Gynäkologe 2009 · 42:639–648
DOI 10.1007/s00129-009-2427-6
Online publiziert: 15. Juli 2009
© Springer Medizin Verlag 2009
O.E. Janßen
Endokrinologikum Hamburg, Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen,
Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie, Hamburg
Sterilität und Schilddrüse
Zusammenfassung
Eine manifeste Hyperthyreose ist bei Frauen mit Kinderwunsch sehr selten. Aufgrund der Schwe-
re der Erkrankung ist eine Konzeption i.d.R. nicht möglich. Grundsätzlich ist eine Ursachenab-
klärung und eine definitive, bei Kinderwunsch vorzugsweise chirurgische Therapie erforderlich.
Eine latente Hyperthyreose hat keinen wesentlichen Einfluss auf die weibliche Fertilität. Nicht
nur die manifeste, sondern auch die latente Hypothyreose führt bei der Frau zur Einschränkung
der Fertilität. Die häufigste Ursache ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Eine manifeste Hypothyreo-
se erfordert immer eine ausreichende Substitution, bei der latenten Hypothyreose kann eine Teil-
substitution mit Thyroxin den Eintritt einer Schwangerschaft erleichtern. Ein wichtiger Nebenef-
fekt der Behandlung der Fertilitätsstörungen latent hypothyreoter Frauen ist die Vermeidung ei-
ner manifesten Hypothyreose in der Schwangerschaft und ihrer möglichen deletären Folgen für
Mutter und Kind. Aus dem gleichen Grund sollte regelhaft eine Jodidsubstitution erfolgen, sie ist
nur kontraindiziert bei florider Hyperthyreose oder hohen TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK).
Erhöhte Thyreozyten-Peroxydase (TPO)-Antikörper sind mit einer erhöhten Abort- und Früh-
geburtsrate korreliert, ohne dass eine Kausalität bewiesen oder eine Intervention möglich ist. Bei
subfertilen Männern kann eine Abklärung der Schilddrüsenfunktionsstörung nur bei klinischem
Verdacht empfohlen werden.
Schlüsselwörter
Infertilität · Subfertilität · Hashimoto-Thyreoiditis · M. Basedow · TPO-Antikörper · TSH-Rezep-
tor-Antikörper
Sterility and the thyroid
Abstract
Overt hyperthyroidism is rare in women wishing to conceive. Due to the severe manifestations con-
ception is usually not possible and swift diagnosis and definite treatment, preferably surgical, are
recommended. Subclinical hyperthyroidism does not have a significant impact on female fertili-
ty per se. In contrast both overt and subclinical hypothyroidisms impede female fertility, the most
common cause being autoimmune thyroid disease. Overt hypothyroidism always requires thyrox-
ine treatment and for subclinical hypothyroidism treatment with thyroxine may facilitate concep-
tion. An important aspect of thyroxine treatment of women with latent hypothyroidism is to avoid
overt hypothyroidism in pregnancy and its deleterious maternal and fetal consequences. For the
same reason iodine supplementation should be performed regularly except in cases with active hy-
perthyroidism or high TSH receptor antibodies. Elevated thyroid peroxidase antibody levels cor-
relate with an increased rate of miscarriage and preterm delivery, however, a causal relationship
is unclear and no intervention is possible. In subfertile men screening can only be recommended
when thyroid dysfunction is clinically apparent.
Keywords
Infertility · Subfertility · Autoimmune thyroid disease · Graves’ disease · TSH receptor antibodies ·
TPO antibodies
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