18 IDS SPRACHREPORT 4/2019 Im Rahmen des Projekts „Deutsch im Beruf: Die sprachlich-kommunikative Integration von Flüchtlin- gen“ führte das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Kooperation mit dem Goethe-Institut in den Jahren 2016 und 2017 eine zweistufige Sprachstandser- hebung (hier in Folge IDS-Goethe-Studie) in allgemei- nen Integrationskursen durch. Im vergangenen Jahr präsentierten wir mit der Publikation „Wer besucht den Integrationskurs? Soziale und sprachliche Hinter- gründe von Geflüchteten und anderen Zugewander- ten“ (Hünlich et al. 2018) die Ergebnisse der ersten Er- hebung zu Beginn der Kurse. Nun ist aktuell die zweite Broschüre „Perspektive Beruf – Mündliche Kompetenz von Teilnehmenden an Integrationskursen und Vor- schläge für die Praxis“ (Cindark et al. 2019) erschienen, die die Ergebnisse der zweiten Erhebung am Ende der gleichen Kurse präsentiert und in der das erreichte mündliche Kompetenzniveau der Teilnehmenden un- ter die Lupe genommen wird. Im vorliegenden Artikel fassen wir die wichtigsten Ergebnisse der IDS-Goethe- Studie zusammen. Der Integrationskurs Die Einführung des Integrationskurses 2005 im Rah- men des Zuwanderungsgesetzes stellte einen migrati- onspolitischen Paradigmenwechsel dar. Denn erst seit diesem Zeitpunkt werden in Deutschland den Migrant- Innen staatlich geförderte Sprachkurse angeboten. Die Ziele der Kurse werden in § 3 der Integrationskursver- ordnung folgendermaßen beschrieben: (1) Der Kurs dient der erfolgreichen Vermittlung 1. von ausreichenden Kenntnissen der deutschen Sprache nach § 43 Abs. 3 des Aufenthaltsgesetzes und § 9 Abs. 1 Satz 1 des Bundesvertriebenengesetzes und 2. von Alltagswissen sowie von Kenntnissen der Rechts- ordnung, der Kultur und der Geschichte Deutschlands, insbesondere auch der Werte des demokratischen Staatswesens der Bundesrepublik Deutschland und der Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Toleranz und Religionsfreiheit. (2) Über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache nach Absatz 1 Nr. 1 verfügt, wer sich im täglichen Leben in seiner Umgebung selbständig sprachlich zurechtfin- den und entsprechend seinem Alter und Bildungsstand ein Gespräch führen und sich schriftlich ausdrücken kann (Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Refe- renzrahmens für Sprachen). (Integrationskursverord- nung, § 3) Im 2016 aktualisierten „Rahmencurriculum für Integra- tionskurse“ (in Folge kurz RC, Hammann / Kaufmann 2016) werden die von den Teilnehmenden erwarteten Kompetenzen am Ende der Kurse in vielen verschiede- nen sprachlichen Handlungsfeldern konkretisiert. Aus- gehend von unserer Projektfokussierung auf „Deutsch im Beruf“ ist für uns insbesondere das Handlungsfeld „Arbeit“ bzw. „Arbeitssuche“ von großem Interesse. Hierzu werden in der Teilrubrik „An einem Vorstel- lungsgespräch teilnehmen“ acht Lernziele für das Sprachniveau A2 und folgende Kompetenzen auf B1- Niveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Refe- renzrahmen für Sprachen (GER) formuliert: Kann im Vorstellungsgespräch auf die Fragen der Ge- sprächspartner eingehen, z. B. zu seiner / ihrer Ausbildung und seinen / ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen. Kann im Vorstellungsgespräch über grundlegende berufli- che Erfahrungen und Qualifikationen berichten und da- bei auch auf Rollen und Funktionen eingehen. Weiß, wie wichtig es ist, die eigenen Kompetenzen in ei- nem Bewerbungsgespräch darzustellen. (RC 2016: 100) Die zweistufige IDS-Goethe-Sprachstandserhebung Die IDS-Goethe-Studie verfolgte zwei Hauptziele: In der ersten Erhebungswelle wurden in Modul 1 und 2 der Integrationskurse die Sprachbiografien der Kurs- teilnehmenden erheblich genauer erfasst, als dies in früheren Studien geschah. In der zweiten Erhebungs- welle wurden Sprachaufnahmen von Kursteilnehmen- den am Ende der Kurse (Modul 6) erhoben und in Be- zug auf das erreichte Sprachniveau eingestuft. Bis- herige Untersuchungen zum Sprachniveau der Teil- nehmenden am Integrationskurs beruhen auf Selbst- einschätzungen der Teilnehmenden oder betrachten Ibrahim Cindark ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Zentralen Forschung am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim. David Hünlich ist Gast- wissenschaftler am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim. Ibrahim Cindark / David Hünlich INTEGRATIONSKURSE AUF DEM PRÜFSTAND STUDIE ZU MÜNDLICHEN KOMPETENZEN DER TEILNEHMENDEN AN INTEGRATIONSKURSEN Erschienen in: Sprachreport Jg. 35 (2019), Nr. 4, S. 18-25 Publikationsserver des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:mh39-93513