Link TM et al. Stationärer Therapieerfolg bei Patientinnen … Psychother Psych Med
Originalarbeit
Stationärer Therapieerfolg bei Patientinnen mit Anorexia Nervosa
und komorbiden Persönlichkeitsstörungen
Prävalenz, Therapieabbruch und Gewichtszunahme
Treatment Outcome in Female In-Patients with Anorexia nervosa
and Comorbid Personality Disorders Prevalence
Therapy Drop out and Weight Gain
Autoren
Timo Maximilian Link
1
, Ursula Beermann
1
, Robert Mestel
2
, Manuela Gander
3,1
Institute
1 Institut für Psychologie, Universität Innsbruck, Österreich
2 HELIOS Klinik in Bad Grönenbach, Berlin
3 Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinis-
che Universität Innsbruck, Österreich
Schlüsselwörter
Essstörungen, Anorexia Nervosa, Persönlichkeitsstörungen,
Komorbiditäten, Therapieabbruch
Key words
eating disorders, anorexia nervosa, personality disorders,
therapeutic dropout, comorbidity
eingereicht 26.08.2016
akzeptiert 24.01.2017
Bibliografe
DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0043-103271
Online-Publikation: 2017
Psychother Psych Med
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 0937-2032
Korrespondenzadresse
Manuela Gander, PhD
Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
manuela.gander@i-med.ac.at
ZUsaMMenfassUnG
Einleitung Persönlichkeitsstörungen (PS) stellen häufge ko-
morbide Erkrankungen bei Patientinnen mit Anorexia Nervosa
(AN) dar. Die neusten internationalen Forschungsergebnisse
deuten darauf hin, dass diese mit einem schlechteren
Genesungs- und Therapieverlauf gerade bei AN in Zusammen-
hang stehen. Bisherige Studien zu diesem Thema diferenzi -
erten bislang jedoch nicht zwischen Personen unterschiedlich-
er Altersgruppen.
Fragestellungen Aus diesem Grund widmet sich die vorlieg-
ende Untersuchung (1) der Prävalenz von komorbiden PS, (2)
der Therapieabbruchsrate sowie (3) der Gewichtszunahme
während des Therapieverlaufs bei weiblichen stationären Pa-
tientinnen mit AN für 3 gesonderte Alterskategorien (17–24;
25–34; 35–65 Jahre).
Material & Methoden Die Stichprobe umfasste 331 sta-
tionäre Patientinnen mit AN an der Helios Klinik in Bad Grönen-
bach in Deutschland. Zu Beginn und am Ende der Therapie
wurde das Gewicht gemessen sowie eine Testbatterie beste-
hend aus der psychotherapeutisch-medizinischen Basisdoku-
mentation und dem Eating Disorders Inventory-2 bearbeitet.
Die Diagnosen von Persönlichkeitsstörungen wurden durch
geschulte Therapeuten, unter den Richtlinien der kategorisi-
erten Störungsbilder der ICD-10, erhoben.
Ergebnisse Patientinnen mit AN wiesen insgesamt eine Präva-
lenz von 34 % für eine oder mehrere komorbide PS auf. Interes-
sant war, dass Patientinnen zwischen 17 und 24 Jahren mit 22 %
eine deutlich geringere Rate an PS zeigten als jene zwischen
25–34 Jahren (42 %) sowie jene mit 35–65 Jahren (41 %). Des
Weiteren konnten wir zeigen, dass Patientinnen eher eine Ther-
apie abbrachen, wenn sie jünger waren und eine komorbide PS
aufwiesen. Während der Therapie nahmen die jüngsten AN
Patientinnen ohne PS am meisten zu und mit zunehmendem
Alter sank diese Diferenz graduell ab. Dieses Muster konnte
bei Patientinnen mit einer komorbiden PS nicht mehr beo-
bachtet werden, da bei diesen die höchste Gewichtszunahme
zwischen 25 und 34 Jahren zu verzeichnen war.
Schlussfolgerungen Unsere Ergebnisse unterstützen die Hy-
pothese, dass komorbide PS möglicherweise auch einen
schlechten Prognosefaktor darstellen können. Zukünftige Stu-
dien, welche sich der dimensionalen Einstufung von Persönli-
chkeitspathologien bedienen und weitere Faktoren wie bspw.
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