Einleitung Die Behandlung von Schleudertraumapatienten stellt für jeden Therapeuten eine besondere Herausforderung dar. Die Wechsel- wirkung kraniozervikaler und kraniomandibulärer Dysfunktionen ist hinreichend bekannt und in der Literatur umfangreich erklärt [20, 38 – 41]. Leider wird sie im täglichen Umgang mit den Patien- ten zu wenig beachtet –, insbesondere wenn eine laterale kranio- mandibuläre Dysfunktion besteht und noch keine Beschwerden in der kraniomandibulären und zervikalen Region auftreten. Im Fol- genden wird dies an einem Fallbeispiel illustriert. Anamnese Der 34-jährige Herr J. M., von Beruf Physiotherapeut, hatte im April 2000 ein Schleudertrauma (Whiplash-associated disorders, WAD) erlitten. Im Anschluss entwickelten sich Dauerschmerzen im tiefen unteren Nackenbereich rechts mit Bewegungsein- schränkungen des Kopfes nach rechts, Kopfschmerzen, Ohren- schmerzen rechts, Schulterschmerzen rechts sowie Schmerzen im linken Nackenbereich. Durch das Schmerzgeschehen waren seine Lebensqualität sowie berufliche Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt; und auch um- fangreiche physio- und manualtherapeutische Behandlungen insbesondere am kraniozervikalen Übergang brachten keinen andauernden Erfolg. Im Jahr 2002 traten zusätzlich Schmerzen in der kraniomandibu- lären Region, muskuläre Verspannungen in der Kaumuskulatur, Schmerzen am gesunden 1. Backenzahn des rechten Oberkiefers und eine stark eingeschränkte Mundöffnung auf, die seine orofa- zialen Funktionen wie Sprechen, Essen und Kauen sehr ein- schränkten. Außerdem hatte die Temperaturempfindlichkeit der Zähne zugenommen. Multidisziplinäre Zusammenarbeit bei einem Patienten mit Schleudertrauma Teil 2: Beispielhafte Behandlung des N. accessorius H. J. M. von Piekartz B. Losert-Bruggner Multidisciplinary Cooperation in the Case of a Patient with Whiplash-associated Disorders Korrespondenzadresse Harry J. M. von Piekartz, PhD, MSc, PT, MT · Stobbenkamp 10 · NL-7631 CP Ootmarsum · E-mail: harryvonpiekartz@home.nl Bibliografie Manuelle Therapie 2006; 10: 13–21  Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York DOI 10.1055/s-2006-926533 ISSN 1433-2671 Zusammenfassung Obwohl die Zusammenhänge zwischen kraniozervikaler und kraniomandibulärer Dysfunktionen hinreichend bekannt sind, werden sie bei der Diagnostik und Therapie von Schleudertrau- mapatienten zu wenig berücksichtigt. Wegen der Komplexität des Problems und der multifaktoriellen und strukturellen Ein- flüsse ist beim Umgang mit den Betroffenen eine multlidiszipli- näre Zusammenarbeit essenziell. Schlüsselwörter Schleudertrauma · kraniozervikale/karniomandibuläre Dysfunk- tionen · multidisziplinäre Zusammenarbeit Abstract Although the interaction between craniocervical and cranioman- dibular dysfunctions are well-known, they are not sufficiently ta- ken into consideration in diagnosis and treatment of patients with whiplash-associated syndrome. Because of the problem’s com- plexity and the multifactorial and structural influences, a multi- disciplinary cooperation is essential in the management of those patients. Key words Whiplash-associated disorders · craniocervical/craniomandibu- lar dysfunctions · multidisciplinary cooperation aus der Praxis – für die Praxis 13 Heruntergeladen von: Collections and Technical Services Department. Urheberrechtlich geschützt.