Redaktion
R. Becker, Brandenburg
C. Fink, Innsbruck
Arthroskopie 2008 · 21:259–265
DOI 10.1007/s00142-008-0475-x
Online publiziert: 10. Oktober 2008
© Springer Medizin Verlag 2008
P. Verdonk
1
· J.H. Lubowitz
2
· F. Almqvist
1
· R. Verdonk
1
1
Department of Orthopaedic Surgery, Ghent University Hospital, Gent
2
Taos Orthopaedic Institute Research Foundation, New Mexico
Langzeitergebnisse nach
Meniskustransplantation
Leitthema
Die Biomechanik des Kniegelenks ist
komplex. Meniskuskörper verbessern die
Gelenkstabilität und Lastverteilung sowie
die Stoßdämpfung und die Gelenkknor-
pelschmierung.
Da die operative Entfernung zu Dys-
funktion und Schmerzen führt, kommt es
aufgrund einer erhöhten Belastung zu de-
generativen Veränderungen des Komparti-
ments [1, 2, 3, 4, 5, 6]. Daher wird versucht,
das Meniskusgewebe so weit wie möglich
zu erhalten. Im Vergleich zur Meniskekto-
mie führt der Ersatz des gesamten Menis-
kus durch ein Meniskustransplantat zu ei-
ner verbesserten Verteilung des Knorpel-
drucks [7, 8, 9, 10]. Nachdem in vitro durch
Transplantation des Meniskus normale
Kontaktkräfte erzielt wurden, erschien es lo-
gisch, sie auch klinisch zur Behandlung des
symptomatischen Kniegelenks einzusetzen,
um die Schmerzen zu lindern und eine wei-
tere Knorpeldegeneration beim symptoma-
tischen Patienten einzudämmen [11].
Seit den späten 80er Jahren wurden ei-
nige mittelfristige, aber nur wenige lang-
fristige Berichte über die Allotransplanta-
tion des Meniskus veröffentlicht. Aus ih-
nen geht eine deutliche Verbesserung der
Schmerzbelastung und Funktion her-
vor [12, 13, 14, 15, 16, 17, 18], aber der Zu-
sammenhang mit einer eindeutigen Ver-
langsamung einer bereits in Gang befind-
lichen Knorpeldegeneration wurde noch
nicht nachgewiesen [19].
Warum Allotransplantation?
Biologie
Biologische Erkenntnisse über die Menis-
kustransplantation stammen aus Tierstu-
dien. Sie lassen sich nicht direkt auf den
Menschen übertragen. In einigen Fäl-
len haben Erkenntnisse aus dem Tierver-
such klinische Studien am Menschen so-
gar verhindert. Aufgrund klinischer Hu-
manstudien über die Meniskusnaht weiß
man, dass der Heilungsprozess in der
synovialen Auskleidung und Peripherie
beginnt, die vaskularisiert sind [20, 42].
Bei der Vaskularisierung des Transplan-
tats wurde eine vaskuläre Antwort, ausge-
hend vom Schleimbeutel und synovialen
Anhang, nachgewiesen; allerdings verlief
sie nur unvollständig [21].
Die Zellrepopulation bei tiefgefrore-
nen Allotransplantaten scheint sich auf
die Meniskusoberfläche zu beschränken,
der Kern des Meniskuskörpers wird da-
bei ausgelassen.
Die Verwendung lebender Meniskus-
allotransplantate führt jedoch zu anderen
Ergebnissen. In vitro kultivierte Menis-
ken bleiben vital, denn die Meniskuszellen
produzieren weiterhin extrazelluläre Ma-
trixverbindungen [22]. Bei vitalen (kulti-
vierten) Allotransplantaten, die 14 Tage
nach der Kultivierung ins Knie transplan-
tiert wurden, überlebt ein großer Anteil
der Zellen. Dies wird dadurch bestätigt,
dass man Spender-DNA in diesen Allo-
transplantaten noch 64 Monate nach der
Transplantation nachweisen kann.
Dies steht im Gegensatz zu DNA-
Analysen im Ziegenmodell, bei denen die
Spenderzellen innerhalb von 4 Wochen
durch Wirtszellen ersetzt werden [23].
Unklar ist jedoch, ob die in den Empfän-
germeniskus einwachsenden Zellen die
gleiche Fähigkeit haben, eine extrazellu-
läre Matrix zu bilden, wie die nativen Me-
niskuszellen [24].
Eine fehlgeschlagene Allotransplanta-
tion kann durch suboptimale biologische
Verhältnisse wie auch durch suboptima-
le Biomechanik verursacht werden, z. B.
wenn die meniskalen Anhängsel nicht
anatomisch reimplantiert werden. An-
sonsten ist bei den Tierversuchen immer
der gesamte Meniskus ersetzt worden.
Im Gegensatz dazu bleiben bei den
heutigen Meniskektomien beim Men-
schen meist Vorder- und Hinterhorn in-
takt, sodass der Chirurg diese Referenz-
punkte zur Optimierung der biomecha-
nischen Bedingungen nach der Trans-
plantation benutzen kann [25].
Dimensionierung
Neben der korrekten Fixierung des Me-
niskushorns ist auch die Dimensionie-
rung des Meniskustransplantats von ent-
scheidender Bedeutung [25]. Unter kli-
nischen Bedingungen kann man die Di-
mensionierung am besten durch einfache
a.p.- und laterale Röntgenbilder bestim-
men. Werden Knochenblöcke eingesetzt,
um die Umfangsspannung zu optimie-
ren, ist die präzise Dimensionierung ent-
scheidend für das Ergebnis. Die Dimensi-
onsfrage ist nicht so entscheidend, wenn
keine Knochenblöcke verwendet werden
und die ursprünglichen Meniskushörner
als anatomische Bezugs- und Fixierungs-
punkte herangezogen werden.
Risiken
Die Risiken der Verwendung von Allo-
transplantaten bei Knieoperationen sind
extrem gering. Werden sie einem allge-
meinen Organspender entnommen, ge-
259 Arthroskopie 4 · 2008
|