Originalarbeit
Präv Gesundheitsf
https://doi.org/10.1007/s11553-023-01058-z
Eingegangen: 10. März 2023
Angenommen: 24. Mai 2023
© Der/die Autor(en) 2023
Tamara Schneider
1
· Julia Weber
2
· Nicola H. Bauer
3
1
Fakultät für Kulturwissenschaften – Fach Psychologie, Psychologische Diagnostik & Förderung mit dem
Schwerpunkt Inklusive Bildung, Universität Paderborn, Paderborn, Deutschland
2
Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich (ISMZ GmbH), Zürich, Schweiz
3
Institut für Hebammenwissenschaft, Medizinische Fakultät, Universität zu Köln, Köln, Deutschland
„Löwenstark in der Schwanger-
schaft!“ Ressourcenaktivierung
und Stressreduktion mit dem
Zürcher Ressourcen Modell
(ZRM
®
) – eine unkontrollierte
Interventionsstudie
Einleitung
Jede Schwangerschaf ist einzigartig und
so individuell wie die Person, die sie er-
lebt. Häufig werden Schwangeren Ideal-
bilder suggeriert, die selten das reale Erle-
ben von Schwangerschaf widerspiegeln.
Geprägt von Ängsten, Stress und Unsi-
cherheit kann eine Schwangerschaf mit
ambivalenten Gefühlsausprägungen ver-
bunden sein. In der Summe bedeutet
schwanger sein vor allem Veränderung
und Anpassung.
Schwangerschaft als Anpassungs-
leistung und das subjektive
Wohlbefinden
Schwangerschafsbedingte Veränderun-
gen, die auf körperphysiologischer, psy-
chischer und sozialer Ebene stattfinden
können [18, 27](. Abb. 1), werden durch
die schwangere Person als aufregend und
spannend, aber auch anstrengend und
herausfordernd erlebt [30, 38]. Häufig
gehen sie mit einem subjektiv verän-
derten Wohlbefinden einher. Niedrige-
re Werte des Wohlbefindens finden sich
bei von Ängsten und Unsicherheit ge-
prägten Schwangerschafen [2, 32]. Po-
sitive Affekte wie Freude und ein Gefühl
von Sicherheit hingegen führen zu mehr
Wohlbefinden bei Schwangeren [2, 9].
In der Literatur wird subjektives
Wohlbefinden u. a. als Zustand definiert,
der mit einer hohen Lebenszufrieden-
heit, dem Erleben positiver und selten
negativer Affekte einhergeht [13, 20].
Dabei ist das aktuelle subjektive Wohl-
befinden sehr veränderungssensitiv und
z.B. von der sozialen Umgebung, dem
Körpergefühl oder den zur Verfügung
stehenden Ressourcen abhängig [1]. Die
Förderung der persönlichen Ressour-
cen, die Stärkung positiver Affekte und
die Reduktion negativer Affekte kann
somit zur Verbesserung des aktuellen
subjektiven Wohlbefindens beitragen
[39].
Stress in der Schwangerschaft
Weltweit belegen Studien, dass Schwan-
gere unter einem moderaten bis hohen
Stresslevel leiden [59]. Aktuell bestehen-
de externe Stressoren aus gesellschafli-
chen Problemlagen wie die COVID-19-
Pandemie („coronavirus disease 2019“)
oder Kriegsgeschehnisse, die zu einem
starken Gefühl der Unsicherheit füh-
ren, fördern diese negative Gefühlslage
in Form von Stress zusätzlich [6, 18].
Ein starkes Angsterleben während der
Schwangerschaf, z. B. aufgrund der
bevorstehenden Geburt oder bereits
erlebter traumatisierender Geburtser-
fahrungen, kann als interner Stressor
Auslöser für ein hohes Stresslevel sein.
Dabei nimmt das Stresserleben direkt
Einfluss auf das Wohlbefinden [10, 26,
31, 38]. Zusätzlich zu internen und
externen Stressoren können soziodemo-
graphische Faktoren als Stress- und
Belastungsquellen angesehen werden.
Maxson et al. [41] clusterten Schwange-
re anhand ihrer soziodemographischen
und psychosozialen Gesundheit in drei
Profile: vulnerabel, moderat und resilient.
Die negativen Folgen von Stress wäh-
rend der Schwangerschaf sind vielfältig:
Maternal kann es zur vorzeitigen Wehen-
tätigkeit, Frühgeburten, Spontanaborten
oder Präeklampsien kommen; fetal zu ei-
ner Minderversorgung, einem niedrigen
Geburtsgewicht und Krankheitsdisposi-
tionen [7, 10, 15, 18, 49].
Im Vergleich zu der Vielzahl an
Grundlagenstudien, die den Einfluss von
StressaufdieSchwangerschafuntersucht
haben, bestehen wenig Interventionsstu-
dien, die die nachhaltige Veränderung
im Umgang mit Stress und negativen
Affekten untersuchen [38]. Bisherige
Studienergebnisse zeigen, dass bei Maß-
nahmen zur Stressreduktion während
Prävention und Gesundheitsförderung