Besprechungen 223 ULRIKE WEBER: Familie und Leistungssport (Reihe Sportsoziologie. Bd. 3) Schorndorf.• Hofmann 2003. 347 S.; 24,80 Ohne familiale Unterstützungsleistun- gen ist eine erfolgreiche Karriere im Spitzensport kaum mehr möglich - so lautet zumindest eine in Sportpolitik und Sportwissenschaft immer wieder geäußerte Annahme. Die Abhängigkeit heranwachsender Athletinnen und Ath- leten von ihrer Familie scheint dabei mit der Einwilligung der Eltern zur Partizipa- tion am Leistungssport zu beginnen und frühestens dann zu enden, wenn alter- native Unterstützungssysteme die mate- rielle, motivationale und emotionale Ab- sicherung des Sportlers bzw. der Sport- lerin vollständig übernehmen können. Die vielbeschworene Bedeutung der Familie für den Leistungssport wurde bislang allerdings nur in Ansätzen syste- matisch untersucht: Diese Lücke füllt Ul- rike WEBER. Dabei setzt sie sich zum ei- nen das Ziel, den familialen Input in den Leistungssport und dessen Bedeu- tung für den Karriereerfolg eines Athle- ten bzw. einer Athletin zu analysieren, zum anderen will sie die Gegenleistun- gen eruieren, die eine Familie vom Sys- tem „Leistungssport" für ihr Engage- ment erhält. Die theoretische Basis der WEBER- schen Studie bildet die neuere soziolo- gische Systemtheorie (Kap. 2). Vom sys- temtheoretischen Instrumentarium er- wartet die Autorin „Sensibilität für die handlungsprägende Kraft von sozialen Funktionsbereichen" (21). Die Erklä- rungskraft der soziologischen System- theorie reicht ihr aber offenbar nicht aus. Um „die auf mikrosoziologischer Ebene angesiedelten Handlungsorien- tierungen und -strategien ... der indivi- duellen und kollektiven Akteure sowie daraus erwachsende Akteurskonfigura- tionen" (22) untersuchen zu können, er- gänzt sie ihr theoretisches Werkzeug - vermutlich inspiriert durch die Arbeiten von Uwe SCHIMANK - durch akteurs- theoretische Modelle. Nach einer allgemeinen Beschrei- bung wesentlicher Begrifflichkeiten der soziologischen Systemtheorie schwenkt WEBER unmittelbar zu einer Darstellung der empirischen Vorgehensweise (Kap. 3). Ihre Studie ist als eine qualitative Untersuchung konzipiert, in deren Mit- telpunkt biografische Einzelfallstudien stehen. Der Absicht entsprechend, die Lebenswirklichkeit von Individuen in größeren biografischen Abschnitten un- ter Berücksichtigung komplexer Sinn- muster und Wertehierarchien zu erfas- sen (vgl. ROGGE 1995, 103), wurde bei der Erhebung der Untersuchungsdaten ein qualitatives Verfahren, und zwar die Methode des halbstandardisierten In- SpW 34. Jg., 2004, Ni. 2