S Wein, Bier, Schnaps und Ziga- retten sind für schwangere Frauen heute tabu. Das war nicht immer so. Noch bis in die 1970er Jahre galt die Plazenta als Barriere, und dass Drogen und Medikamente, die die Mutter zu sich nimmt, in den Körper des ungeborenen Kind ge- langen können, war unbekannt. Heute wissen wir dies; zu verdan- ken ist es Majorie G. Horning, ei- ner Pionierin der Bioanalytik. Das Forschungsgebiet der US- amerikanischen Biochemikerin war die Chromatographie in der biochemischen Analytik. In den 60er und 70er Jahren entwickelte sie Methoden, mit denen Vertei- lung und Metabolismus von Arz- neimitteln im menschlichen Kör- per untersucht werden konnten. Zusammen mit der Kinderärztin Reba Michels Hill wies sie um das Jahr 1973 nach, dass Medikamente und andere Wirkstoffe vom Blut einer werdenden Mutter in den Or- ganismus des Fötus übergehen können, und in den Folgejahren klärten sie die Übertragungswege auf. Aber nicht nur das; Horning und Hill engagierten sich auch dafür, dass ihre Erkenntnisse über die Plazentagängigkeit von Substanzen den Weg in die geburtsmedizini- sche Praxis fanden, und sie betei- ligten sich maßgeblich an Initiati- ven in den USA, Frauen über die Risiken der Einnahme von Medika- menten während der Schwanger- schaft aufzuklären und sie vor dem Konsum von Alkohol, Drogen und Nikotin zu warnen. Lebenslange wissenschaftliche Zusammenarbeit S Marjorie Janice Groothuis kam am 23. August 1917 in Detroit zur Welt. Sie studierte Biochemie, zu- erst am Goucher College in Balti- more, ab dem Jahr 1938 an der University of Michigan in Ann Ar- bor, wo sie 1940 den Master erwarb und 1943 mit einer Arbeit zum Me- tabolismus der Phospholipide pro- movierte. Als Doktorandin lernte sie den Chemiker Evan Charles Horning (1916 – 1993) kennen, der dort unterrichtete. Die beiden hei- rateten im Jahr 1942, und fortan verband das Ehepaar eine enge Partnerschaft in wissenschaftlicher Arbeit, mit über 100 gemeinsamen Publikationen. Ihre unterschiedli- che Ausbildung – er in organischer Chemie, sie in Biochemie – erwies sich als förderlich für ihre Zusam- menarbeit. Beide blieben bis 1945 in Ann Arbor, Marjorie Horning als For- schungsassistentin in der Pädiatrie der Universitätsklinik, um an- schließend an die University of Pennsylvania in Philadelphia zu Werner Engewald, Hartmut Frank Gaschromatographie galt noch Ende der 1950er Jahre als unge- eignet für die Bioanalytik. Marjorie G. Horning und ihr Mann Evan entwickelten sie in den 1960er Jahren weiter und etablier- ten sie als eine leistungsfähige Methode für die biomedizinische Forschung. Marjorie Groothuis Horning, die im August ihren 101. Geburtstag feierte, untersuchte damit Stoffwechselprodukte und Arzneimittel im menschlichen Körper. Nikotin geht ins Blut BChemiegeschichteV Marjorie G. Horning im Jahr 1987. Nachrichten aus der Chemie| 66 | November 2018 | www.gdch.de/nachrichten 1084