Essay
Forsch Komplementmed 2013;20(suppl 2):41–44 Published online: 21. Juni 2013
DOI: 10.1159/000351739
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. rer. nat. Florian Überall
Biozentrum, Sektion für Medizinische Biochemie
Medizinische Universität Innsbruck
Innrain 80–82, 6020 Innsbruck, Österreich
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Neue Ansätze zur Wirkmusteraufklärung pflanzlicher
Mehrstoffgemische
Johanna M. Gostner Peter Gruber Kathrin Becker Martina Naschberger Florian Überall
Biozentrum, Sektion für Medizinische Biochemie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Schlüsselwörter
Mehrstoffgemisch · Mikroarray · Expressionsanalyse ·
Ginkgo biloba · Padma 28 · Echinacea · Phytotherapeutika
Zusammenfassung
Obwohl die Hauptwirkungen traditioneller Präparate größ-
tenteils seit langem bekannt sind, sind die molekularen Hin-
tergründe der Aktivitätsmechanismen häufig nicht im Detail
erforscht. Die pharmakorelevanten Aktivitäten botanischer
Therapeutika resultieren oft aus der additiven oder syner-
gistischen Wirkung einer Vielzahl von Inhaltsstoffen. Unter-
schiedliche Studien wurden publiziert, in denen die Effekte
solcher Mehrkomponentengemische an ausgewählten In-
vitro-Zellmodellen mittels Genexpressionsanalyse unter-
sucht wurden. Hier erwähnte Beispiele umfassen Transkrip-
tionsanalysen mit Extrakten aus Ginkgo biloba und Echina-
cea sowie der Tibetischen Rezeptur Padma 28. Transkripti-
onsprofile können verwendet werden, um Moleküle und
Signalwege herauszufiltern, die durch eine bestimmte Be-
handlung beeinflusst sind. Differenziell exprimierte Gensets
können mit Informationen aus Interaktionsdatenbanken in-
tegriert werden, um Einsichten in betroffene biologische
Prozesse zu erhalten. Die Methode der Transkriptionsana-
lyse mittels Mikroarray-Technologie ist in unterschiedlichen
Bereichen der Naturstoff-Forschung anzutreffen, wobei die
Einsatzgebiete von der Wirkmusterbeschreibung bis hin
zum Toxizitätsprofiling reichen.
Keywords
Multi-component mixture · Microarray · Expression analy-
sis · Ginkgo biloba · Padma 28 · Echinacea · Herbal drugs
Summary
New Approaches to Elucidate the Activities of Botanical
Multi-Component Mixtures
Although the major activities of traditional remedies have
mostly been known since ancient times, their molecular
mechanisms of action have usually not been investigated in
much detail. The pharmaceutically relevant activities of bo-
tanical therapeutics frequently result from additive or syner-
gistic effects of a multitude of components. Several studies
have been published that analyze the effects of complex
preparations on selected in vitro model cell systems by
using gene expression analysis. Herein, the examples re-
ferred to include transcriptional studies with extracts from
Ginkgo biloba and Echinacea as well as the Tibetan Formula
Padma 28. Transcriptional profiles can be used to deduce
key molecules and pathways affected upon treatment. Dif-
ferentially expressed gene sets can further be integrated
with information derived from interaction databases, thus
giving a more comprehensive view of activated biological
processes. Transcriptomics, by using microarray technology,
is used as a tool in different fields of natural product re-
search, ranging from activity monitoring to toxicity profiling.
Hinweis: Padma 28 (Swissmedic No. 58436) ist in der Schweiz auch unter
den Namen Padmed Circosan (Swissmedic No. 60131) und Arteria-vita
(Swissmedic No. 62863) erhältlich und kassenzulässig.
Hintergrund
Viele in traditionellen Medizinsystemen verwendete Rezeptu-
ren sind Mehrkomponentengemische. Im Gegensatz zu Mono-
substanzen interagieren die Inhaltsstoffe bei komplex zusam-
mengesetzten Rezepturen häufig additiv, nicht selten auch syn-
ergistisch, und die Wirkung beruht auf den Effekten vieler, oft
schwacher Aktivitäten [1, 2]. Daher muss die ganze Mischung als
pharmakologisch aktiver Wirkstoffkomplex angesehen werden,
dem eine pleiotrope Wirksignatur zugeordnet werden kann [3].
Die Effekte werden auf unterschiedliche Zielmoleküle und Zell-
strukturen ausgeübt [4]. Dieses Multi-Target-Prinzip sowie die
unterschiedlichen Charakterisierungen und Begrifflichkeiten
von Phytotherapeutika und Krankheitsbildern im traditionellen
und im modernen Kontext machen die wissenschaftliche Erfor-
schung traditioneller Vielstoffrezepturen schwierig [5].
Vorteile erwartet man sich von pleiotropen Wirkmechanis-
men insbesondere bei der Behandlung komplexer, multikausaler
Erkrankungen und chronischer Prozesse wie Entzündungen, die