Gudrun Schwarzer, Annette Siegismund und Friedrich Wilkening Entwicklung des Tonalitätsverstehens bei der Beurteilung und Produktion von Liedschlüssen 1 Jede Musikkultur hat ihr eigenes System musikalischer Strukturen. Die ko gnitive Repräsentation dieser Strukturen ermöglicht es, da wir die Musik unseres Kulturkreises nicht als verwirrende Ansammlung einelner Töne, sonder as bedeutungsvolle Muster wahrehmen. Dabei gilt die Tonalität als grundlegendes Charakteristikum einer musikalischen Struktur. Denn sie beschreibt die Beziehung der einzelnen Töne eines Musikstückes zu einem gemeinsamen Grundton (vgl. Grabner, 1974, S. 24). »Die Tonalität ist eine sich aus dem Wesen des Tonmaterials ergebende formale Möglichkeit, durch eine gewisse Einheitlichkeit eine gewisse Geschlossenheit zu erzie len« (Schönberg, 1977, S. 27). Auch Erwachsene ohne musikalische Vorbildung sind in hohem Mae sensibel für die tonalen Strukturen innerhalb der Musik (Cuddy, Cohen Miller, 1979; Cuddy, Cohen Mewhort, 1981). Die musikalische Wahr nehmung junger Kinder (im ersten Lebensjahr) wird hingegen noch nicht durch ein solches tonales Schema gelenkt (z.B. Trehub, 1989). Es wird an genommen, da erst allmählich, durch den alltäglichen Umgang mit Musik, die kulturspezifschen tonalen Strukturen interalisiert werden (Trainor Trehub, im Druck). Wann und wie im Lauf der Entwicklung dieses tonale Verständnis erworben wird, soll in dem voriegenden Experiment unter sucht werden. Mit natürlichem Melodienmaterial (Kinder- und Volkslieder) als Untersuchungsgegenstand sollen sowohl Beurteilungen als auch musika lische Produktionen über das tonale Verstehen bei Kinder und Erachse nen Aufschuß geben. Die bisher grundlegendsten Untersuchungen über die kognitive Reprä sentation tonaler Beziehungen bei Erachsenen sind- fr die Musik unse rer westlichen Musikkultur - von Krumhansl und Mitarbeiter (z.B. 1 Diee Unteruung wrde durc eine Sacilfe (i 4-1 von der utsce Forungs- gemeinscaf unterttzt. 75