Mit In-Kraft-Treten der 12. AMG-Novelle am 6. August 2004 und
der damit verbundenen Umsetzung der EU-Richtlinien 2001/20/
EG, 2000/38/EG und 2003/94/EG verzeichnete das Paul-Ehrlich-
Institut (PEI) in Langen einen deutlichen Rückgang bei Genehmi-
gungsneuanträgen, die eine „somatische Zell-Therapie“ beinhal-
ten. Dies berichtete Dr. Thomas Hinz aus dem PEI anlässlich der
2nd Tegernsee Conference on Immunotherapy of Solid Cancer,
die vom 29. Juni bis 1. Juli 2005 im bayerischen Rottach-Egern
stattfand. 100 Teilnehmer aus sechs Ländern diskutierten drei
Tage lang die neuesten Entwicklung auf dem Gebiet der Immun-
therapie solider Tumoren mit besonderem Augenmerk auf Impf-
strategien, also der aktiv-spezifischen Immuntherapie. Organi-
siert wurde das Treffen von der Chirurgischen Klinik – Klinikum
Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Mün-
chen und dem Earle A. Chiles Research Institute in Portland, Ore-
gon, USA mit Unterstützung der Chiles Foundation, der Deut-
schen Forschungsgemeinschaft und Vertretern der pharmazeuti-
schen Industrie.
Als „Keynote Speaker“ präsentierte Dr. Walter Urba vom Earle
A. Chiles Research Institute die neuesten Ergebnisse zu Antikör-
per-basierten Behandlungskonzepten gegen das T-Lymphozy-
ten-Oberflächenmolekül CTLA-4 (cytotoxic T lymphocyte-asso-
ciated antigen 4). Physiologischerweise fungiert CTLA-4 dabei
als immunregulatorisches Molekül, indem es eine übermäßige
T-Zellaktivierung verhindert. Eine CTLA-4-Blockade durch den
spezifischen Antikörper MDX-010 konnte bereits im Verbund
mit einer therapeutischen Vakzinierung bei Patienten mit me-
tastasiertem Melanom erfolgreich eingesetzt werden. Dabei
wurden in einer kürzlich veröffentlichten Studie 19 Patienten
mit reseziertem malignem Melanom (Stadien III/IV) zusätzlich
zur MDX-010-Gabe mit 3 Tumorantigenen (gp100, MART-1 und
Tyrosinase) vakziniert. Im Rahmen des Immun-Monitorings
fand sich eine spezifische Immunantwort gegen gp100 und
MART-1. Besonders interessant war jedoch die Tatsache, dass 8
der 19 eingeschlossenen Patienten Zeichen einer Autoimmunre-
aktion zeigten. Nur 3 dieser 8 Patienten erlitten ein Tumorrezi-
div. Im Gegensatz dazu kam es bei 9 der übrigen 11 Patienten
(ohne Zeichen einer Autoimmunreaktion) zu einem vorzeitigen
Wiederauftreten des Tumors.
Noch immer bleiben jedoch die Ergebnisse der klinischen Studi-
en zu aktiv-spezifischer Immuntherapie unabhängig vom ver-
wendeten Impfstoff (Peptide, Tumorzellen, Dendritische Zellen,
Heat-Shock-Proteine) hinter den Erwartungen zurück. Dr. Steve
Rosenberg vom National Cancer Institute (NCI) der USA errech-
nete in einer unlängst veröffentlichten Analyse aus 35 klinischen
Studien eine objektivierbare Ansprechrate von 3,8 % (Nature
Medicine 2004; 10: 909). Eine mögliche Lösung könnte es sein,
den Tumor-Patienten vor Erhalt der Impfung mittels Chemothe-
rapie zu „konditionieren“. In einigen Studienprotokollen ist zu-
dem eine „Rekonstitution“ mit autologen Leukozyten vor thera-
peutischer Impfung vorgesehen. Dr. Pedro Romero und Dr. Vere-
na Voelter vom Ludwig-Institut in Lausanne präsentierten eben-
so wie Dr. Leisha Emens von der Johns Hopkins University aus
Baltimore anlässlich der 2nd Tegernsee Conference on Immuno-
therapy of Solid Cancer erstmals ihre frühen Ergebnisse mit die-
sem Konzept bei Melanom- und Brustkrebs-Patienten. An der
Johns Hopkins University werden dabei derzeit im Rahmen einer
Phase-I-Studie Patientinnen mit Stadium IV Brustkrebs behan-
delt, die bereits 0 bis 2 Chemotherapien hinter sich haben und
vor Studienbeginn mindestens 28 Tage lang eine „no change“ Si-
Chirurgische Forschung: Bericht 2nd Tegernsee
Conference on Immunotherapy of Solid Cancer
D. Rüttinger
H. Winter
B. Fox
R. Hatz
K.-W. Jauch
Surgical Research: Meeting Report of the 2
nd
Tegernsee Conference
on Immunotherapy of Solid Cancer
Institutsangaben
Chirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum Grosshadern, Ludwig-Maximilians-Universität München,
Korrespondenzadresse
Dr. med. Dominik Rüttinger · Chirurgische Klinik und Poliklinik – Klinikum Grosshadern ·
Ludwig-Maximilians-Universität München · Marchioninistr.15 · D-81377 München · Tel.: +49/89/709 50 ·
Fax: +49/89/70 95 88 93 · E-mail: dominik.ruettinger@med.uni-muenchen.de
Bibliografie
Viszeralchirurgie 2005; 40: 432–434 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
DOI 10.1055/s-2005-918178
ISSN 1435-3067
Kongress- und Veranstaltungskalender
432
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