gut im Band 2 vorstellen könnte. Dem folgt eine auf die Daten der deutschen Publikums- forschung gegründete Bestandsaufnahme der Nachfrage nach Sportangeboten in den Me- dien, für die Camille Zubayr und Heinz Ger- hard (Kap. 2) als Autoren zeichnen. Der Text ist insofern wichtig, als er erstens aufzeigt, dass Sport zwar ein wichtiger aber kein dominanter Bestandteil des Medienmenüs ist, und zweitens belegt, dass das Sportpublikum deutlich älter als das gesamte Fernsehpublikum ist und sich somit nur bedingt mit der von der Werbung verehrten Zielgruppe deckt. Geschlossen wird die Klammer durch Uli Gleich (Kap. 9), der die Forschung zur Wirkung von Sportkommuni- kation zusammenfasst und dabei aus der Lückenhaftigkeit des diesbezüglichen Wissens keinen Hehl macht. Umfangreich, wenn auch alles andere als konsistent, ist die Ergebnislage allein zur Wirkung von Gewalt in der Sportbe- richterstattung, weshalb es nachvollziehbar ist, dass hierzu an vorletzter Stelle des Bandes ein separates Kapitel aufgenommen wurde. Da sich der entsprechende Beitrag von Thomas Bruns (Kap. 8) allerdings nicht allein auf die Wirkung konzentriert, sondern gleichzeitig auch die Struktur und die Rezeption von medialer Ge- walt abhandelt, sperrt er sich gegen den ansons- ten klaren Aufbau des Readers. Dessen Haupt- teil wird von Arthur R. Raney (Kap. 3) mit ei- ner Synopse der Forschung zu den Motiven der Mediensportnutzung eröffnet. Der Autor stellt die zentralen theoretischen Perspektiven dieses Forschungsfeldes vor und kommt vor dem Hintergrund der vorliegenden empirischen Be- funde zu dem Schluss, dass der Zuwendung zum Sport (im Fernsehen) sowohl affektive als auch kognitive und sozial-integrative Bedürf- nisse zugrunde liegen, ersteren allerdings das Primat über letztere eingeräumt werden kann. Für Jörg Hagenah (Kap. 4) sind Motive allein unzureichend, um die Rezeption des Medien- sports zu erklären. Stattdessen gelte es, eine ganze Reihe weiterer ‚persönlichkeitstheoreti- scher Merkmale‘, für die der Autor eine nach- vollziehbare Systematisierung vorschlägt, her- anzuziehen und dynamisch-transaktional zu verknüpfen. Das Forschungsprogramm, das daraus in methodischer und inhaltlicher Hin- sicht abgeleitet wird, ist jedoch so beein- druckend wie unrealistisch und die Hoffnung des Autors, dereinst die Formel für eine rezi- pientengerechte Gestaltung von Sportarten präsentieren zu können, so charmant wie blauäugig. Die verbleibenden drei Beiträge des Bandes befassen sich mit dem Rezeptionspro- zess selbst. Tilo Hartmann (Kap. 5) richtet sein Interesse auf die parasozialen Interaktionen der Rezipienten mit den medial präsentierten Sportstars während der Rezeption und den dar- aus entstehenden Bindungen an diese und an die medialen Angebote, in denen sie auftreten. In der Summe seiner theoretischen Überlegun- gen kommt der Autor zu der für den Sport we- nig überraschenden Schlussfolgerung, dass die Identifikation mit den sportlichen Protagonis- ten, seien sie nun positiv oder negativ, als eine wichtige Erklärungsgröße für das Rezeptions- erleben gelten können. Holger Schramm, Mar- co Dohle und Christoph Klimmt (Kap. 6) set- zen sich das keineswegs bescheidene Ziel, das Rätsel der überdurchschnittliche Attraktivität des Fußballs aus den bei der Rezeption auftre- tenden Erlebensaspekten theoretisch erklären zu können. Das Ergebnis ihres Unterfangens, bei dem sie sich an der von Raney vorgeschla- genen Einteilung der motivationalen Aspekte orientieren, endet in der salomonischen Fest- stellung, dass bei der Fußballrezeption kogniti- ve, affektive und verhaltensbezogene Erlebens- aspekte gemeinsam auftreten, und in der selbst- kritischen Andeutung, dass das Erleben alleine wohl nur bedingt als Schlüssel für des Rätsels Lösung taugt. Der letzte hier zu besprechende Text stammt von René Weber und Volker Gehrau (Kap. 7) und ist der Bericht einer auf- wändigen empirischen Analyse, deren Haupt- befund in der Erkenntnis besteht, dass die At- traktivität einer Fußball-Spielszene für den Re- zipienten von der Wahrscheinlichkeit abhängt, mit der dieser Szene ein Einfluss auf den Aus- gang des gesamten Spiels unterstellt werden kann. Diese Einsicht ist so plausibel, dass sich der Rezensent die Frage erlaubt, welcher Fuß- ballmuffel jemals die Stirn besessen hat, das Ge- genteil zu behaupten. Mirko Marr Peter Glotz, Robin Meyer-Lucht (Hrsg.) Online gegen Print Zeitung und Zeitschrift im Wandel Konstanz: UVK, 2004. – 239 S. (Medien und Märkte; 12) ISBN 3-89669-443-X M&K 53. Jahrgang 2-3/2005 392 https://doi.org/10.5771/1615-634x-2005-2-3-393 Generiert durch IP '207.241.231.80', am 22.07.2018, 16:18:55. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.