WORKSHOP-BERICH Begriffsbesprechung 2/2004 i-com 63 Ein Digitaler Hörsaal (Digital Lecture Hall, DLH) ist eine Präsentations- und Vorlesungsinfrastruktur, die es einem Vortragenden ermöglicht, seine Veran- staltungen elektronisch unterstützt und daher mit erweiterten Möglichkeiten ab- zuhalten. Als Grundlage für einen Digi- talen Hörsaal kann ein konventioneller Hörsaal dienen. Dazu werden eine Doz- entenunterstützung, eine Studierenden- unterstützung mit einer Kommunika- tionsinfrastruktur und ein System zur Vorlesungsaufzeichnung installiert. Die Dozentenunterstützung kann auf jede beliebige Erstellungs- und Präsenta- tionssoftware aufbauen, die der Dozent gewohnt ist. Diese wird eingebettet in spezielle Projektions-/Annotations-Soft- ware. Diese kann zunächst verwendet werden, um zusammenhängende Pro- jektionsflächen (ggf. mehrerer Beamer) in mehrere virtuelle Tafeln zu untertei- len. Dadurch können neben der aktuel- len Folie auf der Haupttafel vergangene Folien oder Übersichtsfolien auf weite- ren Tafeln dargestellt werden (Rößling et al. 2004). So kann eine Schiebetafel, wie sie aus konventionellen Hörsälen be- kannt ist, nachgeahmt werden. Weiter ist es möglich, bestimmte Bereiche in den Folien hervorzuheben, Animationen einzublenden oder andere Anwendun- gen und Fenster in die Präsentation ein- zubinden. Annotationen können auf be- reits existierenden Folien oder leeren Fo- lien angebracht werden. Diese annotier- ten Folien können abgespeichert wer- den und den Interessenten elektronisch zur Nachbearbeitung zur Verfügung ge- stellt werden. Es können mehrere An- wendungen zur Präsentation vorbereitet werden, zwischen denen mit einfachem Mausklick gewechselt werden kann. Die Studierendenunterstützung er- möglicht es Studierenden mit mobilen Endgeräten, mit dem Dozenten elektro- nisch zu interagieren. Dabei hat sich der Versand von Textnachrichten an den Do- zenten, die Bewertung seiner Veranstal- tung anhand von vorher festgelegten Parametern und die Beantwortung von Multiple-Choice Tests in der Praxis als angemessen erwiesen. Die Einsendun- gen erfolgen in der Regel anonymisiert oder pseudo-anonymisiert. Alternativ können auch Tablet-PCs für direkte Interaktionen im Rahmen des aktiven Lernens eingesetzt werden (Simon et al. 2004). Die Kommunikationsinfrastruktur als eine Grundlage der Studierendenunter- stützung im Digitalen Hörsaal besteht aus einem leitungsgestützten oder ka- bellosen Netzwerk. Zusätzlich zur Kom- munikationsinfrastruktur wird eine aus- reichende Anzahl an Steckdosen für mo- bile Geräte im Auditorium zur Verfü- gung gestellt. Die Vorlesung kann im Digitalen Hör- saal aus wechselnden Kameraperspekti- ven aufgezeichnet werden (Telepräsenz- Eindruck durch Multiperspektiv-Video). Die Bereitstellung der Aufzeichnungen kann in einem gängigen Format erfol- gen. Die zur Verfügung gestellte Auf- zeichnung beinhaltet eine Videoaufnah- me des Vortrags inklusive der Audioauf- zeichnung und die damit synchronisier- ten annotierten Folien. Die Funktiona- lität kann erweitert werden, z.B. um direkte Verweise von den Textkommen- taren der Studierendenunterstützung auf die entsprechenden Stellen in den Aufzeichnungen oder sogar um Annota- tionsmöglichkeiten für Studierende. Zusätzlich zur Vorlesungsinfrastruk- tur des Digitalen Hörsaales kann eine Richtlinie zur Benutzung von Notebooks während der Vorlesung vereinbart (und mittels Firewall teilweise erzwungen) werden. In dieser Richtlinie kann etwa geregelt werden, in welchem Umfang und auf welche Art Notebooks während einer laufenden Veranstaltung einge- setzt werden können. Detaillierte Vorga- ben dieser Art trifft etwa die in (Camp- bell & Pargas 2004) vorgeschlagene „Laptop Etiquette“. Literatur Campbell, A. B.; Pargas, R. P.: Laptops in the Classroom. In: Proceedings of the 35 th Technical Symposium on Computer Science Education. Norfolk, Virginia. New York: ACM Press, 2004. Rößling, G.; Trompler, C.; Mühlhäuser, M.; Köb- ler, S.; Wolf, S.: Enhancing Classroom Lec- tures with Digital Sliding Blackboards. In: Proceedings of the 9 th Annual Conference on Innovation and Technology in Computer Science Education. Leeds, UK. New York: ACM Press, 2004. Simon, B.; Anderson, R.; Hoyer, C.; Su, J.: Preli- minary Experiences with a Tablet PC Based System to Support Active Learning in Com- puter Science Courses. In: Proceedings of the 9 th Annual Conference on Innovation and Technology in Computer Science Edu- cation. Leeds, UK. New York: ACM Press, 2004. Henning Bär, Guido Rößling, Chin-Man Choi, Max Mühlhäuser, TU Darmstadt, Fach- bereich Informatik – Rechnerbetriebsgruppe {hcbaer, guido, chinman, max}@ rbg.informatik.tu-darmstadt.de Henning Bär, Guido Rößling, Chin-Man Choi und Max Mühlhäuser Digitaler Hörsaal