Der energiewirtschaftliche und umweltpolitische Rahmen Über die Perspektive der deutschen Braunkohle kann im Jahr 2008 nur im europäischen und globalen Kon- text gesprochen werden. Das weltweit wirkende Span- nungsfeld zwischen wachsender Bevölkerung, zu- nehmendem Wohlstand und damit einhergehend der stetig wachsende Energiebedarf sowie die ungleiche Ressourcenverteilung, die Versorgungsrisiken und die Klimavorsorge bestimmen auch die Energiestrategie der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten. Der steigende Energiebedarf, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern, trif in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts mit voller Wucht auf eine Ressourcenbasis, die nicht im gleichem Maße ausgeweitet werden kann. Im Zentrum der Energiever- sorgung steht immer noch das Öl, das aufgrund seiner spezifschen Eigenschafen im Bereich Mobilität der- zeit unersetzlich ist, insbesondere da der Verkehrssek- tor überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweist. Die Ressourcenbasis, auf der die Ölproduktion beruht, ist ofensichtlich fragil und die überlagernden politi- schen Einfüsse unkalkulierbar. Das Stichwort „Peak Oil“ steht für die Erkenntnis, dass in absehbarer Zeit für das Öl ofensichtlich zunehmend härtere Grenzen bezüglich der Verfügbarkeit erreicht werden. Die Welterdgasproduktion ist heute noch besser diversifziert als die Ölförderung. Obwohl die Res- sourcenbasis breiter ist, stellen sich auch hier Fragen nach Verfügbarkeit und der notwendigen Infrastruk- tur. Sofern man davon ausgeht, dass Öl tendenziell der knappste fossile Energierohstof ist, wird das Erd- gas nicht nur im Bereich Wärme, wo es bereits viel Öl substituiert hat, sondern längerfristig auch im Bereich Mobilität benötigt werden. Damit hat die nach den Ölkrisen in den 70er Jah- ren des letzten Jahrhunderts entwickelte Strategie der OECD-Staaten, die Stromversorgung auf Grundlage der Kohle und Kernenergie versorgungs- und preissi- cher auszubauen, weiter Gültigkeit. Die wie in den 70er Jahren stark gestiegenen Öl- und Gaspreise und die Verfügbarkeit von großen Kohlenvorkommen in China und Indien sind die maßgeblichen Gründe für einen wachsenden Kohlen- verbrauch. Weltweit stieg der Verbrauch an Kohle zwi- schen 2000 und 2007 um gut 40% auf etwa 4,7 Mrd. t. Die Zuwachsrate im Kohlenverbrauch lag in diesem Zeitraum etwa doppelt so hoch wie bei Gas und drei- mal so hoch wie bei Öl. Ein starker Treiber war die Kohlenverstromung. Etwa 40% der Stromerzeugung in der Welt basieren auf Kohle und eine weitere Zu- nahme wird erwartet. In der erweiterten Europäischen Union basieren etwa je 30% der Stromerzeugung auf Kohle und Kernenergie. Die Wasserkrafwerke, insbe- sondere in den Alpen und in den Gebirgen der Ibe- rischen Halbinsel, tragen mit etwa 10% zur Stromer- zeugung bei. Die Stromerzeugung aus Gas liegt bei etwa 20 %. Der Ausbau der Erneuerbaren Energie wird insbesondere in der EU und Deutschland massiv gefördert. Der Anteil von Wind und Biomasse an der Stromerzeugung liegt 2006 in der EU bei rd. 2% und in Deutschland bei rd. 6%. Das ist ernüchternd. Es bleibt auf absehbare Zeit bei additiven Beiträgen. Unter dem Eindruck sowohl der Ressourcenknapp- heit als auch des befürchteten Klimawandels bekennt sich die EU zu einer Politik der Vorsorge. Längerfris- tig will die Europäische Union daher die CO2 -Emis- sionen drastisch reduzieren. Klimavorsorge und eine zukunfsfähige Energieversorgung sind untrennbar miteinander verknüpf, so wie die zwei Seiten einer Medaille. Beide Fragen sind demgemäß nur im Zusam- menhang zu beantworten. Energieverbrauch und die damit verknüpfen CO 2 -Emissionen haben sehr viel damit zu tun, wie die Menschen heute, morgen und übermorgen leben und wie mit der Energie gewirt- schafet wird. Wegen der systembedingten Trägheit ist es notwendig, die angestrebte, integrierte Klima- und Energiestrategie langfristig und dauerhaf, aber auch hinsichtlich der konkreten Ziele und Handlungsfel- der, auf überschaubare Zeiträume zu beziehen. Die im Rahmen der laufenden Diskussionen im Bereich der EU immer wieder angesprochene Jahreszahl 2020 ist in diesem Sinn als ein Etappenziel zu verstehen. Auf Grundlage der Ratsbeschlüsse der EU vom März 2007 ist im laufenden Meinungsbildungsprozess insbesondere zu hinterfragen, ob die für 2020 anvisier- ten Ziele realistisch sind und wie sie erreicht werden können. Anzusprechen ist das CO 2 -Minderungsziel von minus 20% für die EU-27 und der angestrebte 1 Perspektive des Rohstoffs Braunkohle George Milojcic