Kultständer aus Taanach WOLFGANG ZWICKEL Zu den wichtigsten, am meisten diskutierten und am häufigsten abgebildeten Funden aus Taanach gehören zweifellos die beiden Kultständer, die dort gefunden wurden. 1 Schon Sellin entdeckte bei sei- nen Grabungen einen Ständer, der hier – einem weit verbreiteten Brauch entsprechend – als Sellin-Stän- der bezeichnet werden soll und der sich heute im Archäologischen Museum in Istanbul befindet. 2 Of- fenbar fand Sellin noch Reste eines weiteren Altars, von dem er nur ein Bild der Fragmente und einige kurze Anmerkungen veröffentlichte. 3 Der häufig als Lapp-Ständer bezeichnete Kultständer wurde von Lapp bei seinen Grabungen im Jahre 1968 gefunden. 4 Zweifelsohne stellen die beiden Ständer hinsicht- lich ihrer Eigenart als Kultgeräte, aber auch hinsichtlich ihrer Ikonographie herausragende Funde dar. 5 1. Der Sellin-Ständer (Abb. 1) Höhe: 0,90 m, Breite: 0,45 m, Tiefe: 0,45 m Sellin entdeckte den Ständer im Jahre 1902 in seinem sog. „Südschacht“. Leider gibt es im Gra- bungsbericht zu diesem Gebiet keine brauchbare Bauzeichnung. Auch sind zahlreiche Funde aus die- sem Areal nur erwähnt, aber nicht zeichnerisch oder photographisch wiedergegeben. Sellin ging davon 1 Etwas überraschend ist allerdings, dass sie in einige Standardwerke zur Archäologie keinen Eingang gefunden haben. So sucht man sie z.B. vergebens in Pritchards Ancient Near East in Pictures oder in Orthmanns Propyläen Kunstgeschichte. 2 E. Sellin, Tell Ta‘anek. Bericht über eine mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht unternommene Ausgrabung in Palästina. Nebst einem Anhange von Dr. Friedrich Hrozny: ‘Die Keilschrifttexte von Ta‘annek’ (DAWW.PH L/4; Wien 1904), S. 75–80.109–111; H. Gressmann, Altorien- talische Bilder zum Alten Testament, Berlin/Leipzig 2 1927, Abb. 396f.; M. Lods, Autel ou rechaud? A propos due „brule- parfums“ de Taanak, RHR 109 (1934), 129–148. 3 Vgl. Sellin, Ta’anek, 81f.110f. 4 P.W. Lapp, The 1968 Excavations at Tell Ta’annek, BASOR 195 (1969), (2–49) 42–44. 5 Vgl. zur Diskussion zu den beiden Ständern, auf die hier aber nicht ausführlich eingegangen werden kann, auch wenn dieser Beitrag manche Ideen diesen Veröffentlichungen verdankt: R. Hestrin, The Cult Stand from Ta‘anach and its Reli- gious Background, Studia Phoenicia V (1985), 61–77; J. Bretschneider, Architekturmodelle in Vorderasien und der östli- chen Ägäis vom Neolithikum bis in das 1. Jahrtausend. Phänomene in der Kleinkunst an Beispielen aus Mesopotamien, dem Iran, Anatolien, Syrien, der Levante und dem ägäischen Raum unter besonderer Berücksichtigung der bau- und reli- gionsgeschichtlichen Aspekte, AOAT 229, Kevelaer/Neukirchen-Vluyn 1991, 215 Nr. 53; P. Beck, The Cult-Stands from Taanach: Aspects of the Iconographic Tradition of Early Iron Age Cult Objects in Palestine, in: I. Finkelstein/N. Na’aman (Eds.), From Nomadism to Monarchy. Archaeological and Historical Aspects of Early Israel, Jerusa- lem/Washington 1994, 352–381; Chr. Frevel, Aschera und der Ausschließlichkeitsanspruch YHWHs. Beiträge zu literari- schen, religionsgeschichtlichen und ikonographischen Aspekten der Ascheradiskussion. Band 2 (BBB 94/2; Weinheim 1995), 818–848; O. Keel/Chr. Uehlinger, Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsge- schichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen (QD 134; Freiburg 1992), 174– 181; H. Weippert, Die Kesselwagen Salomos, ZDPV 108 (1992), 8–41; B. Muller, Les «Maquettes architecturales» du Proche-Orient Ancien. Mésopotamie, Syrie, Palestine du IIIe au milieu du Ier millénaire av. J.-C., BAH 160; Beirut 2002, S. 57f. Nr. 157.