik und Technik ein Europäischer Workshop «New Approaches to the Systematic Evaluation of Health Information Systems (HIS- EVAL)» organisiert. Der Workshop wurde von der European Research Foundation (ESF) finanziert. Die Ziele des Workshops waren: Zusammenbringen von Experten aus ver- schiedenen Bereichen wie Informatik, Medi- zinische Informatik, Ökonomie, Gesundheits- wesen, Biometrie, Psychologie und Soziologie. Ermöglichung der Diskussion und des Aus- tauschs zu den dringenden Themen der Eva- luationsforschung zwischen verschiedenen Fachbereichen sowie Ermöglichung des Aus- tauschs von Wissen über Methoden und Werkzeugen. Planung konkreter internationaler und in- terdisziplinärer Initiativen wie die Entwick- lung von Leitlinien oder Methodendaten- banken zur Unterstützung von Evaluations- studien. Aufbau eines Europäischen Netzwerkes zur Unterstützung langfristiger Forschungsakti- vitäten. a Ass.-Prof. Dr., Forschungsgruppe Bewertung von Informations- systemen des Gesundheitswesens, Universität für Medizinische Informatik und Technik Tirol (UMIT), Innsbruck, Österreich b Dr. med., Leiter Abteilung eHealthcare, FMH, Bern, Lehrbeauftragter UMIT Korrespondenz: Ass.-Prof. Dr. Elske Ammenwerth Universität für Medizinische Informatik und Technik Tirol (UMIT) Forschungsgruppe Bewertung von Informationssystemen des Gesundheitswesens Innrain 98 A-6020 Innsbruck E-Mail: elske.ammenwerth@umit.at eHealthCare Die Verbreitung von Informationssystemen im Gesundheitswesen ist im Zunehmen begriffen. Hoffnungsvolle Erwartungen beruhen auf der Annahme, dass durch den Einsatz von Informationssystemen eine qualitative Verbesse- rung des Gesundheitswesens erzielt werden sollte, ebenso werden ökonomi- sche Einsparungen erwartet. Ob diese Erwartungen tatsächlich erfüllt werden, ist noch offen. Die Unterscheidung zwischen Anspruch und Wirklichkeit hängt davon ab, dass Informationssysteme und deren Auswirkungen nach wissen- schaftlichen Kriterien evaluiert werden. Die Empfehlungen der internationa- len Expertengruppe HIS-EVAL sollen dazu beitragen. Symposium «Evaluation von Informations- systemen» am Kongress eHealthCare.ch Im Rahmen des Kongresses eHealthCare.ch, der am 16. und 17. Oktober 2003 an der Uni- versität Irchel in Zürich stattfinden wird, ist das Symposium 18 dem Thema «Evaluation von Informationssystemen» gewidmet. Frau Prof. Ammenwerth wird eine Einführung in aktuelle Konzepte und Methoden der IT-Eva- luation geben, ebenso über die Resultate der Expertengruppe HIS-EVAL berichten. In der anschliessenden Diskussion wird die Mög- lichkeit angeboten, praxisbezogene Fragen und Erfahrungen auf dem Hintergrund der HIS-EVAL-Empfehlungen zu vertiefen. Dabei sollen nicht nur Klinikinformationssysteme berücksichtigt werden, sondern auch Praxis- informationssysteme und andere im Gesund- heitswesen eingesetzte Informationssysteme.