Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt Basileios Parakoimomenos: Ein dem Philaretos Brachamios nachgeordneter Kommandant und seine Siegel (ca. 1078–1085/1086) Nach der Niederlage der Byzantiner bei Mantzikert (1071)1 wurden die Karten in der Innenpolitik des Reiches mehrfach neu gemischt, was sich vor allem in der Machtver- teilung und –ausübung im Osten auswirkte. Als potentielle Gewinner versuchten sich dort Armenier, Türken und Byzantiner militärisch zu profilieren, wobei die Seldschu- ken als endgültige Sieger hervorgingen. Eine rezente Revision und Analyse der Macht- verhältnisse in dieser Region unter besonderer Berücksichtigung des einschlägigen Siegelbefunds offerierte Werner Seibt in den Studies for Byzantine Sigillography 12 und 14.2 Zum Protagonisten und obersten Machthaber im Südosten Anatoliens konnte sich de facto Philaretos Brachamios3 noch in den letzten Jahren der Regierungszeit Micha- els VII. als „Rebell“ durchsetzen. Nachdem Nikephoros (III.) Botaneiates als erfolgrei- cher Usurpator hervorgegangen war und den Kaiserthron bestiegen hatte (1078–1081), beförderte er den erprobten General Philaretos Brachamios noch 1078 zum Genera- lissimus des Ostens (δομέστικος τῶν σχολῶν τῆς Ἀνατολῆς bzw. μέγας δομέστικος), rangmäßig zunächst zum πρωτοκουροπαλάτης und wohl am Ende seiner Herrschaft zum σεβαστός. Es sei in Erinnerung gerufen, dass die vorausgegangene Besetzung Antiocheias durch Philaretos (1078) und das damit verbundene Kommando (δοὺξ Ἀντιοχείας, kombiniert mit dem Titel κουροπαλάτης) zeitlich mit der Usurpation des Botaneiates4 als κουροπαλάτης καὶ στρατηγὸς τῶν Ἀνατολικῶν korreliert. 1 J.-Cl. Cheynet, Mantzikert un désastre militaire? Byz 50 (1980), 410–438. 2 W. Seibt, The Byzantine Eastern Frontier in the 1070ies. SBS 14 (2022) 69–80; W. Seibt, The Eastern Frontier of Byzantium in the Decennia after Mantzikert – Can Seals Help Reconstruct Developments? SBS 12 (2016), 25–32. 3 Der cursus honorum des Philaretos Brachamios wurde berichtigt und analysiert von W. Seibt, Phi- laretos Brachamios – General, Rebell, Vasall?, in: E. Chrysos – E. Zachariadou (Hrsg.), Captain and Scholar. Papers in memory of Demetrios I. Polemis. Andros 2009, 281–295. 4 Dazu s. J.-Cl. Cheynet, Pouvoir et contestations à Byzance (963–1210). Paris 1990, 84–85, Nr. 105. Cf. O. Karagiorgou, „ἀπὸ Λάμπης λαμπτῆρα φωσφόρον ἐπιδημῆσαι τοῖς βασιλείοις προεσήμανον“ (Attaleiates XII 9–10, p. 175). On the Way to the Throne: The Career of Nikephoros III Botaneiates Befo- re 1078, in: Ch. Stavrakos – A.-K. Wassiliou – M. Krikorian (Hrsg.), Hypermachos. Festschrift für Wer- ner Seibt zum 65. Geburtstag. Wiesbaden 2009, 105–132, wobei die Autorin irreführend den frühesten bisher bekannten Siegeltypus dieses Mannes in der Rangkombination ἀνθύπατος πατρίκιος βέστης primär seinem homonymen Großvater zuwies (S. 124–125). Als nächste Stufe wurde kürzlich ein Kom- mando auf dem Balkan abgesichert, als μάγιστρος βέστης βεστάρχης und Militärkommandant (δούξ) von Edessos und Nesos (Niš); A.-K. Wassiliou-Seibt, War der spätere Kaiser Nikephoros Botaneiates in den 1050er Jahren Dux von Braničevo und Niš? ZRVI 57 (2020), 7–19. https://doi.org/10.1515/9783111070315-052