Anna Amelina und Jana Schäfer Birgit Blättel-Mink, Torsten Noack, Corinna Onnen, Katrin Späte und Rita Stein-Redent (Hrsg.): Flüchtigkeiten. Sozialwissenschaftliche Debatten Wiesbaden: Springer VS 2019, 220 S., 49,99 € (Paperback). [ISBN 978–3–658–27215–9]; 39,99 € (E-Book). [ISBN 978–3–658–27216–6]. Der Titel des Sammelbands Flüchtigkeiten verweist sowohl auf die öffentliche Debatte um Fluchtmigration seit 2015, als auch auf die ›flüchtige‹ Moderne (Bau‐ man 2000), innerhalb derer tradierte Handlungsgrundlagen infrage gestellt wer‐ den. Unter diesem zeitdiagnostischen Titel bietet der Sammelband zehn Beiträge zum Thema Flucht und Integration im deutschsprachigen Raum. Zwei Besonder‐ heiten machen den Band interessant: stärker auf zivilgesellschaftliche und ökono‐ mische Prozesse rekurrierend als andere Buchpublikationen (Bröse et al. 2018), kontrastiert er die diskursive ›Willkommenskultur‹ mit einer politischen und öko‐ nomischen Trägheit der Aufnahmekontexte. Zum anderen veranschaulicht er aktuelle politische Interventionen und Lebenschancen der Geflüchteten. Entspre‐ chend zeigen die empirischen Praxisbeispiele, wie sehr die Lebenschancen von Geflüchteten auf individuellen Handlungsfähigkeiten aufruhen. Die lesenswerte Einleitung von Corinna Onnen et al. kontextualisiert die ein‐ zelnen Kapitel mithilfe modernisierungstheoretischer Konzepte wie ›Komplexi‐ tät‹ und ›Reflexivität‹. Olaf Struck skizziert anschließend die für die erfolgreiche Integration der Geflüchteten erforderlichen bildungs-, arbeitsmarkt- und aufnah‐ mepolitischen Maßnahmen. Er prognostiziert, dass Geflüchtete vor allem in nied‐ rigqualifizierte Arbeitsmarktsegmente eingegliedert werden würden, da eine Insti‐ tutionalisierung von Qualifizierungsmaßnahmen von Politik und Wirtschaft ver‐ säumt worden sei. Positive Hinweise liefert hingegen Kathrin Weis, die bei ihrer Auswertung des Betriebspanels des BiBB zu Qualifizierung und Kompetenzent‐ wicklung zeigt, dass Betriebe unbesetzte duale Ausbildungsstellen Geflüchteten anbieten. Theresa Köhler und Kerstin Ettl stellen anhand dreier Fallstudien in kleinen und mittleren Unternehmen dar, dass erfolgreiche Teilhabe nur durch individuelles Engagement (Geflüchtete, Geschäftsführung und Belegschaft) sowie verlässliche institutionelle Rahmenbedingungen funktioniert. Katharina Resch et 152 Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung 4. Jg. (2020), Heft 1, S. 152 – 154, DOI: 10.5771/2509-9485-2020-1-152 https://doi.org/10.5771/2509-9485-2020-1-152 Generiert durch IP '207.241.231.83', am 11.12.2020, 19:27:01. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.