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NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN FRÜHE NEUZEIT 195
Jérémie Barthas, L’argent n’est pas le nerf de la guerre. Essai sur une prétendue
erreur de Machiavel. (Collection de l’École française de Rome, 434.) Rome, Éco-
le française de Rome 2011. XXXV, 478 S., € 60,–.
Gabriele Pedullà, Machiavelli in tumulto. Conquista, cittadinanza e conflitto
nei „Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio“. (Biblioteca del Cinquecento,
151.) Roma, Bulzoni 2011. 633 S., € 44,–. // doi 10.1515/hzhz-2014-0366
Cornel Zwierlein, Cambridge, Mass.
Es ist eine neuere Entwicklung in der Machiavelli-Forschung, weniger Monografien
über „das“ Denken oder „die“ systematischen Grund-Ideen des Florentiners zu
schreiben als vielmehr dichte Untersuchungen zum ideen- und realgeschichtlichen
Kontext sowie zum Fortleben spezifischer Fragen oder Topoi vorzunehmen, die er
behandelte. Hier widmet Barthas eine ganze Monographie einem einzigen Kapitel
von Machiavellis politiktheoretischem Hauptwerk, den Discorsi sopra la prima deca
di Tito Livio, und zwar Kapitel II, 10, in dem es um das Problem der Kriegsorganisa-
tion und der Söldnerheere geht. Pedullà stellt im Wesentlichen einen tiefschichti-
gen Kommentar zu den Kapiteln 2 bis 8 des ersten Buches der Discorsi dar, insbeson-
dere zu I, 4 und I, 5, zu Machiavellis Analyse der positiven Funktionalität von ‚Tu-
multen‘ und innerrepublikanischer Kompetition sowie der Mischverfassungs-
theorie als Antwort.
Machiavelli vertrat in Kapitel II, 10 die für die meisten seiner Zeitgenossen unver-
ständliche These, dass „Das Geld nicht der Nerv des Krieges ist, wie die allgemeine
Meinung sei“ (I danari non sono il nervo della guerra, secondo che é la comune opinione).
In diesem Text ist letztlich das ganze Problem des Verhältnisses von frühneuzeitli-
chem Staat, Militär und Finanzressourcen angesprochen. Was Barthas hiermit
macht, ist jedenfalls in jeder Hinsicht ungewöhnlich und für den Leser auch gewöh-
nungsbedürftig: Selten wird man in einem Buch zwischen zwei Buchdeckeln geeint
sowohl eine philologische Textarbeit bis hin zur Textzeugen-Stemma-Rekonstruk-
tion (Giunti- und Blado-Ausgabe, Londoner Manuskript, erschließbare verlorene Ko-
pien und Archetypos, S.48, 76) wie auch archivalische Forschung zu den Florentiner
öffentlichen Finanzen finden. Dies ist in dieser Studie aber der Fall und zeugt von
einer Mehrfachbegabung des Autors. Sie enthält in einem ersten Teil sehr kundige
und die ganze Forschung seit dem 19.Jh. überblickende Prolegomena zum Verständ-
nis der Discorsi und fokussiert dabei auf das spezielle Kapitel; der zweite Teil enthält
dann eine kritische Textedition des Kapitels und einen Kommentar, den Barthas
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