Umschriebene Sprachentwick- lungsstörungen (USES) und Mehr- sprachigkeit Die Diagnostik von USES bei mehrsprachig in einer Minderheitensituation aufwachsenden Kindern fordert Praktiker und Praktikerinnen heraus, da bisher keine verlässlichen Sprachtests zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe Fehldiagnosen von mehrsprachigen Kin- dern vermieden werden können. Dies liegt nicht zu- letzt an der sprachlichen Heterogenität der Gruppe von mehrsprachigen Kindern, deren Sprachenerwerb von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Sprachtypologie der Einzelsprachen, das Leben als sprachliche und ge- sellschaftliche Minderheit, Alter zu Beginn des Erwerbs in Erstsprache (L1) und L2, Erwerbsdauer und Erwerbs- kontext für die einzelnen Sprachen, institutionelle Bil- dung und Zugang zu Literalität und sozioökonomischer Status der Familien, beeinflusst wird [1]. Inwieweit ein- zelne Faktoren als objektivierbare Messgrößen in der Konstruktion von Testverfahren berücksichtigt werden können, ist Gegenstand aktueller Forschungen [2]. Hinzu kommen die Untergruppen von USES, wie pho- netisch-phonologische oder semantisch-lexikalische Ausprägungen der Störung, die sich gegenseitig über- lappen können [3, 4]. Merke Bei Monolingualen sind 5 7 % aller Kinder von einer USES betroffen und es ist stark zu vermuten, dass diese Prävalenzrate auch für Mehrsprachige gilt. USES prägen sich sprachspezifisch und spezifisch sprachlich in allen Sprachen eines Kindes aus, wobei bekannt ist, dass die Mehrsprachigkeit an sich keine Ursache für USES ist [5, 6]. Diagnostik von USES bei Mehrsprachigkeit In der Praxis haben sich verschiedene Vorgehensweisen etabliert: Neben der Nutzung von etablierten L2-Tests, deren Ergebnisse ggf. unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit und umschriebene Sprachentwicklungs- störungen (USES) Methoden der Diagnostik in der Zweitsprache Deutsch Assessment of Bilingual Children with Developmental Language Disorders (DLD) Solveig Chilla, Cornelia Hamann In diesem Beitrag wird dargelegt, inwieweit die Diagnostik von umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen (USES) bei mehrsprachigen Kindern von aktuellen Forschungsergebnissen profitieren kann. Die hier vorgestellten deutschsprachi- gen Versionen von Verfahren zur Differenzialdiagnose verschiedener sprachlicher Fähigkeiten, die in einem größeren europäischen Verbundprojekt entstanden sind, und das beschriebene Vorgehen zur Diagnostik können einen Beitrag dazu leisten, mehrsprachig in Deutschland aufwachsende Kinder von mehrsprachig aufwachsenden Kindern mit USES zu unterscheiden. Die Erhebung von Informa- tionen zur Sprachenbiografie und zum Sprachengebrauch spielt hierbei eine Schlüsselrolle. LERNZIEL Ziel ist es, die Ergebnisse eines eigenen For- schungsprojektes unter Bezug auf den aktuellen internationalen Forschungsstand und die diag- nostischen Möglichkeiten zu USES bei mehrspra- chigen Kindern aufzunehmen, ihre Chancen und Grenzen für die Diagnostik im Deutschen als Zweitsprache (L2) zu reflektieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten. Schwerpunktthema 78 Chilla Solveig et al. Mehrsprachigkeit und umschriebene Sprache · Stimme · Gehör 2018; 42: 7881 Heruntergeladen von: State University of New York at Stony Brook. Urheberrechtlich geschützt.