Wmhs, Habernek, Franek: Belastungsversuche der tibioyTbularen Syndesmosis Zur statischen Belastung der Syndesmosis fiNofibularis O. Wruhs, H. Habernek, F. Franek 1 I. Universit/itsklinik fiirUnt:a!lchirurgie, Wien 0/orstand: Prof. Dr. E. Trojan) und Institut for Feinwerktechnik1,Wien (Vorstand:Prof. Dr. H. Detter) Am anatomischen Kapsel-Band-Pr~-iparat des menschlichen Unterschenkels wurde mittels Dehnungsme3streifen die Belastungder Syndesmose im Sohlenstand tiberpriift.Die ermittelten Zugspannungen bei schrittweiseraxialer Belastung des Unterschenkels bis zu 500 Newton in Neutral-Null-Stellung lagen bei 6,5 Newton for die vordere und bei zehn Newton ftir die hintere Syndesmosebei Maximalbelastung. Bei zehngradiger Dorsalflexion war bereits ohne axiale Krafteinleitung eine Vorspannung bis zu ftinf Newton auf beiden Bandabschnitten festzustellen. Zunehmende Belastung ftihrte zu zunehmender Zugbeanspmchung der hinteren Syndesmose, wogegen keine konstanten Signale 17fir die vordere Syndesmose in diesem Belastungsfallregistriertwerden konnten. Die ermittelten Werte erklgren das Gleichgewicht der Kr~ifte in der Standphase. Neben pathomechanischen Erkenntnissen beziiglich der bei Spmnggelenkstraumen auftretenden Kr/ifteist auch ein therapeutischer Nutzen hinsichtlich tier postoperativen Nachbehandhmg operierter Bandmpturen und Spmnggelenksfrakturen zu ziehen. A study of tension-patterns of the tibiofibular syndesmosis The tension-patterns of the tibioflbular syndesmosis during stance and push-off phases of gait are still unknown. Therefore a strain-gaugestudy was done, using an anatomicallyprepared human leg with the syndesmosisremoved and the gauges fixedon the bone, avoiding bending influences. Syndesmotic tension forces measured under sequential axial loading up to 500 N in neutral ankle position were 6,5 N for anterior and 10N for posteriot ligamentsunder maximum load. With 10 ~ ankle dorsiflexion and no load applied about 5 N of tension were measured in each of the anterior and posterior ligaments. Application of axial load under same conditions resulted in a decrease to negligible tension in the anterior ligament and an increase of tension in the posterior ligament.In evaluating the load tests, which were done in 10 ~dorsiflexionand the so-calledneutral-zero-positionof the ankle, we found that our data correlated well with the elasticity and tearing resistance, measured by Sauer. Accordingto the pathomechanics of trauma exact measurements of these forces in the weightbearing ankle are of interest for postoperative treatment of ankle fractures. Einleitung Nach Sauer et al. ist die Syndesmose die st~irkste Bandver- bindung des oberen Sprunggelenks (OSG) und hat zudem die h6chste elastische Dehnbarkeit. Die straffen Ligg. tibio- fibularia anterius et posterius stellen den suffizienten Gabelschlul3 und damit die Kongruenz tier talokmralen Gelenkfl~ichen sicher [2, 7, 9, 12]. Die im Bereich der Incisura fibularis tibiae befindlichen kot- lagenen und elastischen Fasern bedingen die Nachgiebig- keit des Syndesmosenkomplexes als Anpassung an die vorne zunehmend breiter ausgebildete Tatusrolle bei tier Dorsalflexion [8, 10]. Das Spannungsmuster der vorderen Syndesmose /ihnelt nach Wirth et al, dem der fibularen B/inder im Sinne einer vermehrten Anspannung bei zunehmender Dorsal- und Plantart]exion, wobei die Anspannung bei Dorsatflexion tiberwiegt [14]. Besonders ausgepr~igt ist die ~hnlichkeit des Spannungsmusters zwischen Lig. calcaneofibulare und vor- deter Syndesmose bei Dorsalflexion. Beztiglich der bin- teren Syndesmose sollten die Maximalspannungen im Bereich der Neutral-0-Position des OSG liegen. Nach Weber sind die Syndesmosenb~inder in der ersten H/ilfte der Standphase (Fersenauftritt) erheblicher Zugkraft ausgesetzt [11]. Die in der ersten H~ilfte der Standphase an Au3enkn6chel und dorsaler Tibiakante andr/ingenden Druckkr~ifte sollten w~ihrend des normalen Gehens ein Fiinftel des gesamten Gelenkdmcks ausmachen (200 bis maximal 400 N). Die Gelenkkr~ifte beim Zehenstand sollen theoretisch - Bodenreaktionskraft und Muskelkraft der am Kalkaneus ansetzenden Muskeln - bis 6150 N, beim Fersen- stand in tier Auftrittsphase 2 100 N ergeben. Bis heute sindjedoch die beim normalen Gang auftretenden Belastungen der Syndesmose, die sich im wesentlichen aus Zugkrg.ften zusammensetzen, nicht ermittelt, Von biome- chanischem Interesse sind nicht nur die beim Trauma ein- wirkenden Kr~ifte; auch ein therapeutischer Nutzen w~ire beztiglich der postoperativen Nachbehandlung von Sprung- gelenksfrakturen und Bandrupturen zu ziehen. In einer Unfallchimrgie 13 (1987), 129-i34 (Nr. 3) 129