Pathologe 2013 · 34:356–359
DOI 10.1007/s00292-012-1722-5
Online publiziert: 9. Januar 2013
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013
J. Placke
1
· D. Schmidt
2
1
Praxis für Pathologie, Dinslaken
2
Institut für Pathologie, Mannheim
Myxoide Veränderung
des Zervixstromas
Mimikry eines Tumors
Myxoide Veränderungen des Uterus
sind selten und treten meist in Zu-
sammenhang mit Tumoren, vorwie-
gend Leiomyomen oder -myosarko-
men, vor allem im Bereich des Corpus
uteri, auf [1]. Im Allgemeinen wird
benignen myxoid-mesenchymalen
Veränderungen des Uterus in der Li-
teratur nur wenig Beachtung ge-
schenkt [8]. Wir identifizierten den
Fall einer tumorimitierenden trans-
muralen myxoiden Veränderung des
Zervixstromas. Eine ähnliche Verän-
derung im Bereich des Uterus wurde
2010 von McCluggage und Young [1]
erstmalig beschrieben. Bei dem vor-
liegenden Fall handelt es sich um den
ersten dieser Art, der auf die Zervix
beschränkt ist.
Kasuistik
Klinische Befunde
Eine 43-jährige Patientin wurde wegen
rezidivierender Hypermenorrhöen hyste-
rektomiert. Aus der Vorgeschichte waren
ein Zustand nach Sectio caesarea 1991 und
1994, ein Zustand nach laparoskopischer
Tubensterilisation und ein Zustand nach
Appendektomie bekannt. Außerdem lag
eine Thyroxinmedikation wegen Hypo-
thyreose vor, wobei die Genese der Hypo-
thyreose nicht eruiert werden konnte.
Eine präoperative Vaginalsonographie
ergab den Verdacht auf ein Uterushinter-
wandmyom. Ansonsten wies die Vaginal-
sonographie einen unauffälligen Befund
auf, auch im Bereich der Adnexe. Bei der
gynäkologischen Untersuchung fand sich
ein normal großer, mobiler, anteflektierter
Uterus mit unauffälligen Adnexen. Labor-
chemisch war in den Routinelaborunter-
suchungen kein pathologischer Befund zu
entdecken.
Pathologischer Befund
Wir erhielten ein 93 g schweres Hysterek-
tomiepräparat. Makroskopisch und histo-
logisch fanden sich überwiegend Verän-
derungen eines gering vergrößerten Ute-
rus mit leichter diffuser Myometrium-
hyperplasie (Myometriumdicke: 2 cm)
und kleinen bis 0,5 cm großen intramu-
ralen Myomen. Histomorphologisch ent-
sprachen die Myome typischen Leiomyo-
men. Hydropische oder myxoide Ver-
änderungen waren nicht nachweisbar.
Zusätzlich war eine geringgradige typi-
sche Adenomyosis uteri nachweisbar.
Die makroskopische Untersuchung
der Cervix uteri ergab einen unauffälli-
gen Befund. Bei der histologischen Unter-
suchung der Zervix zeigten sich fast zir-
kulär angeordnete, teils faszikuläre, teils
wirbelförmige myxoide Herde mit mä-
ßigem Zellreichtum (. Abb. 1), die sich
vom Übergang des unteren zum mittle-
rem Drittel der Zervix bis zum isthmus-
nahen Zervixbereich erstreckten. Die hier
nachweisbaren Zellen wiesen keine Zell-
oder Kernpleomorphie auf. Mitosen wa-
ren nicht nachweisbar. Innerhalb dieser
myxoiden Areale fanden sich reichlich
Blutgefäße, die jedoch keine myxoiden
Veränderungen aufwiesen.
In den Spezialfärbungen zeigten die
myxoiden Abschnitte eine Positivität
Tab. 1 Reaktionsmuster der dargestellten myxoiden Veränderungen des Zervixstromas
Perjodschiffsäurereaktion Negativ
Alzianblau Positiv
Elastica-van-Gieson Negativ
Berlinerblau Negativ
Panzytokeratin Negativ
S100 Negativ
Glattmuskuläres Aktin Negativ
Vimentin Negativ
D2/40 Negativ
CD10 Positiv
CD34 Positiv
Ki67 Keine positiven Zellkerne
p53 Keine positiven Zellkerne
Östrogenrezeptor Negativ
Progesteronrezeptor Negativ
Desmin Negativ
Redaktion
K.W. Schmid, Essen
356
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Kasuistiken