Neue Heimat ländlicher Raum? Zum Umgang mit Einwanderung und »Fremdheit« in ländlichen Gemeinden in Deutschland Birgit Glorius 1. Diversität als Aspekt ländlicher Entwicklung Während die demographische Struktur ländlicher Räume in Deutschland viele Jahrzehnte vorwiegend im Kontext von Abwanderung, Alterung und Schrumpfung diskutiert wurde, hat spätestens mit der verstärkten Ankunft und Aufnahme von Geflüchteten seit 2014/15 die Debatte über den Umgang mit Diversität in ländlichen Räumen an Fahrt aufgenommen. Ein genaue- rer Blick auf die demographischen Entwicklungen in ländlichen Regionen offenbart eine beträchtliche Vielfalt bereits vor 2014/15, sowohl hinsichtlich Effekten der Binnenwanderung als auch in Bezug auf internationale Migra- tion und die Ansiedlung von Spätaussiedler*innen und Geflüchteten. Nicht alle diese Gruppen leben freiwillig in ländlichen Regionen, und sie sind auch nicht alle gleichermaßen willkommen. Der Umgang mit dieser durch Migra- tion hervorgerufenen Vielfalt ist das zentrale Tema dieses Beitrags, in dem untersucht wird, wie sich das Ankommen in ländlichen Gemeinden und die Wahrnehmung von Zuwander*innen als ›Beheimatete‹ aus der Perspektive der Wohnbevölkerung darstellt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, entlang welcher Kriterien Zugewanderte als zugehörig oder fremd wahrgenommen werden. Für die Analyse lässt sich der Beitrag durch die geographische Implementation der Critical Whiteness Studies (Bonnet 1997; Jackson 1998) inspirieren, die insbesondere in Bezug auf ländliche Regionen in den USA, Australien und dem Vereinigten Königreich bereits zahlreich angewandt wurde (z.B. Neal 2002; Hubbard 2005; Bonds/Inwood 2015). Der Beitrag zeigt, wie die Critical Whiteness-Perspektive den Blick auf ländliche