Originalien Orthopäde https://doi.org/10.1007/s00132-018-3546-3 © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018 W. Pepke 1 · M. Brunner 1 · R. Abel 1 · H. Almansour 1 · H. J. Gerner 3 · A. Hug 3 · F. Zeifang 1 · Y. Kentar 1 · T. Bruckner 2 · M. Akbar 1 1 Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland 2 Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland 3 Klinik für Paraplegiologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland Risikofaktoren für Rotatorenmanschettenrupturen bei Paraplegikern Eine Querschnittstudie Hintergrund und Fragestellung Nach Schätzungen der WHO beträgt die weltweite Inzidenz von Querschnitt- lähmungen circa 250.000–500.000 Men- schen pro Jahr [5, 37]. In Deutsch- land erleiden ca. 25 Menschen pro 1 Mio. Einwohner eine traumatische oder nichttraumatische Querschnittläh- mung (Stand 2013; [43]). Zum Erhalt ihrer Mobilität sind paraplegische Pati- enten auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen, die über Jahre hinweg zu Schulterschmerzen führt [1, 4, 68, 11, 14, 15, 20, 23, 3336, 39, 41, 44]. Paraplegiker leiden häufig unter Schul- terschmerzen während der Ausführung von schulterbelastenden Tätigkeiten wie Rollstuhltransfer und -antrieb sowie druckentlastenden Manövern zur De- kubitusprophylaxe („Raise-Manöver“; [15, 21, 35, 41]). Die kinetischen Un- tersuchungen des Schultergelenks von Rollstuhlfahrern haben gezeigt, dass beim Antreiben des Rollstuhls erhöhte vertikale Kräfe auf das Schultergelenk wirken, welche möglicherweise eine Kranialisierung des Humeruskopfes und die Kompression der subakromialen Strukturen zur Folge haben [29]. Einige wenige Studien zeigten be- reits den Zusammenhang zwischen der Entstehung der Rotatorenmanschet- tenruptur (RMR) und der Dauer der Rollstuhlabhängigkeit [7, 16]. In der Literatur besteht Konsens, dass repe- titive Bewegung und/oder übermäßige Belastung der Schulter (Gewicht tragen- de Schulter) für die Schulterprobleme bei Patienten mit Querschnittlähmung verantwortlich sind [7, 23, 29, 30, 35]. Durch die mangelnde Erfassung be- gleitender Faktoren und Analyse der Kausalitäten, sowie eine fehlende bild- gebende Diagnostik sind die bisherigen Daten lückenhaf. Dies hat negativen Einfluss auf die Weiterentwicklung zu- verlässiger therapeutischer Strategien [23]. Verletzungen der oberen Extremi- tät haben für Paraplegiker verheerende Folgen mit Verlust der Mobilität und Selbstständigkeit. Ziel dieser Studie war die Analyse von spezifischen Risikofaktoren, die mit der Entstehung der RMR bei Paraplegikern assoziiert sind. Studiendesign und Unter- suchungsmethoden Nach positivem Votum für das For- schungsvorhaben durch die Ethikkom- mission des Universitätsklinikums Hei- delberg wurde die Datenbankanalyse mit der Suche nach Paraplegikern durchge- führt. Es konnten folgende Daten der Probanden aus den Krankenakten evalu- iert werden: 1) demographische Daten, 2) Lähmungsniveau und 3) Lähmungs- dauer. Diese Probanden wurden posta- lisch bezüglich der Studienteilnahme- bereitschaf befragt. Geplant war, jeden Paraplegiker an den Schultergelenken klinisch und magnetresonanztomogra- phisch (MRT) zu untersuchen. Jedem Probanden wurden für die Teilnahme 100€ als Entschädigung für die An- reise angeboten. Vor dem Einschluss in die Studie musste eine schrifliche Patienteneinwilligung vorliegen. Probanden wurden in die Studie ein- geschlossen, wenn 1. eine Paraplegie ab T2, 2. die Rollstuhlabhängigkeit seit min- destens 5 Jahren und 3. ein Mindestalter von 18 Jahren bestand. Ein Ausschluss aus der Studie erfolgte bei 1. angeborenen Missbildungen der Wirbelsäule, 2. neurologischen Defiziten der oberen Extremitäten (Verletzungen des Plexus brachialis, NPP der HWS), 3. knöchernen oder weichteiligen Verletzungen der Schulter in der Vor- Abkürzungen BMI Body-Mass-Index DASH „Disabilities of the arm, shoulder and hand“ HWS Halswirbelsäule NPP Nucleus-pulposus-Prolaps RMR Rotatorenmanschettenruptur SCIM Spinal Cord Independence Measure WUSPI Wheelchair User’s Shoulder Pain Index Der Orthopäde