159 5 Veränderungen städtischer Ökosysteme 5. VERÄNDERUNGEN STÄDTISCHER ÖKOSYSTEME 5.1 Pflanzenreaktionen auf das Stadtklima Katharina Schmidt & Hans-Helmut Poppendieck I n diesem Teil des Buches werden unterschiedliche Aspekte des Ökosystems Stadt beleuchtet. Da Städte in den vergangenen Jahrzehnten weltweit mehr geworden und gewachsen sind und auch weiter wachsen werden, wird das Ökosystem Stadt immer bedeutender. In Städten fnden wir nicht nur andere Temperatur-, Wind-, Niederschlags- und Luftfeuchtigkeitswerte als im Umland, sondern oft auch erhöhte Spurengaskonzentrationen. Ihre Deposition kann empfndliche Arten behindern und andere, wie nitrophile (mehr Stickstofdünger benötigende) oder wärmeliebende fördern. Dies betrift nicht nur die Vegetati- onsformationen auf dem Land, sondern auch die Gewässer. Wie die Pfanzen auf das Stadtklima reagieren, wird in Kap. 5.1 behandelt. Kap. 5.2 geht auf fremde Arten in der Stadt ein. Am Beispiel des Stadt Frankfurt werden im Kap. 5.3 die Veränderungen von Flora und Fauna der letzten zwei Jahrhunderte be- schrieben. Veränderungen in städtischen Gewässern beschreibt Kap. 5.4. Mit der Zunahme der Bevölkerung und durch den Klimawandel wird das Wasser in Städten knapp (Kap. 5.5). Das Phänomen Landfucht und die Entstehung von Megastädten steht in Kap. 5.6 im Mittelpunkt. Die Umweltbedingungen für Pflanzen in Städten sind vor allem durch erhöhte Temperaturen (städtische Wär- meinsel), einem hohem Versiegelungsgrad, hohem Störungsgrad und hoher Dynamik geprägt. Das Stadtklima wirkt sich auf die Phänologie vieler Arten aus, die in Städten z.B. früher blühen als im Umland, außerdem werden wärmeliebende Arten häufig gefördert. Eine weitere Reaktion sind Arealverschiebungen, z.B. des Schilfrohrs und immergrüner Gehölze. Evolutionäre Prozesse können in urbanen Räumen beschleunigt wer- den. Urbane Floren können sich in Richtung erhöhter Anteile wärmeliebender Neophyten verschieben. Die spontane Stadtflora kann gut auf Veränderungen reagieren und sich anpassen, sie wird aber zurückgedrängt, daher muss gepflanzte Stadtvegetation wohl durchdacht sein. Einflüsse auf die Vegetation durch den Klima- wandel sind von denen der Urbanisierung oftmals schwer zu trennen. Plant reactions to the urban climate: Environmental conditions for plants in urban areas are characterised by higher temperatures (urban heat island), high degrees of soil sealing, disturbance as well as by a highly dynamic environment. Urban climate affects the phenology of several plant species and often favours ther- mophilic species. Furthermore, plant species‘ ranges can shift as a reaction to urban climate. In urban areas evolutionary processes can be accelerated and urban floras harbour more and more thermophilic non-native species. The spontanously occuring flora is able to adapt to changes, but it is threatened by human activities. Therefore, planted vegetation has to be thoroughly planned. Effects on vegetation by climate change and ur- banisation are often difficult to distinguish. Der Kompass-Lattich Lactuca serriola auf einem innerstädtischen Standort in Hamburg (eine wär- meliebende Pfanze) Foto: H. H. Poppendieck. Aus: (2019): Lozán J. L., S.-W. Breckle, H. Grassl, W. Kuttler & A. Matzarakis (Hrsg.): Warnsignal Klima: Die Städte. Online: www.warnsignal-klima.de. Zum Zitieren siehe die letzte Seite unten.