Originalien M. Schmücking 1 · R. P. Baum 1 · R. Bonnet 2 · K. Junker 3 · K.-M. Müller 3 1 Klinik für Nuklearmedizin/PET-Zentrum, Zentralklinik Bad Berka 2 (für die LUCAS-MD-Studiengruppe) Klinik für Pneumologie, Zentralklinik Bad Berka 3 Institut für Pathologie an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum Korrelation histologischer und nuklearmedizinischer Befunde der Tumorregression in behandelten bösartigen Lungentumoren Pathologe 2005 · 26:178–190 DOI 10.1007/s00292-005-0758-1 Online publiziert: 31. März 2005 © Springer Medizin Verlag 2005 Problematik bösartiger Lungentumoren Das nichtkleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) stellt bei zunehmender Inzi- denz eines der größten Probleme in der klinischen Onkologie dar. In Deutschland werden jährlich etwa 44.000 neue Fälle di- agnostiziert, etwa 85–c0% der Patienten versterben an der Erkrankung. Bei Diag- nosestellung sind in etwa 50% aller Fälle bereits regionäre Lymphknotenmetasta- sen vorhanden, in über 70% sind die Hi- lusregion als erste Lymphknotenstation, gefolgt von den mediastinalen (subkarina- len, tracheobronchialen und paratrachea- len) und supraklavikulären Lymphknoten- stationen befallen. Abhängig vom führenden histologi- schen Typ weisen 33% der Plattenepithel- karzinome, 54% der Adenokarzinome und 57% der undifferenzierten Karzino- me Lymphknotenmetastasen auf. Schon frühzeitig metastasieren auch kleine Pri- märtumoren, sodass das Lungenkarzi- nom auch als Systemerkrankung angese- hen wird [4]. Risikoabschätzung Die primäre Tumorausdehnung hat eine er- hebliche prognostische Relevanz und ist auch entscheidend für die Therapiestrati- fikation. Obwohl eine Reihe von präthera- peutischen molekularen und immunologi- schen Risikofaktoren, wie RAS-Punktmu- tation, c-ERB-B2-Überexpression, p53, LDH, prätherapeutischer HB-Wert, Blut- gruppenantigene beim NSCLC beschrie- ben wurden, hat keiner von Ihnen Ein- gang in die prospektive Risikostratifikati- on oder Therapieplanung/Therapiemana- gement gefunden [4]. Hier bietet die Positronenemissions- tomographie (PET) die Möglichkeit, mit dem Tracer 8 F-FDG (2-[ 8 F]-Fluoro-2- Deoxy-D-Glukose) in hoher Sensitivität und Spezifität den zellulären Tumorstoff- wechsel darzustellen. Eine im Vergleich zur Computertomographie (CT) exaktere Bestimmung der Tumorausdehnung ist möglich, wodurch ein stadiengerechteres, und damit für den Patienten besseres The- rapiemanagement resultiert [, 2, 6, 27]. Therapieziele In den Tumorstadien IIIA und IIIB ster- ben 50–80% aller Patienten an systemi- schen Rezidiven, nur etwa 20–37% aller Patienten versterben an lokalem Progress. Diese Daten verdeutlichen, dass mit Ope- ration, Strahlen- und Chemotherapie ei- ne ausreichende lokale Kontrolle bei lo- Tabelle 1 Regressionsgrading nach neoadjuvanter Therapie beim NSCLC. (Nach [10, 11]) Grad I Keine oder nur spontane Tumorregression in Primärtumor und befallenen regionären Lymphknoten Grad II Inkomplette therapieinduzierte Tumorregression mit Grad IIa Mehr als 10% vitalen Tumorzellen im Primärtumor und/oder befallenen regionären Lymphknoten Grad IIb Weniger als 10% vitalen Tumorzellen im Primärtumor und/oder befallenen regionären Lymphknoten Grad III Komplette therapieinduzierte Tumorregression ohne Nachweis vitaler Tumorzellen im Primärtumor und/oder befallenen regionären Lymphknoten 178 | Der Pathologe 3 · 2005