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Originalbeitrag
eingegangen: 9. Dezember 2014 / angenommen: 13. Februar 2015
© Springer-Verlag berlin Heidelberg 2015
Möglichkeiten zur Verbesserung der Rotfärbung bei Äpfeln
M. Blanke
erwerbs-Obstbau
DOi 10.1007/s10341-015-0234-x
Zu den unerwünschten nebenwirkungen bei unsach-
gemäßer anwendung, zu spätem einsatzzeitpunkt und
Überdosierung bei benzyladenin (6-ba)-Präparaten zur
ausdünnung und ProhexadionCalcium u. a. zur triebver-
kürzung gehören Verminderung der rotfärbung bei apfel-
früchten. Für den einsatz von Methyl-Jasmonat, amino-
ethoxyvinylglycin (aVg) und abscisinsäure (aba) zur
Förderung der Fruchtausfärbung besteht zur Zeit (2014) in
europa keine Zulassung.
Licht-Refektoren wie Kunststoffgewebe- und Alufolien
können bei einmaligem sowie Kalk, Kaolin, weiße Farbe,
titandioxid, Papier und Stroh als Mulch bei mehrmaligem
ausbringen in den Fahrgassen, am 50.°n mindestens 4
Wochen vor der erwarteten ernte, die Fruchtausfärbung
erheblich verbessern. Sie wirken, wie erwünscht, auf die
schlecht belichteten Partien der baumkrone unten und in
der Mitte sowie auf die nach innen zum baumstamm und
nach unten gerichtete Seite der apfelfrüchte. Mit einer
größenordnung von 8–10 % Farbverbesserung deckt dies,
bei einmaligem auslegen der gewebe- oder alufolien pro
Jahr, die Materialkosten ab. Die Wirkung der Lichtrefek-
toren ist, wie erwünscht, in schwach färbenden Jahren
stärker als in gut färbenden, und bei spät reifenden Sorten
besser als bei früh reifenden, wobei auf die belange des
landschaftsschutzes und aktuelle Zulassungssituation zu
achten ist.
Zuerst sollten alle Kultur- und Pfegemaßnahmen zur
Verbesserung der belichtung in der baumkrone wie Win-
ter-, Sommer- und Wurzelschnitt ausgeschöpft werden, um
die Fruchtfarbe am 50.°n zu verbessern. Darüber hinaus
steht heute eine breite Palette an Refektoren, Monophos-
phaten bzw. Calciumphosphaten, chemischen Farbver-
besserern sowie Verdunstungskühlung durch beregnung
an abenden mit geringer luftfeuchte, Wechsel zu einer
helleren Hagelnetzfarbe, ausweichen von t al auf Hang-
Zusammenfassung Das vorliegende Übersichtsreferat
gibt einen Überblick über die beiden Forschungsansätze
a) intensivierung der bereits vorhandenen roten Deckfarbe
und b) erhöhung des anteils roter Schalenfarbe bei solchen
Früchten oder auf der Seite der Frucht, die sonst schlecht
gefärbt ist. beide Forschungsansätze können zu den vom
Konsumenten gewünschten rot gefärbten und gesünderen
Früchten sowie der erwünschten höheren einstufung und
bezahlung bei der Vermarktung der Früchte, nicht nur
beim Apfel, führen. Häufg unbekannte oder unterschätzte
nebenwirkungen bekannter und neuer chemischer Produk-
te und physikalischer Verfahren werden anhand der grund-
legenden regelmechanismen der Farbbildung erklärt.
bei den auf Farbwirkung längerfristig untersuchten
blattdüngern zeigten die meisten Monophosphate im
Durchschnitt der Jahre mäßige effekte in Höhe von 3–5 %
Farbverbesserung bzw. größeren anteil Früchte mit besse-
rer Schalenfarbe (> 50 %). nur ‘Seniphos’ (Phosphat u. a.
mit 4 % CaO) erhöhte den anteil Deckfarbe regelmäßig
um bis zu 8 %. Unter den weißen Partikelflmen erschie-
nen Kaolin und CaCO
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als Refektor auf den Blättern und
Früchten nördlich des 50. breitengrades ungeeignet zur
Verbesserung der Fruchtfarbe, während sie in sonnenstar-
ken gebieten erfolgreich gegen Sonnenbrand eingesetzt
werden.
nach einem Manuskript für den Obstbautag der
absolventenvereinigung terlan auf dem ritten und 2011 in
nieder-Olm
M. blanke ()
inreS – gartenbauwissenschaft der Universität bonn,
auf dem Hügel 6,
53121 bonn, Deutschland
e-Mail: ulp304@uni-bonn.de