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BIOspektrum | 05.17 | 23. Jahrgang
IANA KIM, VLADYSLAVA GORBOVYTSKA, CLAUS-D. KUHN
ELITENETZWERK BAYERN, UNIVERSITÄT BAYREUTH
The first described non-coding RNAs (ncRNAs), microRNAs, regulate
mRNA fate in a post-transcriptional manner. With the advent of modern
high-throughput methods many novel classes of ncRNAs were described.
In contrast to microRNAs, most of these regulate the transcription
process itself and hence are of fundamental biological importance. Work
in our laboratory addresses how transcriptional regulation by ncRNAs
influences biological processes ranging from regeneration to neuronal
plasticity.
DOI: 10.1007/s12268-017-0832-2
© Springer-Verlag 2017
ó Mit der Entdeckung von Mikro-RNAs wur-
de klar, dass RNA nicht nur ein Zwischen-
produkt der Proteinsynthese ist, sondern auch
eine wichtige Rolle bei der Genregulation
spielt. Da Mikro-RNAs nicht in Proteine über-
schrieben werden, wurden sie als nicht-codie-
rende RNA bezeichnet (non-coding RNA,
ncRNA). Mikro-RNAs sind in der Lage, viele
verschiedene messenger-RNAs (mRNAs) zu
erkennen und deren Abbau einzuleiten. Sie
sind essenziell für Entwicklungsentschei-
dungen humaner Zellen und spielen in den
meisten höheren Organismen eine zentrale
Rolle, wie z. B. bei der Larvenentwicklung
von Caenorhabditis elegans. Deregulierte
Mikro-RNAs sind Kennzeichen lebensbe-
drohlicher Krankheiten wie der Leukämie
und dem Lymphom.
Durch die Verbesserung der Hochdurchsatz-
Analysemethoden für RNAs wurden weitere
Klassen von ncRNA entdeckt. Blockiert man
deren Funktion oder Entstehung, so hat dies
gravierende Folgen für den gesamten Orga-
Nicht-codierende RNA
Wie RNA die Genregulation
beeinflusst
˘ Abb. 1: Wie piRNAs die Regeneration von
Planarien steuern. A, Nach dem Knock-down
eines essenziellen PIWI-Proteins, SMEDWI-2,
sind die Stammzellen (Neoblasten) in Planarien
nicht mehr in der Lage zu differenzieren. B, Das
Schema links zeigt ein klassisches Amputa-
tionsexperiment, bei dem ein Tier in drei Teile
zerteilt wird, um dessen Regenerationsfähigkeit
zu prüfen. Rechts ist unsere Hypothese für die
essenzielle Funktion von piRNAs in Planarien
dargestellt: In Wildtyp-Tieren bauen sie aktive
Transposons im Zytosol ab. Darüber hinaus
schalten an SMEDWI-2 gebundene piRNAs
Transposons und andere mRNAs wahrscheinlich
auch auf epigenetischem Wege im Zellkern aus.
Da Planarien keine DNA-Methylierung besitzen,
gehen wir davon aus, dass diese Repression auf
heterochromatische Histonmodifikationen
zurückzuführen ist. Die Sequenzinformation der
piRNAs dient dabei dazu, die Heterochromatin-
bildung nur in bestimmten Bereichen des
Genoms auszulösen. Wird SMEDWI-2 mithilfe
von RNA-Interferenz ausgeschaltet (SMEDWI-2-
Knock-down), werden sowohl Transposons als
auch Protein-codierende Gene dereguliert, was
die Regeneration blockiert und zum Tod des
Organismus führt.
A
B