Nervenheilkunde 12/2018 © Georg Thieme Verlag KG 2018
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Imagery Rescripting in der Behand-
lung von Angststörungen
A. Maier, C. Schaitz, J. Kröner, B. Connemann, Z. Sosic-Vasic
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie III, Universitätsklinikum Ulm
Schlüsselwörter
Imagery Rescripting, Imagination, Angststö-
rungen
Zusammenfassung
Mentale Bilder, sogenannte Imaginationen,
sind durch ähnliche Merkmale und Effekte
auf menschliche Reaktionen gekennzeichnet,
wie über das sensorische System wahrge-
nommene, reale Stimuli. Besonders bei
Angststörungen spielen die inneren Bilder ei-
ne Rolle bei der Aufrechterhaltung der Er-
krankung. Daher werden sie in jüngster Zeit
vermehrt als Behandlungselement in die ko-
gnitive Verhaltenstherapie integriert. Dabei
hat sich die Technik des Imagery Rescriptings,
bei der aversive Bilder imaginativ verändert
werden, bewährt. Durch diese positive Modi-
fikation der Imaginationen können Sympto-
me der sozialen und spezifischen Phobie so-
wie der posttraumatischen Belastungsstö-
rung reduziert werden. Weniger erforschte,
aber dennoch aussichtsreiche Felder zum Ein-
satz des Imagery Rescriptings sind die Panik-
störung/Agoraphobie sowie die generalisier-
te Angststörung. Eine erste vielversprechen-
de These zur Wirkweise ist die Beeinflussung
des Angstgedächtnisses durch Imagery Res-
cripting.
Keywords
Imagery Rescripting, imagery, anxiety disor-
der, anxiety
Summary
Mental images, so-called imaginations, are
characterized by similar features and effects
on human responses, such as real stimuli per-
ceived by the sensory system. Especially in
anxiety disorders, the inner images play a
role in the maintenance of the disease. There-
fore, they are increasingly being integrated
as a treatment element in cognitive behavior
therapy. The technique of Imagery Rescrip-
ting, in which aversive images imaginatively
changed, has proven itself. This positive
modification of the imagination can reduce
symptoms of social and specific phobia as
well as posttraumatic stress disorder. Less ex-
plored but nevertheless promising fields for
the use of Imagery Rescripting are panic dis-
order/agoraphobia and generalized anxiety
disorder. A first promising thesis on the mode
of action is the influence on memory of
anxiety by Imagery Rescripting.
Korrespondenzadresse
M.Sc.-Psych. Anna Maier
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III
Universitätsklinikum Ulm
Leimgrubenweg 12 –14, 89075 Ulm
Tel. 0731/500–62085, Fax 0731/50061402
anna.maier2@uniklinik-ulm.de
Imagery rescripting in the treatment of anxiety
disorders
Nervenheilkunde 2018; 37: 880–884
eingegangen am: 30. September 2018
angenommen am: 15. Oktober 2018
Angststörungen sind weit verbreitet. Allein
in Deutschland leben etwa 9,8 Millionen
Betroffene, welche unter den Symptomen
leiden. Mit einer geschätzten Gesamtpräva-
lenz von 15,3% der 18- bis 79-jährigen
Menschen bilden Angststörungen noch vor
den affektiven Erkrankungen die am häu-
figsten vertretene Störungsgruppe in
Deutschland (1). Zu den „klassischen
Angststörungen“ werden spezifische Pho-
bien, die soziale Phobie, Panikstörung,
Agoraphobie und die generalisierte Angst-
störung (GAS) gezählt. Weiter gefasst kön-
nen auch andere angstassoziierte Störungs-
bilder wie die posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS) und die Zwangsstö-
rung zum Überbegriff hinzugezogen wer-
den (2).
Auch wenn sich die unterschiedlichen
Angststörungen durch oft mehrere Diag-
nosekriterien und ihrem Inhalt unterschei-
den, haben sie eines gemeinsam: automati-
sche, negative Gedanken (3). Seit Beginn
der kognitiven Wende der Verhaltensthera-
pie, in den 1970er-Jahren, rückten kogniti-
ve Techniken in den Vordergrund der Be-
handlung (4). So stellt die Untersuchung
dieser dysfunktionalen Gedanken heute
noch einen wichtigen Bestandteil der ko-
gnitiven Verhaltenstherapie (KVT) dar.
Doch die Gedanken treten nicht aus-
schließlich als verbale Kognitionen, son-
dern auch im Sinne von mentalen Bildern
auf, welche als Imaginationen bezeichnet
werden (5). Eine weitere bedeutende Ent-
wicklung erfährt die KVT seit den frühen
1990er-Jahren. Im Rahmen dieser „dritten
Welle“ der KVT findet, neben emotions-
und achtsamkeitsbasierten Techniken, die
Arbeit mit Imaginationen verstärkten Ein-
satz. Ein wirkungsvolles Verfahren ist hier
das Imagery Rescripting (6).
Imaginationen bei Angst-
störungen
Wie beschrieben, sind automatische, nega-
tive Gedanken ein wesentliches Überein-
stimmungsmerkmal verschiedener Angst-
störungen (3). Treten diese in Form von
Imaginationen auf, erhält der Betroffene
Wahrnehmungsinformationen, die aus der
Erinnerung entstehen und nicht durch die
direkte Erfassung der Information durch
die Sinne. Dabei können mentale Bilder in
allen Sinnesmodalitäten vorkommen (7).
Bei Angststörungen beziehen sich die Ima-
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