Krankheitsbeding-
te Störungen des
Schluckens
können vom älter
werdenden Men-
schen schlecht
kompensiert
werden.
Umgang mit Dysphagie
Wenn das Schlucken gestört ist
Schon normale physiologische Alterungsprozesse beeinflussen die verschiedenen Phasen
des Schluckens. Krankheitsbedingte Störungen verschärfen das Problem. Die wichtigste
Regel für den pflegerischen Umgang mit alten Menschen, die an Dysphagie leiden, ist ein
hohes Maß an Aufmerksamkeit.
E
ssen und Trinken dienen nicht nur der Zufuhr
von lebenswichtigen Nährstoffen und Flüssig-
keit. Sie haben auch eine immense soziale Rol-
le und sind von großer Bedeutung für die Lebens-
qualität der Menschen. Störungen der Aufnahme
von Nahrung und Getränken sind somit nicht nur
eine gesundheitliche Gefahr, sondern behindern die
Betroffenen in vielerlei Hinsicht an der Teilnahme
und Partizipation an Leben und Gesellschaſt. Als
Dysphagie (aus dem Griechischen von „dys“ = „feh-
lerhaſt, gestört“ und „phagein“ = „essen“) bezeich-
net man Störungen des Essens und Schluckens, die
jede Phase der Nahrungszufuhr betreffen können.
Häufigkeit und Ursachen
Die Dimensionen des Problems sind besonders im
Alter beträchtlich: Man geht davon aus, dass von
den selbstständig lebenden 70- bis 80-Jährigen etwa
15% an Schluckstörungen leiden, während es bei
den über 80-Jährigen schon 33% sind (Clavé et al.,
2012). Pflegeheimbewohner sind zu ca. 50% von die-
sem Problem betroffen (Lin, Wu, Chen, Wang, &
Chen, 2002), bei Patienten im Krankenhaus sind je
nach Einweisungsdiagnose ähnliche oder höhere
Zahlen anzunehmen.
Schon normale physiologische Alterungsprozes-
se beeinflussen die verschiedenen Phasen des Schlu-
ckens: schlechtes Sehen bis hin zur Blindheit lassen
Nahrung wenig attraktiv aussehen. Minderung
oder Verlust des Geruchssinnes schmälern Duſt
und Geschmack. Schmerzende Zähne oder schlecht
sitzende Prothesen führen zu teils erheblichen Stö-
rungen der oralen Phase. Zudem ist altersbedingt
die Speichelproduktion reduziert, was die orale Pha-
se weiter beeinträchtigen kann. Dazu kommen eine
verminderte Elastizität des Bindegewebes und
schwächer werdende Muskeln. Diese mehr oder we-
niger typischen Alterserscheinungen des Schlu-
ckens tragen den Fachbegriff „Presbyphagie“ (von
griechisch „presbys“ = „alt“) – ein Begriff, der nicht
unumstritten ist, da er nahelegt, dass eine Störung
des Schluckens etwas Altersnormales sein könnte.
Zahlenmäßig häufiger sind krankheitsbedingte
Störungen des Schluckens, die vom älter werdenden
Menschen schlechter kompensiert werden können,
insbesondere die sogenannten neurogenen Dyspha-
gien durch Erkrankungen des zentralen oder peri-
pheren Nervensystems. In erster Linie sind hier
Schlaganfälle zu nennen, gefolgt von der Alzheim-
erdemenz und anderen Demenzen, der Parkinson-
erkrankung und anderen degenerativen Bewe-
gungsstörungen. Daneben können rheumatologi-
sche Erkrankungen mit Befall der Schleimhäute
zum Auſtreten dysphagischer Symptome beitragen.
Als wesentliche Ursache müssen auch Medikamen-
tenwirkungen und -nebenwirkungen gelten: Anti-
cholinerg wirkende Substanzen (erapie der
Harninkontinenz!) können zu Mundtrockenheit
und Störungen der Kognition führen. Medikamen-
te zur Behandlung von hyperkinetischen Bewe-
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Dysphagie
Symptome
Aspiration
Medikation
PflegeKolleg Fokus Geriatrie
10 Heilberufe / Das Pflegemagazin 2017; 69 (4)