Digital Humanities im deutschsprachigen Raum 2022 The Digitized minutes of the Habsburg Governments, 1848-1918 Fischer-Nebmaier, Wladimir wladimir.fischer@oeaw.ac.at Österreichische Akademie der Wissenschaften, Austria Kurz, Stephan stephan.kurz@oeaw.ac.at Österreichische Akademie der Wissenschaften, Austria Lein, Richard richard.lein@oeaw.ac.at Österreichische Akademie der Wissenschaften, Austria Dieses Poster beschreibt den Stand der Hybridedition „Edition der Ministerratsprotokolle Österreichs und der Österreich-Unga- rischen Monarchie 1848-1918“, die ein traditionsreiches Editions- projekt ins Web gebracht hat. 1) Die Ausgangslage Die Habsburgermonarchie hatte von 1848 bis 1918 vier ver- schiedene Regierungsinstitutionen, drei davon existierten paral- lel ab dem Jahr 1867. Davor gab es eine Regierung, den öster- reichischen Ministerrat (ÖMR), danach gab es einen ungarischen Ministerrat (UMR) und einen Ministerrat für die restlichen Län- der (CMR), sowie einen gemeinsamen Ministerrat (GMR). Große Teile der Textgrundlage des CMR sind Brandakten und nur teil- weise überliefert (Justizpalastbrand 1927). Das erklärt einen Teil der Komplexität des Unterfangens, die Ministerratsprotokolle der Habsburgermonarchie nach 1848 edie- ren zu wollen. Hinzu kommt, dass die Dokumente dieser Regierungen seit den späten 1960er Jahren von verschiedenen Institutionen his- torisch-kritisch ediert wurden und werden: von der ungarischen Akademie der Wissenschaften und von einem österreichischen Institut, das in unterschiedlichen Rechtsformen existierte und in- zwischen im Bereich Digitale Historiographie und Editionen des Institute for Habsburg and Balkan Studies der Österreichischen Akademie der Wissenschaften integriert ist. Daraus ergaben sich drei unterschiedliche Textbasen, die sich in drei verschiedenen Zuständen befanden, als die TEI-Digitalisie- rung begonnen wurde: a) Die Printeditionen der ÖMR 1848–1867 und der GMR 1867– 1918 lagen in Form von PDF-Digitalisaten vor, die Worddateien dazu waren nur noch teilweise vorhanden, der Rest wurde extern transkribiert, sodass die Textbasis schließlich minder zuverlässi- ges XML war. b) die CMR 1867–1918 sind derzeit im Entstehen begriffen. Deshalb kann dieser Teil laufend als born-digital TEI-Edition er- scheinen (Band I bis III befinden sich in unterschiedlichen Über- gangsstadien). d) nachträglich kam durch Kooperation mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften noch deren Publikation navigier- barer Images der Originalprotokolle auf Ungarisch hinzu, die kur- zerhand mit in das Projekt einbezogen wurden. 2) Die Digitaledition: Stand der Dinge Die digitale Edition ist in einer web-app auf mrp.oeaw.ac.at ver- fügbar. Sie umfasst derzeit 36 Bände, sie enthalten 2816 Proto- kolle mit 11825 Tagesordnungspunkten aus 61 Regierungsjahren. 2.1) Alles an einem Ort Als Prinzip sind alle Protokolle über dieselben Logiken gleich- berechtigt zugänglich. Jedes Protokoll ist über sein Datum im Ka- lender ansteuerbar. Mit Ausnahme der Images der UMR ist die Grundeinheit der Tagesordnungspunkt. Auf den Tagesordnungs- punkten beruhen alle Abfragen und Darstellungen (Protokollan- sicht, Bandansicht, Suchergebnisse etc.). Um Lesegewohnheiten entgegenzukommen, sind alle Proto- kolle auch als Bände wie in der Printedition darstellbar. Soweit vorhanden ist jedes XML-Protokoll seitenweise mit einem PDF der Print-Edition verlinkt. Da einige Bände der UMR-Edition er- schienen sind, wird auf diese zumindest verwiesen. Die Edition zeichnet sich durch einen ausführlichen Kommen- tar und instruktive historische historische Einleitungen aus. Diese werden durch eigene Verlinkungen in allen Protokollansichten präsent und zugänglich gemacht. 2.2) Angereicherte Daten Alle Texte werden je nach Zustand mit strukturierten Daten angereichert. Das aus den Print-Bänden generierte TEI-XML verfügt über Fußnoten und editorische Anmerkungen zu Text- bereichen, Querverweise zu anderen Tagesordnungspunkten mit Mouse-over-Vorschau, strukturierte bibliografische und archiva- lische Einheiten (tei:bibl), jene Zeitungszitate, zu denen es Digi- talisate auf anno.onb.ac.at gibt, sind dorthin verlinkt, alle Kalen- derdaten sind mit ISO-Daten vorbereitet. Das born digital TEI-XML wird darüber hinaus mit Links zu existierenden und vom Projekt oder dessen Partnern betreu- ten eigenen Online-Datenbanken verlinkt. Named entities werden mit mpr.acdh.oeaw.ac.at verbunden, wobei Personennamen mit GND-IDs und geographische Bezeichnungen mit Georeferenzen über geonames.org referenziert sind, Institutioneneinträge verwei- sen großteils auf Digitalisate von Einträgen im Staatshandbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 1917 auf alex.onb.ac.at, wo auch deren Mitarbeiter und verbundene Institutionen verzeich- net sind. Bibliographische Einheiten, inklusive Gesetzblätter, sind in einer offenen Zotero-group library erfasst. Diese Anreicherungen sollen erweitert (Beispiel Parlamentspro- tokolle auf ALEX) und sukzessive auch auf die retrodigitalsierten TEI-XML ausgeweitet werden. Sämtliche Daten werden begleitend auf Zenodo zugänglich ge- macht. 2.3) Workflow: pragmatische Lösungen Die Digitalisierung hat den ohnehin schon komplexen Work- flows der Edition eine neue Dimension der Komplexität verliehen und zwingt zur Reflexion derselben. Besonders das Erstellen, Be- treuen und Einbinden der peripheren Datenbanken erfordert zu- sätzliche Arbeitskraft und Planung. Die Originaldokumente werden fotografiert und (automatisch oder händisch) transkribiert und in MS Word kollationiert so- wie wissenschaftlich kommentiert. Parallel dazu wird der Text mit Links und Formatvorlagen angereichert. Das angereicherte Worddokument wird dann über eine XSL-T-Pipeline in TEI-XML umgewandelt und über die parallel betriebene Datenbank der Auxiliardaten mit tei:listEvent/Org/Person/Place/Bibl-Elementen angereichert. Die Motivation des Workflow ist, a) den Geboten einer his- torisch-kritischen Edition gerecht zu werden (Übertragung der Originaldokumente und kritischer Kommentar), b) den Arbeits- gewohnheiten der Editoren entgegenzukommen (Bearbeiten und Kollationieren in MS-Word), c) den Standards offener On- line-Editionen zu entsprechen (XML-TEI, Auxiliardaten), d) 1