Biewers Grimm, S. & Joachim P. (2016) : Zum Alkoholkonsum Jugendlicher innerhalb der Peergruppe und im öffentlichen Raum. In: Kastenbutt B., Legnaro A., Schmieder A. (Hg.). Rauschdiskurse. Drogenkonsum im kulturgeschichtlichen Wandel. Jahrbuch Suchtforschung Band 8. Lit Verlag Dr. W. Hopf. Berlin 2016, S. 171- 186. Zum Alkoholkonsum Jugendlicher innerhalb der Peergruppe und im öffentlichen Raum - Ergebnisse einer empirischen Studie Sandra Biewers Grimm, Patrice Joachim Das Phänomen „Alkoholkonsum im Jugendalter“ ist seit Jahren ein Thema in der wissenschaftlichen Jugend- und Präventionsforschung. Besonders den nationalen und internationalen Studien und Surveys geht es dabei überwiegend um die Darstellung der Konsumdaten, d.h. der Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums Jugendlicher, bestimmter Unterscheidungsvariablen wie Alter, Geschlecht und Nationalität sowie der Entwicklung des Alkoholkonsums Jugendlicher im Zeitverlauf und im nationalen Vergleich (vgl. etwa Currie et al., 2012). Weniger präsent in der Forschungslandschaft sind Untersuchungen zu den Einstellungen und Begründungsmustern der Jugendlichen im Umgang mit Alkohol, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer Transition und der Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben (Willems et al. 2015; vgl. aber Stumpp, Stauber & Reindl, 2009; Havighurst, 1948). Auch die Rolle des jeweiligen sozialen oder lokalen Umfeldes wird meist nicht spezifisch untersucht, obwohl davon auszugehen ist, dass Alkoholkonsum im Jugendalter kein Individualphänomen ist, sondern im Gegenteil, fast ausschließlich in der Gemeinschaft mit anderen stattfindet (vgl. Stumpp, Stauber & Reindl, 2009). Die Ergebnisse einer von unserem Forschungsteam „Youth Research“ an der Universität in Luxemburg durchgeführten Evaluationsstudie zeigen, dass besonders der lokale Kontext, d.h. der öffentliche Raum, Treffpunkte von Peers und Jugendgruppen, lokale Veranstaltungen, aber auch Familienfeiern, die Orte und Gelegenheiten sind, an denen Jugendliche Alkohol konsumieren (vgl. Grimm et al., 2013). Die Studie zeigt auch, dass die meisten Jugendlichen nicht unkontrolliert trinken. Viel eher reflektieren sie das eigene Konsumverhalten im Kontext ihres Umfeldes. Sie haben etwa eine Meinung zu Zugangsmöglichkeiten und lokalen Präventionsmaßnahmen und auch konkrete Erwartungen bzgl. der Vorbildfunktion Erwachsener. Im Folgenden sollen die gerade angesprochenen Gelegenheiten, ebenso wie die Einstellungen und Meinungen der Jugendlichen zum Alkoholkonsum auf der Grundlage der luxemburgischen Evaluationsstudie näher betrachtet werden. Insbesondere soll erörtert werden, welche Bedeutung dem Alkoholkonsum im Übergangsprozess zum Erwachsenensein aus Sicht der Jugendlichen zukommt und welche Rollen hierbei die Peergruppe und der lokale Kontext einnehmen.