Pathologe 2008 · 29:379–382
DOI 10.1007/s00292-008-1017-z
Online publiziert: 5. Juli 2008
© Springer Medizin Verlag 2008
B. Keck
1
· R. Stöhr
2
· P.J. Goebell
1
· H.M. Fritsche
3
· B. Wullich
1
· A. Hartmann
2
1
Urologische Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg
2
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg
3
Urologische Universitätsklinik Regensburg
Das plasmazytoide
Urothelkarzinom
5 Fallberichte einer seltenen Variante des
konventionellen Urothelkarzinoms
Schwerpunkt: Uropathologie
Das plasmazytoide Urothelkarzinom
(PUC) stellt mit einem Anteil von 3%
der muskelinvasiven Urothelkarzi-
nome eine seltene histologische Vari-
ante des konventionellen Urothelkar-
zinoms dar. Bislang wurde in der Lite-
ratur über 22 Fälle berichtet. Wir prä-
sentieren in dieser Arbeit 5 weitere
Fälle dieser aggressiven Subentität
des Urothelkarzinoms.
Kasuistiken
Fall 1
Anamnese
Vorstellung einer 54-jährigen Patien-
tin mit irritativen Miktionsbeschwerden
seit einigen Wochen. Bislang wurde we-
der Makro- noch Mikrohämaturie beob-
achtet.
Befund und Therapie
Im Rahmen der klinischen Untersuchung
wurde ein indolenter Unterbauchtumor
von etwa 10 cm Größe diagnostiziert.
Nach zystoskopischer Diagnose eines Tu-
mors am Blasenboden, welcher bis zur
linken Seitenwand und zum Blasenhals
reichte, und unauffälligem Staging (CT/
Skelettszintigraphie) erfolgte eine Zystek-
tomie bei der Patientin.
Histologie und Diagnose
Das Zystektomiepräperat imponierte
durch Zellen mit eosinophilem Zyto-
plasma und exzentrisch gelegenen Zell-
kernen (. Abb. 1 a, b). Es wurde ein
PUC diagnostiziert. Fokal ließ sich zu-
sätzlich ein konventionelles Urothel-
karzinom nachweisen. Der Tumor in-
filtrierte diffus Vagina und Cervix ute-
ri und reichte bis an den Absetzungs-
rand [pT4b, G3, pN0 (0/23), L0, V0,
R1]. Immunhistochemische Färbungen
zeigten eine starke intrazytoplasma-
tische Expression von Zytokeratin (CK)7,
CK20 sowie PAN-CK (. Abb. 2 a, b).
Die Mib-1-Expression betrug 25%. Ei-
ne membranöse E-Cadherin-Expression
zeigte sich nicht (. Abb. 3 a, b).
Postoperativer Verlauf
Auf eine adjuvante Chemotherapie wur-
de verzichtet. Nach 6 Monaten entwickel-
te die Patientin eine ausgeprägte pulmo-
nale und hepatische Metastasierung. Die
Initiierung einer Chemotherapie wurde
von der Patientin verweigert, sie verstarb
14 Monate post operationem an einem
massiven systemischen Tumorprogress
und pneumoniebedingter Sepsis.
Fall 2
Anamnese
56-jähriger Patient mit belastender Poll-
akisurie und prostatischen Beschwerden.
Kein Hinweis für Makro- oder Mikrohä-
maturie.
Befund und Therapie
Zystoskopischer Nachweis einer Indu-
ration der gesamten Harnblasenmuko-
sa. Bioptisch wurde ein infiltratives Tu-
morwachstum bis über die Lamina prop-
ria hinaus gesichert. Danach erfolgte bei
dem Patienten eine Zystektomie mit An-
lage einer Ileumneoblase.
Histologie und Diagnose
Zystoprostatektomiepräperat mit diffuser
Infiltration eines PUC, welches das pe-
rivesikale Fett sowie das Peritoneum in-
filtrierte und eine ausgeprägte vaskuläre
Invasion zeigte und bis an den Resekti-
onsrand reichte. Infiltration der rechten
Samenblase und Ummauerung der lin-
ken. Begleitend lag ein Carcinoma in situ
(CIS) vor. Eine Fernmetastasierung wur-
de computertomographisch und skelett-
szintigraphisch ausgeschlossen [pT4a, G3,
pN0 (0/20), cM0, L0, V1, R1]). Immun-
histochemisch zeigte sich eine starke Po-
sitivität für CK7, CK20 und PAN-CK. Die
E-Cadherin-Expression war negativ.
Postoperativer Verlauf
Es folgte eine adjuvante Chemotherapie
mit Gemcitabine/Cisplatin. Der Patient
entwickelte nach 18 Monaten ein Lokal-
rezidiv, woraufhin eine palliative Radio-
chemotherapie eingeleitet wurde [54 Gy,
5 Zyklen Gemcitabine (1250 mg/m
2
, Tag
1+8) und Cisplatin (70 mg/m
2
, Tag 2)].
Im Rahmen einer diagnostischen Lapa-
rotomie wurde eine diffusen Peritoneal-
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