dungen im deutschen und österreichischen Fernsehen (mit dem Fazit, dass der ORF „in der Gesamtheit seiner zu verbreitenden Program- me der umfassenden Information der Allge- meinheit über europäische Fragen nicht in je- nem Umfang nachkommt, wie dies die öffent- lich-rechtlichen Programme ARD und ZDF in Deutschland jeweils zu leisten vermögen“, S. 71). Heterogen geht es im Band weiter, von der Bedeutung des Eurovision Song Contest als ei- ner „Form der Europäisierung der Öffentlich- keit“ mit dem Ziel, „das interkulturelle Wissen und Verständnis der Europäer untereinander zu fördern“ (S. 131), – was laut Autorin Natasa Simeunovic auch weitestgehend geschieht – bis zur Analyse von EU-Korrespondenten in Brüssel, ihren Arbeitsbedingungen, beruflicher Autonomie und Formen journalistischer Selbstkontrolle. In ihren Ergebnissen spricht Anke Offerhaus dabei für das journalistische Brüssel von einer sozialen Vergemeinschaftung sowie enger nationaler und transnationaler Zu- sammenarbeit (S. 156). Der Band, erschienen in Pöttkers Reihe „Journalismus International“, eignet sich gut, detailreich in die Thematik zu einzelnen Län- dern einzusteigen, zum Beispiel beschreibt Mikhail Fedotov die Grand Jury of the Russian Union of Journalists und das Public Collegium for Press Complaints in Russland (S. 203ff.), Huub Evers widmet sich der Kultur der nie- derländischen Ombudsmänner (S. 217ff.) und Philipp Schmallegger zieht einen Vergleich der Berichterstattung über die Beitrittsgespräche zwischen EU und Türkei in jeweils drei natio- nalen österreichischen und türkischen Zeitun- gen (S. 238ff.) – wahrscheinlich wegen des Ta- gungsortes findet sich generell viel Österreich im Buch. Der Band wirft auch viele Fragen auf, zum Beispiel stellt Christian Schwarzenegger (S. 365ff.) sehr schön dar, dass oft gar nicht rich- tig geklärt ist, ob man über journalistische (Selbst)regulierung beziehungsweise Verant- wortung für oder innerhalb einer europäischen Öffentlichkeit diskutiert. Das sollte zuerst ein- mal differenziert werden. Kaarle Nordenstreng fragt sich, ob Medienselbstregulierung nicht als „vierte Form der Medienregulierung neben Ge- setz, Markt und Öffentlichkeit durch Bürger- schaft“ konzipiert werden könnte (S. 417ff.). Und wie sieht es eigentlich abseits der „klassi- schen“ Medien im Online-Journalismus aus? Katrin Enders (S. 396ff.) beschreibt dazu Selbstregulierungsmechanismen auf verschie- denen Ebenen wie Individuum, Unternehmen, Politik etc. In grenznahen Gebieten und durch TV-Overspill kommt es dazu, dass das Publi- kum Medien aus mehreren Ländern ausgesetzt ist. So stellt sich im italienischsprachigen Teil der Schweiz die Frage: Wenn in Italien Opfer von Unfällen beim Namen genannt werden oder nach einem Suizid über die Person ohne Unkenntlichmachung mittels Balken, Verpixe- lung o. ä. berichtet wird, warum sollten dann für die Medien im Schweizer Tessin andere Re- gelungen gelten? Dieser und ähnlichen Problematiken widme- te sich die Podiumsdiskussion mit Praktikern, darunter Vertreter von Presseräten, die zwar ziemlich lang ist, sich aufgrund der vielen Pra- xisbeispiele und unterschiedlichen kulturellen Stimmen jedoch ganz interessant liest. Dagegen fallen aus dem roten Faden des Buches etwas heraus der Beitrag (oder lediglich Abstract) von Radomir Cholakov über journalistische Selbst- kontrolle in Bulgarien (S. 233ff.) sowie der Bei- trag von Henrik Kaufholz (S. 346ff.), der seine eigenen subjektiven Erfahrungen als Ombuds- mann bei der dänischen Tageszeitung Politi- ken darlegt. Die Beiträge sind nicht wissen- schaftlicher Natur, sondern kurze Essays, trotzdem ganz informativ zu lesen. Eigentlich beantworten die Herausgeber Pöttker und Schwarzenegger ihre wichtige und immer noch hochaktuelle Eingangsfrage (pub- lizistische Selbstregulierung auf europäischer Ebene einführen oder nicht?, S. 11) gleich im Vorwort mit guten Argumenten. Der beste Ort für den Sitz eines solchen Gremiums? Brüssel, nein danke. Wien natürlich (S. 13)! Liane Rothenberger Daniel Süss / Claudia Lampert / Christine W. Wijnen Medienpädagogik Ein Studienbuch zur Einführung Wiesbaden: VS, 2010. – 239 S. ISBN 978-3-531-13894-7 Daniel Süss, Claudia Lampert und Christine W. Wijnen haben ein Lehrbuch verfasst, das Stu- dierenden einen Einstieg in die Medienpädago- gik vermitteln, Neugier wecken und zur vertie- fenden Auseinandersetzung anregen möchte. In jedem Kapitel werden über spezifische Sym- bole wesentliche Begriffe aus der Medienpäd- agogik erläutert, Fallbeispiele angezeigt, wich- tige Punkte zusammengefasst, Fragen zur Dis- kussion eingefügt und auf ausgewählte zentrale Werke verwiesen. Erfrischend an dem Buch ist der Blick über den nationalen Tellerrand, so werden Entwicklungslinien und Ansätze aus M&K 59. Jahrgang 3/2011 444 https://doi.org/10.5771/1615-634x-2011-3-444 Generiert durch IP '207.241.231.83', am 19.07.2018, 17:25:27. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.