Onkologe 2014 · 20:1133–1135
DOI 10.1007/s00761-014-2789-9
Online publiziert: 24. September 2014
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
P.J. Goebell
Klinik für Urologie, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
Systemische Therapie
des metastasierten
Urothelkarzinoms
Was bringt der Zusatz von Paclitaxel zur
Standardtherapie mit Gemcitabin/Cisplatin?
Hintergrund
Patienten, die an einem metastasierten
Urothelkarzinom leiden, haben unbehan-
delt selten ein längeres Überleben als 3 bis
6 Monate. Für die Behandlung des che-
mosensitiven Tumors hat sich die Kom-
bination aus Cisplatin und Gemzitabin
etabliert [1, 2]. Historisch bedingt wurden
auch andere cisplatinhaltige Kombina-
tionstherapien geprüft, die zeigen konn-
ten, dass sie der alleinigen Cisplatingabe
überlegen waren [3, 4, 5]. Die Kombina-
tion aus Methotrexat, Vinblastin, Doxoru-
bizin und Cisplatin (MVAC) wurde eben-
so in vielen Untersuchungen geprüft, und
auch mit einer Dosisintensivierung konn-
te letztlich keine signifikante Verbesse-
rung des medianen Überlebens erreicht
werden [6, 7, 8].
Die insgesamt ernüchternden Ergeb-
nisse vieler großer randomisierter Studien
zur systemischen Therapie des Urothelkar-
zinoms, die in großen Metaanalysen zur
neoadjuvanten und adjuvanten Therapie
zusammengefasst worden waren [9, 10, 11],
belegen die klinische Notwendigkeit der
Suche nach neuen wirksameren Kombi-
nationen oder zielgerichteten Substanzen.
Vor diesem Hintergrund sollten in der
vorliegenden Phase-III-Studie die vielver-
sprechenden Daten aus der Phase I/II zur
Überlegenheit der Kombination Paclitaxel
mit Gemcitabin/Cisplatin (PGC) gegen-
über dem aktuellen Standard einer The-
rapie Gemcitabin/Cisplatin (GC) geprüft
werden.
Studiendesign
Eingeschlossen wurden Patienten im Sta-
dium IV mit lokal fortgeschrittener Erkran-
kung (T4b, jedes N-Stadium; oder jedes T-
Stadium, N2–3) oder metastasiertes Über-
gangsepithelkarzinom (rein oder gemischt).
Es konnten sowohl Patienten mit nur auf
die Blase beschränkten Tumoren einge-
schlossen werden als auch solche mit ande-
ren Tumorlokalisationen (Urethra, Ureter
oder Nierenbecken). Die Lebenserwartung
sollte mindestens 12 Monate betragen und
die Patienten sollten neben einem WHO-
Performance-Status von 0 oder 1 auch eine
ausreichende Knochenmark-, Leber- und
Nierenfunktion besitzen.
Primärer Endpunkt war das Überle-
ben, und zu den sekundären Endpunk-
ten zählten neben dem progressions-
freien Überleben auch die Erfassung der
Ansprechrate und die Toxizität.
Ergebnisse
In diese offene multinationale Studie, die
zwischen Mai 2001 und Juni 2004 unter
der Führung der EORTC Genitourina-
ry Group rekrutierte, konnten insgesamt
626 Patienten eingeschlossen werden,
die den beiden Behandlungsarmen PGC
(n=312) und GC (n=314) zu nahezu glei-
chen Teilen zugeordnet wurden. Insge-
samt 607 Patienten erhielten schließlich
die Therapie (302 PGC und 305 GC).
Gemcitabin wurde mit 1000 mg/
m
2
KOF an den Tagen 1, 8 und 15 verab-
reicht und Cisplatin mit 70 mg/ m
2
KOF
am Tag 2 alle 28 Tage gegeben. Die Patien-
ten im PCG-Arm erhielten zusätzlich zur
identischen Dosis GC an Tag 1 Paclitaxel
mit 80 mg/ m
2
KOF sowie an Tag 8. Al-
le 21 Tage wurden die Zyklen wiederholt.
Die Patienten wurden entweder mit maxi-
mal 6 Zyklen behandelt oder solange, bis
eine Progression, nicht tollerierbare Toxi-
zität oder auf Wusch des Patienten oder
des Therapeuten die Therapie abgebro-
chen wurde.
Die mittlere Dauer der Therapie be-
trug 16,3 Wochen (von 0,1 bis 219 Wo-
chen). Nach einem mittleren Beobach-
tungszeitraum von 4,6 Jahren waren
504 Patienten (80,5%) verstorben; 256
(81,5%) im GC-Arm und 248 (79,5%)
nach PCG-Therapie. Das mediane Über-
leben betrug 15,8 Monate nach PCG im
Vergleich zu 12,7 Monaten nach GC-The-
rapie (HR 0,85; p=0,075). Dennoch war
dieser Unterschied nicht statistisch sig-
nifikant. Die Überlebensraten nach 1 Jahr
und 4 Jahren waren mit 61,4% und 17,2%
unter der PCG-Therapie höher als unter
der Therapie mit CG; hier lagen diese Ra-
ten bei 52,8 und 16,4%.
Originalpublikation
Bellmunt J, Maase H von der, Mead GM et al
(2012) J Clin Oncol 30(10):1107–1113
1133 Der Onkologe 11 · 2014
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