753 © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018 H. Lutz et al. (Hrsg.), Handbuch Biographieforschung, https://doi.org/10.1007/978-3-658-18171-0_63 Zusammenfassung Das Forschungsfeld der Biographieforschung ist in den griechischen Sozialwissen- schaften erst in den 1990er Jahren entstanden. Die ersten Forschungen, die Lebens- geschichten und biographische Erzählungen verwertet haben, hatten eine kritische Haltung gegenüber dem vorherrschenden positivistischen Muster der quantitativen Sozialforschung und versuchten die Perspektive sozialer Gruppen in den Vordergrund zu stellen, die vom vorherrschenden sozialwissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen waren. Diese Forschungen waren jedoch oft von einer methodologischen Spontanität gekennzeichnet und es fehlte ihnen an systematischen Methoden sowohl der Produk- tion als auch der Auswertung biographischer Erzählungen. In den letzten 15 Jahren hat sich das Interesse an der Biographieforschung in Griechenland verstärkt. Zahlrei- che Forschungen wurden in einer methodologisch und theoretisch reflektierten Weise durchgeführt, während ziemlich viele Texte publiziert wurden mit methodologi- schem Inhalt. Gleichzeitig sind in vielen griechischen Städten Oral-History-Gruppen entstanden, die über die Erhebung und Analyse von Lebensgeschichten versuchen, Aspekte lokaler Geschichte „von unten heraus“ zu beleuchten. Internationale Zusam- menarbeit im Bereich der Bildung und Forschung führte zu der Etablierung eines Stroms rekonstruktiver Biographieforschung in Griechenland, die sehr stark von der deutschsprachigen Diskussion beeinflusst ist. Biographieforschung in Griechenland Giorgos Tsiolis G. Tsiolis (*) Department of Sociology Gallos University Campus, University of Crete, Rethymnon, Kreta, Griechenland E-Mail: tsiolisg@uoc.gr