Burkhard Dick · Oliver Schwenn · Bernhard Stoffelns · Norbert Pfeiffer · Universitäts-Augenklinik Mainz Späte Luxation einer schiffchenförmigen Silikonlinse in den Glaskörper nach Nd: YAG-Kapsulotomie Ein Fallbericht Zusammenfassung Hintergrund: Bei Kapselsackschrumpfung mit fibrotischem Nachstar nach Implantation einer Intraokularlinse (IOL) aus Silikon mit Plattenhaptik können ungewöhnliche Kom- plikationen nach Nd:YAG-Kapsulotomie auf- treten. Wir beschreiben in dieser Kasuistik die Dislokation einer Silikonlinse in den Glaskörper 10 Monate nach Nd:YAG-Kapsu- lotomie. Patient: Eine 70jährige Patientin unterzog sich einer komplikationslosen Phakoemulsi- fikation mit Implantation einer schiffchen- förmigen Silikonlinse mit Plattenhaptik durch eine zirkuläre, kreisrunde 5,5 mm- Kapsulorhexis in den Kapselsack. Die Patien- tin war 9 Monate postoperativ beschwerde- frei und bemerkte dann eine zunehmende Sehverschlechterung durch eine Kapselfib- rose. Die erfolgreich durchgeführte Nd:YAG- Kapsulotomie führte zu einer Visusverbesse- rung. 10 Monate später trat eine akute Seh- verschlechterung ohne erkennbares Trauma auf. Die IOL war nach hinten in den Glaskör- per disloziert und lag bei 6 Uhr auf der Re- tina. Nach Elevation der dislozierten IOL von der Retina in die Vorderkammer mittels Per- fluorkarboninstillation im Rahmen einer Pars-plana-Vitrektomie wurde die IOL über die Vorderkammer explantiert und eine ein- stückige PMMA-IOL in den Sulcus ciliaris im- plantiert. Schluûfolgerung: Silikonlinsen mit Platten- haptikdesign scheinen unter bestimmten Umständen ein spezielles Risikoprofil für eine Dislokation aufzuweisen. Die Schrumpfung der vorderen Kapsel übt zentripetale Kräfte von den Enden der Plattenhaptik ausgehend aus, die eine Bewegung der Optik nach po- sterior verursachen und somit einen Druck auf die Hinterkapsel ausüben. Falls die Hin- terkapsel mit dem Nd:YAG-Laser durchtrennt wird, können die Kräfte auf die flexible Sili- konintraokularlinse durch die Kapselkon- traktion eine Ausdehnung von radiären Ein- rissen und somit auch Monate nach der Laserbehandlung eine Dislokation der IOL in den Glaskörper hervorrufen. Aufgrund feh- lender Kapseladhärenz bergen diese Silikon- linsen ein Risiko für die posteriore Disloka- tion aus dem Kapselsack. Schlüsselwörter Kleinschnittkataraktchirurgie · Kapselfibro- se · Nd:YAG-Kapsulotomie · Silikonlinsen mit Plattenhaptik · Komplikation · Dislokation F altbare Intraokularlinsen (IOL) sind nach Phakoemulsifikation durch klei- nere Inzisionen als deren Optikdurch- messer implantierbar. Trotz Modifika- tion des Design können Schlaufenhapti- ken selten den Kapselsack penetrieren oder im Kapselsack dislozieren, mit der Folge der Dezentrierung, des Iris-cap- ture-Phänomens oder der IOL-Luxation durch asymmetrische Fixation. Ein- stückige Silikonlinsen mit Plattenhaptik sollen durch breitflächigen Kapselkon- takt und -ausspannung in der Periphe- rie theoretisch eine bessere Zentrierung gewährleisten [5]. Patientin Am 9. 1. 1996 wurde extern bei einer 70jährigen Patientin, die neben einer Hypertonie an einem Bronchialasthma erkrankt war und im Januar 1994 einen Herzinfarkt erlitten hatte, nach kreis- runder Kapsulorhexis (5,5 mm), Hydro- dissektion und Hydrodelineation die getrübte Linse mittels Phakoemulsifika- tion über einen 3,5 mm langen sklero- kornealen Tunnel bei 12 Uhr entfernt. Nach Erweiterung der initialen Inzision auf eine Schnittbreite von ca. 3,2 mm er- folgte die Implantation einer faltbaren kahnförmigen Silikonlinse (Fa. Chiron Adatomed, C10UD, + 19,0 dpt, 6 mm Optikdurchmesser, 10,5 mm Gesamt- durchmesser) mittels Passport-System unter Viskoelastikumschutz in den Kapselsack. Das Viskoelastikum wurde abgesaugt und der Zugang erwies sich am Operationsende als spontan dicht. Der operative und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Am 20. 11. 1996 erfolgte extern an diesem linken Auge eine komplikations- lose Nd:YAG-Kapsulotomie wegen pro- gredienter Sehverschlechterung mit ge- Der Ophthalmologe 3´98 181 Ophthalmologe 1998 ´ 95:181±185 Springer-Verlag 1998 Linse: Kasuistik Dr. B. Dick Universitäts-Augenklinik, Langenbeckstraûe 1, D-55131 Mainz