Monatsschr Kinderheilkd 2014 · 162:428–434
DOI 10.1007/s00112-014-3125-6
Online publiziert: 16. April 2014
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
J. Quitmann
1
· S. Witt
2
· A. Rohenkohl
1
· M. Bullinger
1
· R. Sommer
1
· R. Klingebiel
3
·
K.-H. Klingebiel
3
· D. Bergs-Winkels
2
1
Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg
2
Department Social Work, Hamburg University of Applied Science, Hamburg
3
German Association for People of Short Stature and their Families
Lebensqualität
junger Menschen mit
Achondroplasie
Qualitativer Vergleich der Perspektiven
von Betroffenen und Eltern
Achondroplasie ist als disproportio-
nierter Kleinwuchs wesentlich durch
verkürzte Extremitäten charakte-
risiert. Die Betroffenen leiden auf-
grund der verminderten Selbststän-
digkeit und der psychosozialen Belas-
tungen unter Einschränkungen im all-
täglichen Leben. Um effektive Hilfs-
und Unterstützungsmaßnahmen ent-
wickeln zu können, ist es notwendig,
die körperlichen und sozioemotiona-
len Probleme zu identifizieren, mit
denen von Achondroplasie betroffe-
ne junge Menschen und ihre Eltern
konfrontiert sind.
Hintergrund
Die Achondroplasie ist eine definier-
te Diagnose innerhalb der Skelettdyspla-
sien. Diese bilden eine heterogene Gruppe
von genetisch bedingten Erkrankungen,
die auf einer Knochenentwicklungsstö-
rung beruhen [28], meist resultierend in
disproportioniertem Kleinwuchs [13]. Die
Achondroplasie ist die häufigste Form des
genetisch bedingten Kleinwuchses [20].
Mit einer Inzidenz von ca. 1:20.000 Ge-
burten jährlich gehört sie zu den seltenen
Erkrankungen, betrifft aber weltweit über
250.000 Menschen. Meistens kann die
Diagnose Achondroplasie schon bei Ge-
burt gestellt werden. Die Kennzeichen der
Krankheit sind so evident, dass sie leicht
zu identifizieren ist [27].
Von Achondroplasie betroffene Men-
schen sind kleinwüchsig und weisen
veränderte Körperproportionen auf.
Die Endgröße beträgt bei Männern im
Durchschnitt 130 cm; bei Frauen 126 cm
[10]. Achondroplasie ist als disproportio-
nierter Kleinwuchs wesentlich durch ver-
kürzte Extremitäten, die vielfach den All-
tag erschweren, charakterisiert. Häufig ist
eine O-Bein-Stellung zu beobachten; hier-
bei ist das Wachstum der Fibula im Ver-
gleich zur Tibula verstärkt. Oft kommt es
zu Schmerzen an den veränderten großen
Gelenken [20]. Daneben sind die Makro-
zephalie mit betonter Stirn, einer Sattel-
nase sowie einer verkleinerten Schädelba-
sis typisch. Im Beckenbereich sind kurze,
quadratische Schaufeln sowie ein verkürz-
ter Querdurchmesser des kleinen Beckens
charakteristisch. Das verengte Hinter-
hauptsloch kann besonders im Säuglings-
alter zu neurologischen Ausfällen und
Apnoen führen [20]. Eine Spinalkanal-
stenose mit neurologischen Komplikatio-
nen, wie belastungsabhängige Schmerzen,
Paresen und Parästhesien in den unteren
Extremitäten, kann, verursacht durch den
verengten Rückenmarkkanal in Verbin-
dung mit einer Hyperlordose der Lenden-
wirbelsäule sowie in späteren Jahren da-
zukommenden degenerativen Verände-
rungen, auftreten. Durch die verkleiner-
te Schädelbasis, die zu einer Minderbelüf-
tung der Eustachi-Röhre führen kann, lei-
den Kinder mit Achondroplasie häufiger
an Mittelohrentzündungen [20]. Betroffe-
ne berichten oft über verstärktes Schwit-
zen. Darüber hinaus besteht in den ersten
Lebensjahren eine unterschiedlich stark
ausgeprägte muskuläre Hypotonie [20].
Die medizinische Therapie für Patien-
ten mit Achondroplasie besteht in der Re-
gel aus unterstützenden orthopädischen
und physiotherapeutischen Maßnahmen
[16]. Zusätzlich können bilaterale Bein-
verlängerungen erfolgen. Teilweise wer-
den diese mit einer Korrektur von schwer-
wiegenden Fehlstellungen der Beine kom-
biniert [27]. Neben unterschiedlichen Me-
thoden hat sich ein Verfahren mit einem
ringförmigen Fixateur externe am weites-
ten durchgesetzt und am besten bewährt,
es birgt jedoch neben seinen Vorteilen
auch Nachteile [7].
Es ist davon auszugehen, dass diese kli-
nischen Charakteristika die Lebensquali-
tät der Betroffenen erheblich beeinträch-
tigen können [2]. Die Betroffenen leiden
Redaktion
B. Koletzko, München
T. Lücke, Bochum
N. Wagner, Aachen
S. Wirth, Wuppertal
F. Zepp, Mainz
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Monatsschrift Kinderheilkunde 5 · 2014
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