Das Urothelkarzinom als Neoplasie
des harntraktspezifischen Über-
gangepithels kann morphologisch
sehr vielgestaltige Formen auf-
weisen. Seit der WHO-Klassifikation
von 2004 werden seltene Varianten
und Sonderformen des invasiven
Urothelkarzinoms berücksichtigt,
da Subtypenanalysen eine unter-
schiedliche prognostische Bedeutung
dieser Karzinome gezeigt haben.
Den Subtypen des Urothelkarzinoms
ist gemeinsam, dass sie sowohl in
reiner Form als auch in Kombination
mit dem konventionellen
Urothelkarzinom oder auch zu-
sammen mit anderen Varianten auf-
treten können. Ein unterschiedlicher
klinischer Verlauf und möglicher-
weise unterschiedliche Therapie-
optionen in der Zukunft machen eine
zuverlässige Diagnostik dieser Sub-
typen in der histopathologischen
Routinediagnostik dringend not-
wendig. Dieser Übersichtsartikel soll
die Varianten des Urothelkarzinoms
sowie Sonderformen des Blasen-
karzinoms vorstellen und ihre Be-
sonderheiten erläutern. Dabei basiert
die Diagnostik der seltenen Varianten
in den meisten Fällen ausschließlich
auf den histomorphologischen Eigen-
schaften dieser Tumoren.
WHO-Klassifikation
Die WHO-Klassifikation von 2004 und
auch die künftige WHO-Klassifikation
von 2016 unterteilen die invasiven
Karzinome in Urothelkarzinome mit 12
Varianten, Plattenepithel-, Adeno- und
neuroendokrine Karzinome (kleinzellige
Karzinome der Harnblase [12]). Eine
Übersicht zeigt . Tab. 1.
Gemäß den Empfehlungen der WHO
2004 sind dabei die Anteile einer Sub-
differenzierung im Befundtext mit pro-
zentualen Angaben zu benennen. Weiter-
hin sollen reine Sonderformen (Plat-
tenepithelkarzinom und Adenokarzi-
nom) nur dann diagnostiziert werden,
wenn keine weitere urotheliale Tumor-
komponente (einschließlich eines Car-
cinoma in situ) vorliegt [12]. Dabei sind
eine partielle plattenepitheliale oder
glanduläre Differenzierung in ca. 30
bzw. 28 % der Blasenkarzinome, eine
sarkomatoide Differenzierung (12 % aller
Blasenkarzinome) und reine Platten-
epithelkarzinome (3–5 % aller Blasen-
karzinome) am häufigsten [12, 15]. Die
partielle oder komplette neuroendokrine
Differenzierung (2 %) sowie alle weiteren
Varianten und Sonderformen treten
selten auf (< 2 % [15]).
Urothelkarzinom
mit trophoblastärer
Differenzierung/mit
synzytiotrophoblastären
Riesenzellen
Synzytiotrophoblastäre Riesenzellen sind
in ca. 12 % der Urothelkarzinome (meist
gering differenzierte Urothelkarzinome)
nachweisbar (. Abb. 1a; [29]). Reine
Chorionkarzinome der Harnblase wurden
nur ganz vereinzelt beschrieben [8]. Die
synzytiotrophoblastären Riesenzellen
reagieren in der β-humanes Choriongo-
nadotropin(β-HCG)-Immunhistochemie
positiv (. Abb. 1b) und können sowohl
im Primärtumor als auch in Metastasen
nachweisbar sein. Häufig liegen gleich-
zeitig erhöhte Serumspiegel von β-
HCG vor [3], in diesen Fällen wurde ein
reduziertes Ansprechen auf Strahlen-
therapie beschrieben [27]. Abgesehen von
Keimzelltumoren zählen diese Tumoren
neben Karzinomen der Lunge zu den
häufigsten Ursachen einer unklaren β-
HCG-Erhöhung.
S. Bertz
1
· A. Hartmann
1
· R. Knüchel-Clarke
2
· N.T. Gaisa
2
1
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland
2
Institut für Pathologie, Uniklinikum RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Spezifische Typen des
Harnblasenkarzinoms
Pathologe
DOI 10.1007/s00292-015-0129-5
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
Tab. 1 Übersicht über die verschiedenen
invasiven Karzinome der Harnblase nach
WHO 2004 [12]
Entitäten ICD-O
Invasives Urothelkarzinom 8120/3
Mit plattenepithelialer
Differenzierung
Mit drüsiger Differenzierung
Mit trophoblastärer
Differenzierung
„Nested“-Variante
Mikrozystische Variante
Mikropapilläre Variante 8131/3
Lymphoepitheliom-ähnliche
Variante
8082/3
Lymphom-ähnliche Variante
Plasmazytoide Variante
Sarkomatoide Variante 8122/3
Riesenzellige Variante 8031/3
Undifferenziert 8020/3
Plattenepithelkarzinom 8070/3
Verruköses Karzinom 8051/3
Adenokarzinom 8140/3
Enterisch
Muzinös 8480/3
Siegelringzellig 8490/3
Klarzellig 8310/3
Kleinzelliges Karzinom 8041/3
1 Der Pathologe
Schwerpunkt: Uropathologie
Schwerpunktherausgeber
A. Hartmann, Erlangen
R. Knüchel-Clarke, Aachen
G. Kristiansen, Bonn