Originalien
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Der Unfallchirurg 1•2002 44
Zusammenfassung
Die Dokumentation der Veränderungen der
retropatellaren Kontaktcharakteristika durch
unterschiedliche Größen und Platzierungen
eines künstlichen Patellarückflächenersatzes
bei künstlichem Kniegelenkersatz.
6 mit einer Thiel-Fixierung präparierten
Leichenkniegelenke wurden mit einer
„Genesis-I-Knietotalendoprothesen“ ver-
sorgt. Die Patellaimplantate wurden in den
Größen „small“ und „medium“ als „Onlay-
Version“ zentral wie auch um jeweils 0,4 cm
in alle 4 Richtungen verschoben implantiert
und mit der Situation ohne Patellarück-
flächenersatz verglichen.Die retropatellaren
Kontaktmessungen wurden mit Fuji-Folien
an einem definiertem Ort für 5 s in 60°-
Flexion durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigten zwischen den bei-
den Größen keine signifikanten Unterschiede
auf.Die Untersuchung der verschiedenen Plat-
zierungsorte ergab für die Größe„small“ keine
signifikanten Unterschiede für die mediale, di-
stale und proximale Platzierung.Die laterale
Position führte hingegen zu einer signifikan-
ten Abnahme der Kontaktfläche (p=0,0277),
des Maximaldruckes (p=0,0422) und der Kraft
(p=0,0277). Der Durchschnittsdruck änderte
sich allerdings nichtsignifikant (p=0,1159). Bei
der Größe„medium“ konnte kein signifikanter
Unterschied bei der medialen und distalen
Platzierung festgestellt werden.Der Vergleich
zwischen der lateralen und zentralen Position
ergab jedoch eine signifikante Kontaktflä-
chenverkleinerung (p=0,0446). Im Gegensatz
zur distalen Platzierung zeigte die proximale
eine signifikante Zunahme der Kontaktfläche
und Abnahme der Kraft (p=0,0277 und
p=0,0277).
Mit der zusätzlichen Implantation ei-
nes Patellarückflächenersatzes wird er-
hofft, dass die Patellaprobleme bei
künstlichem Kniegelenkersatz vermin-
dert werden können. Diese Hoffnung
wird darin begründet, dass ein erhöhter
retropatellare Druck die Beschwerden
verursacht und durch das Patellaim-
plantat eine bessere Verteilung dieses
Druckes erzielt werden kann. Nun be-
schrieb z. B. McLain et al. [22] aber, dass
eine 3fache Erhöhung des Druckes nach
der Implantation des Patellaimplantats
gemessen wurde,was er durch eine Ver-
kleinerung der Kontaktfläche erklärte.
Einige Autoren haben eine bessere
Druckverteilung durch eine mediale
Platzierung des Patellarückflächenersat-
zes angegeben [1, 3, 6, 7, 12, 17, 21, 24, 26, 27,
28, 29, 32].
Neben diesem Aspekt muss jedoch
auch die Platzierung der Femurkompo-
nente wie auch das Design sowohl der
Femur- als auch der Patellakomponen-
ten mitberücksichtigt werden. In der Ar-
beit von Goldstein et al. [10] wurden ge-
rade bei den besonders häufig benutz-
ten Winkeln von 45–60° hohe Druck-
werte mit der Dome-Patella gemessen.
Hsu et al. [16] und Sum et al. [30] wiesen
auf die Bedeutung des Designs hin, wo-
mit durch eine erhöhte Konformität eine
Vergrößerung der Kontaktfläche erzielt
werden kann und darüber hinaus noch,
wie McNamara et al. [23] angab, zu weni-
ger Abrieb.
In den letzten Jahren wurden trotz
der Implantation des Patellarückflä-
chenersatzes weiterhin Patellaprobleme
gesehen, die teilweise noch durch die
Originalien
Unfallchirurg
2002 · 105:44–48 © Springer-Verlag 2002
S. Fuchs
1
· G. Schütte
1
· H. Witte
2
· D. Rosenbaum
1
1
Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
2
Institut für Zoologie, Universität Jena
Welchen Einfluss hat die
Größe und Platzierung des
Patellarückflächenersatzes
bei Knieendoprothesen?
Priv.-Doz. Dr. S. Fuchs
Klinik und Poliklinik für Allgemeine
Orthopädie,Westfälische Wilhelms-Universität,
Albert-Schweitzer-Straße 33, 48129 Münster,
E-Mail: fuchssu@uni-muenster.de
Im Vergleich mit der Situation ohne
Patellarückflächenersatz war durch die Patel-
lagröße „small“ ein signifikanter Flächenver-
lust (p=0,03) und Kraftverlust festzustellen
(p=0,03). Mit der Implantatgröße „medium“
stieg der Maximaldruck signifikant gegen-
über der Situation ohne Patellaimplantat an
(p=0,03) und die Kraft nahm signifikant ab
(p=0,0277).
Zusammenfassend scheint die Wahl
zwischen einer kleinen und mittleren Größe
eines Patellarückflächenersatzes keinen
signifikanten Einfluss hinsichtlich der retro-
patellaren Kontaktcharakteristika zu haben.
Auch für die Platzierung dieses Rückflächen-
ersatzes kann grundsätzlich keine Empfeh-
lung gegeben werden, obwohl gerade die
laterale Platzierung tendenziell ungünstige
Ergebnisse bezüglich des Druckes und der
Kontaktfläche erzielte. Grundsätzlich wirkt
sich das Patellaimplantat durch eine
Flächenverkleinerung und Druckerhöhung
ungünstig aus und kann daher für den
Routinefall nicht empfohlen werden.
Schlüsselwörter
Kniegelenk · Patellarückflächenersatz ·
Patella · Fuji-Film