Fax +49 761 4 52 07 14 information@karger.com www.karger.com Accessible online at: www.karger.com/kop ÜBERSICHTSARBEIT Kataraktchirurgie und Augeninnendruck Diana Melancia  c Luis Abegão Pinto  a–c Carlos Marques-Neves  b,c   Departments of a Pharmacology and Neurosciences and b Ophthalmology, c Faculty of Medicine, Lisbon University,Lisbon, Portugal Schlüsselwörter Kataraktchirurgie · Glaukom · Intraokulardruck · Phakoemulsifikation · Trabekulektomie · Kombinierte Chirurgie Zusammenfassung Die Kataraktoperation ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in den Industrieländern. Neben ihrer signifikanten Auswirkung auf die Sehschärfe wird der Phakoemulsifikation auch eine potenzielle Intraokulardruck(IOD)-senkende Wirkung zuge- schrieben. Während die aktuelle Evidenzlage auf eine insgesamt signifikante und anhaltende IOD-Senkung nach Kataraktoperatio- nen hindeutet, ist noch unklar, welche spezifischen okulären Merk- male dazu beitragen könnten vorherzusagen, welche Patienten wahrscheinlich von diesem IOD-senkenden Effekt profitieren würden. Dies bei Glaukompatienten klar zu benennen ist jedoch Carlos Marques-Neves, MD, PhD Department of Ophthalmology Faculty of Medicine, Lisbon University Av. Prof. Egas Moniz, 1649-035 Lisbon, Portugal bombordo.seven@gmail.com Karger Kompass Ophthalmol 2017;3:8–14 • DOI: 10.1159/000454898 Übersetzung aus Ophthalmic Res 2015;53:141–148 (DOI:10.1159/000377635) wichtig, wenn die Kataraktoperation einen Platz in der Behandlung des Glaukoms erhalten soll. Die vorliegende Arbeit gibt einen Über- blick über die Literatur zu diesem Thema und geht darauf ein, wel- che Mechanismen der IOD-Senkung zugrunde liegen und welche Patientengruppen mit höherer Wahrscheinlichkeit im Hinblick auf die IOD-Senkung von diesem Eingriff profitieren könnten, um so letztlich zur Optimierung der Versorgung der steigenden Zahl der Patienten beizutragen, bei denen gleichzeitig Glaukom und Kata- rakt vorliegen. © 2017 S. Karger GmbH, Freiburg © 2017 S. Karger GmbH, Freiburg Einleitung Katarakt und Glaukom gelten als führende Ursachen für Er- blindung weltweit (51 bzw. 8%) [1]. In Industrienationen ist das Glaukom die zweithäufigste Ursache für irreversible Erblindung (nach der diabetischen Retinopathie); die Krankheitslast steigt tendenziell mit der Alterung der Bevölkerung [2]. Ein ähnlicher Trend ist auch bei der Katarakt zu beobachten, deren Prävalenz ebenfalls altersabhängig ist – die globale Prävalenz von 15,5% steigt bei Patienten über 75 Jahre auf 45,9% und wird sich bis 2020 voraussichtlich verdoppeln [3]. Entsprechend sind ältere Perso- nen auch häufig von beiden Pathologien zugleich betroffen, ein Zustand, der wahrscheinlich weiter zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Kataraktoperation zu einer der häufigsten Operationen weltweit, und es liegen Hin- weise darauf vor, dass der Eingriff im Hinblick auf beide Krank- heiten von Nutzen ist. Die Kataraktoperation dient nicht nur der Entfernung der getrübten Linse, sondern führt Beobachtungen zufolge auch zur Senkung des Intraokulardrucks (IOD) in Augen sowohl mit als auch ohne Glaukom, wobei dieser Effekt in unter- schiedlichem Ausmaß auftritt und von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, darunter die Anatomie der Vorderkammer und die Winkelkonfiguration (Offen- (OWG) vs. Engwinkelglaukom (EWG)) [4]. Außerdem kann der Eingriff die diagnostische Güte gängiger funktioneller und struktureller Analysen zur Beurtei- lung des Glaukoms und seiner Progression verbessern, da eine visuell signifikante Katarakt hier eine Störgröße darstellen kann. Somit erscheint die Annahme sinnvoll, dass ein gemeinsames therapeutisches Vorgehen etabliert werden könnte, das die Kata- raktchirurgie als Bestandteil der Glaukom-Behandlungsalgo- rithmen umfasst. Offen ist dabei jedoch noch, wie sich dies am besten in die klinische Patientenversorgung einfügen ließe. Die vorliegende Übersichtsarbeit geht der Frage nach, wie die Kataraktchirurgie den IOD sowohl bei ansonsten gesunden Per-